5 Gründe, warum gerade weibliche Führungskräfte einem hohen Druck ausgesetzt sind

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Werden Frauen in Führungspositionen stärker diskriminiert?
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Weibliche Führungskräfte stellen in Unternehmen immer noch eine Minderheit dar. Lediglich 20 Prozent der Führungspositionen sind mit Frauen besetzt. Zudem verspüren Frauen einen erhöhten Druck und leiden unter einem hohen Stresslevel. Warum das so ist, erfährst du hier.

1. Unterschiedliche Ansätze im Unternehmen

Die folgenden aufgeführte Faktoren in der Unternehmensführung sind von entscheidender Bedeutung. Sie spielen eine tragende Rolle in der Behandlung von weiblichen und männlichen Führungskräften. Je nach Ansatz kann der Stresspegel der weiblichen Führungskraft deutlich gesteigert werden.

Die Gleichberechtigung

Weibliche Führungskräfte sind gänzlich anderen Erwartungen ausgesetzt als männliche Führungskräfte. Das kann Stress verursachen. Prinzipiell wird in einzelnen Unternehmen nach dem Modell der Gleichberechtigung gearbeitet. Frauen haben also das gleiche Recht auf eine verantwortungsvolle Führungsposition wie der männliche Kollege. Männer arbeiten häufig Vollzeit und sehr aufopfernd. Das kann Frauen schnell unter Stress setzen, da die gleiche Arbeitsweise vorausgesetzt wird.

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Der Differenz-Ansatz

Der Differenz-Ansatz ist eine Alternative zum Ansatz der Gleichberechtigung. Dieser Ansatz betrachtet Frauen aufgrund der Lebensverhältnisse differenziert, was gleichzeitig bedeutet, dass diese auch eine andere Arbeitsweise an den Tag legen dürfen. Unterschiedliche Ressourcen der Geschlechter dürfen demnach verschieden genutzt werden.

Das „Anders-Sein“ kann bei weiblichen Führungskräften aber für zusätzlichen Stress sorgen.

Während Frauen Stärken wie Kommunikation oder Organisation zugeordnet werden, sind Männer für die Entscheidungen im Unternehmen zuständig. Dieser Ansatz kann jedoch Vorurteile begünstigen. Die festgelegten Rollenbilder können viele Frauen unter Stress setzen.

Der Diversity-Ansatz

Der Diversity-Ansatz konzentriert sich auf die unterschiedlichen Lebensbedingungen von Mann und Frau. Beide Geschlechter werden aufgrund ihrer Lebenssituation wie Mutter, Vater, arm, reich, mit oder ohne Behinderung entsprechend behandelt. Auch hier kann es zu erhöhtem Druck bei weiblichen Führungskräften kommen. Stigmatisierung und der Fokus auf sonderbare Lebensbedingungen kann vermehrten Stress auslösen.

2. Vorbildfunktion von Frauen in Führungspositionen

Noch immer sind weibliche Führungskräfte in der Minderheit.

Frauen als Führungskräfte machen weniger als 20 Prozent in einem Unternehmen aus. Die Frauen in Führungspositionen werden aus „außergewöhnlich“ angesehen und dienen der Vorbildfunktion.

Die Beobachtung setzt Frauen unter Druck. Weibliche Führungskräfte werden als etwas Besonderes angesehen, dennoch werden gewisse Charaktereigenschaften dem weiblichen und männlichen Geschlecht zugesprochen. Ist eine Frau zu dominant, führt es zur Irritation. Das kann Unternehmerinnen unter Druck setzten, da sie stets darum bemüht sind, richtig zu handeln.

Aufgrund einer Sonderrolle und vermehrter Beobachtung stehen Frauen unter permanent körperlicher Anspannung und sind nicht in der Lage, ihren Bedürfnissen zu folgen.

3. Die Netzwerke von Frauen und Männer

Häufig werden Entscheidungen nach Potenzial und anschließender Beförderung durch das Gleichheitsprinzip getroffen. Da in Führungspositionen überwiegend das männliche Geschlecht wiederzufinden ist, fällt sie Entscheidung auch häufig für Männer. Meist bilden sich in Unternehmen regelrechte Netzwerke, männliche und weibliche. Grund hierfür ist, dass gegenüber dem gleichen Geschlecht mehr Sympathie herrscht.

