IWH-Studie: Kohle-Ausstieg schadet der deutschen Wirtschaft kaum

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Der Kohle-Ausstieg steht an, obwohl die Strompreise für die Braunkohle bei einem Ende 2035 definitiv steigen würden. Doch das werde gesamtwirtschaftlich kaum zu merken sein, so heißt es in der neuen Studie vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (IWH).

Nicht überall werde es so glimpflich ablaufen. In einzelnen Regionen könnten der Effekt enorm sein. Der Autor der Studie, Oliver Holtemöller, geht nicht davon aus, dass die geplanten Strukturhilfen die Auswirkungen in allen Regionen abfedern können.

Gesamtwirtschaftlich gesehen kann sich Deutschland einen schnelleren Ausstieg aus der Braunkohleverstromung dennoch leisten.

Oliver Holtemöller, Autor der IWH-Studie

Nächster Schritt: Spitzentreffen im Kanzleramt

Die Studie wird auch Thema beim nächsten Spitzentreffen im Kanzleramt sein. Bundeskanzlerin Merkel will dort mit Länder-Ministerpräsidenten der Kohle-Kommission den Weg für eine friedliche Einigung ebnen. An den Beratungen nehmen unterschiedliche Parteien teil:

  • Mehrere Minister (beispielsweise Finanzminister Olaf Scholz (SPD))
  • Vorsitzenden der Kommission

In Kommissions- und Regierungskreisen wird grünes Licht für diese heiße Phase der Kommissionsarbeit erwartet. Auch der grobe Rahmen für den finanziellen Spielraum könnte großzügig ausfallen.

Die Kommission will in zehn Tagen ihre Empfehlungen formulieren, wie der Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohle verlaufen und die Regionen unterstützt werden können.

Wichtige Zahlen & Infos der Studie

  • Bei einem schnelleren Ausstieg entfallen bei Zulieferern Arbeitsentgelte von 4,2 Milliarden Euro
  • Die Zahl der Beschäftigten werde um 16.000 abnehmen
  • Deutschland wird, bis auf die Region Lausitz, kaum betroffen sein
  • 2.500 Arbeitskräfte könnten Lausitz (Brandenburg) verlassen, die Arbeitslosigkeit könnte dort um einen Prozentpunkt steigen

 

Bericht sollte bereits im Dezember vorliegen

Die Kohle-Kommission wollte den Bericht mit Vertretern aus

  • Umweltgruppen,
  • Industrie,
  • Wissenschaft und
  • Gewerkschaften

bereits im Dezember vorlegen. Aus den Braunkohleländern Sachsen und Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen kam jedoch Kritik an den Entwürfen der Kommission.

Mittlerweile gilt es als sicher, dass ein zweistelliger Milliarden-Betrag für die Entschädigung der Kohle-Kraftwerksbetreiber und den Strukturwandel benötigt wird.

Das Enddatum für das letzte Kraftwerk liegt somit zwischen 2035 und 2040. Dies entspricht in etwa dem Zeitraum, den auch das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in seiner Studie festgesetzt hat.

Quelle: Reuters

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