Männliche Netzwerke sind häufig stärker und stehen in engerem Kontakt zu Führungspositionen.

Männliche Netzwerke ziehen sich bis in das private Umfeld. So gehen Führungskräfte untereinander zum Beispiel gemeinsam zum Sport. Frauen fehlt diese soziale Komponente. Sie müssen Kontakt zu männlichen Netzwerken halten, um Entscheidungen zu treffen, haben aber auch das Bedürfnis nach weiblichen Kontakten, um soziale Bedürfnisse zu befriedigen. Das sorgt für einen erhöhten Stress auf weiblicher Seite.

4. Die vermeintlichen Eigenschaften einer Frau

Einer weiblichen Führungskraft werden häufig bestimmte Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Zärtlichkeit zugeordnet. Männern werden hingegen ein Selbstbewusstsein und eine Bestimmtheit unterstellt. Das aggressive, dominante und ehrgeizige Auftreten eines Mannes wird häufig mit Führungspositionen in Verbindung gebracht.

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Aufgrund dieser vorgeschriebenen Charaktereigenschaften fühlt sich eine weibliche Führungskraft unter Druck gesetzt. Sie ist darum bemüht, sich männlicher Charaktereigenschaften anzugleichen. Dies sorgt wiederum für Irritation auf der anderen Seite.

Stereotypen sind in speziellen Bereichen wie Elektronik oder Bau besonders ausgeprägt. Frauen müssen sich deutlich mehr beweisen. Es entsteht eine hohe Frustration aufgrund mangelnder Wertschätzung seitens der Frau.

5. Kompetenz vs. Glück

Sind Frauen in Führungspositionen wiederzufinden, wird das häufig dem Glück zugesprochen. Männer hingegen haben meist deutlich mehr Potenzial. So erklärt es zumindest das Kausalprinzip. Entsprechend dieser Annahme werden Erfolge und Misserfolge gerechtfertigt.

Fehler sind bei weiblichen Führungskräften aufgrund mangelnder Kompetenz passiert, das Können ist auf das Glück zurückzuführen. Männern hingegen wird bei Fehlern häufig mangelndes Wissen oder Flüchtigkeit zugesprochen.

Wird das Unternehmen noch immer von Männern dominiert, stehen diese in der Hierarchie über der weiblichen Führungskraft. Verbucht diese jedoch Erfolge, müssen diese abgewertet werden, um der Hierarchie gerecht zu werden.

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Fazit

Noch immer herrschen zahlreiche Stereotypen, was die weibliche Rolle in Unternehmen betrifft. Durch Stigmata oder die Zuordnung bestimmter Charaktereigenschaften spüren weibliche Führungskräfte einen vermehrten Druck. Mangelnde Wertschätzung bringt Frauen dazu, mehr leisten zu müssen und schneller frustriert zu sein. Je nach Branche sind die Stereotypen und Hierarchien besonders ausgeprägt. Auch die männlichen Netzwerke sind meist deutlich stärker.

Dr. Yana Fehse
Dr. Yana Fehse ist Psychologin, Mindset-Coach und Expertin für ein souveränes und überzeugendes Auftreten. Sie hat in Hamburg studiert und hat viele Jahre einem Assessment Center des Deutschen Center für Luft- und Raumfahrt (DLR) gearbeitet. Nach der Promotion hat sie als Dozentin an der FOM in Hamburg und danach als Personalleiterin bei einem Energiedienstleister gearbeitet. Seit 2015 ist sie selbstständig als Coach und Trainerin u.a. für eine Unternehmensberatung und viele renommierte Unternehmen tätig, u.a. AIRBUS, OTTO. Heute hat sie sich auf die Persönlichkeitsentwicklung und Unterstützung von UnternehmerInnen und Führungskräften spezialisiert. Ihre Vision ist es, dass möglichst viele Menschen wissen, wie sie die nächsten Schritte auf ihrer Karriere-Leiter erfolgreich und mit viel mehr Überzeugungskraft, Freude und Zuversicht gehen können.

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