Gründung & Selbstständigkeit: 6 Tipps für den schwierigen Anfang

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Gründung & Selbstständigkeit: 6 Tipps für den schwierigen Anfang
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Gründen ist Sprint und Marathon gleichzeitig. Sei es der Schritt in die Selbstständigkeit oder die Gründung eines Unternehmens – besonders die erste Phase ist kräftezehrend und hält nicht selten alle nur denkbaren Gefühlslagen bereit. Der Druck ist oft von der ersten Stunde an hoch, schließlich muss bewiesen werden, dass eine Geschäftsidee in ein funktionierendes Geschäftsmodell samt Businessplan transformiert werden kann. Naturgemäß erfordert der Weg in die Selbständigkeit oder zum eigenen Unternehmen Mut und Durchhaltevermögen. Doch gerade in der Anfangsphase gibt es Vieles zu beachten.

1. Netzwerk aufbauen und Mentoren finden

Ein gutes Netzwerk ist in vielen Lebenslagen unbezahlbar. Damit es da ist, wenn man es braucht, muss frühzeitig in den Ausbau und die Pflege der eigenen Kontakte investiert werden. Ein Netzwerk erfüllt viele Funktionen und ist für Selbstständige und Gründer gleichermaßen wichtig. Nicht selten finden sich darüber die ersten Mitstreiter oder zukünftige Kunden.

Auch Mentoren sind ein essenzieller Bestandteil von Netzwerken. Sie bieten einen objektiven und manchmal relativierenden Blick auf die Sache.

Das Vertrauensverhältnis zu einem Mentor macht es diesem möglich, bestimmte Wahrheiten aussprechen – selbst, wenn sie unangenehm sind.

Dies kann gerade in der Anfangszeit wichtig sein, weil die eigene Euphorie und Überzeugung bei der kritischen Selbstreflexion hinderlich sein können.

2. Finanzierung und Fördermaßnahmen

Auch Business-Angels oder Seed-Investoren können die Aufgabe übernehmen, mit einer gewissen kritischen Distanz über den aktuellen Status quo sowie die nächsten nötigen Schritte zu urteilen. Das führt uns zur Frage der Finanzierung. Ob immer ein Investor mit ins Boot geholt werden muss, der sich für seine finanzielle Unterstützung einen Anteil am Unternehmen sichert, lässt sich nicht generell beantworten, sondern muss im Einzelfall entschieden werden.

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Klar ist, dass nicht jede Gründung mit Wagniskapital finanziert werden muss und nicht jede Geschäftsidee unbedingt zu einer der Crowdfunding-Plattformen passt. Dennoch ist es in jedem Fall empfehlenswert, sich über Fördermaßnahmen, wie etwa die vom Bund unterstützte KfW-Bank, zu informieren und diese – wenn möglich – zu nutzen. Gerade für Existenzgründer gibt es zahlreiche, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Angebote.

3. Das perfekte Team und die ersten Aufträge

Ein oft vernachlässigter Erfolgsaspekt bei Gründungen ist das Team. Ein perfekt auf allen Ebenen harmonierendes Team zusammenzustellen, ist eine Herausforderung: Die Chemie muss natürlich an erster Stelle stimmen, schließlich verbringt man sehr viel Zeit zusammen und muss auch unter Stress gut zusammenarbeiten können. Neben Sympathie muss aber auch die Einsatzbereitschaft in einem entsprechenden Maß vorhanden sein. Und nicht zuletzt sollten sich die fachlichen Qualifikationen aller Teammitglieder optimal ergänzen.

Für Freelancer wiederum, die gerade den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben, ist es am Anfang unentbehrlich, an interessante Projekte zu kommen. Sie müssen ihr Wissen und ihr Können unter Beweis stellen.

Je mehr Erfahrung und je mehr Referenzen, desto eher gelingt es, Fuß zu fassen.

Neben dem eigenen Netzwerk bieten sich hier je nach Fachgebiet unterschiedliche digitale Plattformen an – wie beispielsweise Projektportale, über die sich die ersten lukrativen Aufträge an Land ziehen lassen.

4. Digitale Tools nutzen – Kollaboration und Organisation

Ein wichtiger Fokus sollte am Anfang auch auf einer möglichst reibungslosen Kommunikation und Kollaboration liegen. Das betrifft sowohl die Zusammenarbeit innerhalb eines Teams als auch die Kooperation mit anderen Unternehmen oder Abteilungen. Besonders in einer Situation, in der es noch keine etablierten Abläufe und Prozesse gibt – wie dies für junge Unternehmen und Selbstständige durchaus typisch ist –, können digitale Tools dabei helfen, Aufgaben optimal zu koordinieren, durchzuführen und zu dokumentieren.

Letzteres hilft bei einem der wichtigsten Ziele von Jungunternehmern und Selbständigen: dem Lernen. Denn einer der geschätzten Vorteile von Startups und Freelancern besteht gerade darin, agil zu sein, sich schnell anpassen zu können und zu lernen, was die beste Strategie für ein gegebenes Problem ist. Daneben gibt es auch spezielle Tools, etwa zum Erstellen von Businessplänen. Diese unterstützen dabei, notwendige Aufgaben und Pflichten schnell und einfach zu erledigen, anstatt sie auf die lange Bank zu schieben.

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Infografik: Wo am häufigsten gegründet wird | Statista

5. Digitales Marketing zur Steigerung der Bekanntheit

Die ersten zufriedenen Kunden sind besonders wertvoll.

Sie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Produkt oder eine Dienstleistung wieder in Anspruch nehmen beziehungsweise weiterempfehlen. Um die eigene Bekanntheit zu steigern, führt heute aber kein Weg mehr am digitalen Marketing vorbei. Für Selbstständige und Gründer gehören Auftritte bei den unterschiedlichen beruflichen und sozialen Netzwerken, eine eigene Landing-Page sowie SEO (Suchmaschinenoptimierung) und SEA (Suchmaschinenwerbung) zur Pflicht. Auch der Newsletter zählt nach wie vor zu den beliebtesten Marketinginstrumenten.

Um die eigene Sichtbarkeit und Reichweite zu steigern und um die eigenen Leistungen oder Angebote bekannter zu machen, ist es darüber hinaus wichtig, sich als Marke zu begreifen. Personal Branding beziehungsweise Employer Branding sind hier zwei zentrale Methoden, um bei der eigenen Positionierung strategisch vorzugehen.

EXTRA: Wie du mit Personal Branding selbst zur Marke wirst: 7 Tipps

6. Durchhaltevermögen, eine produktive Fehlerkultur und der Blick fürs große Ganze

Alle diese Tipps und Tools können dabei helfen, bestimmte Herausforderungen auf dem Weg in die Selbstständigkeit beziehungsweise zum eigenen Unternehmen zu meistern. Sie ersetzen natürlich nicht die notwendige Entschlossenheit, Tatkraft und Beständigkeit, ohne die es am Anfang nicht geht. Zur frühen Gründungsphase gehört es ebenfalls, Fehler zu machen. Das Entscheidende dabei ist, diese nicht als persönliches Scheitern zu begreifen, sondern als Gelegenheit, daraus zu lernen. Fehler und Wachstumsschmerzen sind nur dann problematisch, wenn es nicht gelingt, damit produktiv und positiv umzugehen.

Die Leidenschaft und der große Tatendrang der ersten Zeit drohen auch aufgrund der Unwägbarkeiten, der Ungewissheit und der vielen kleinen Herausforderungen zu schwinden. Es ist nur zu leicht, im alltäglichen Klein-Klein den Blick für das große Ganze zu verlieren. Dabei ist es essenziell, das eigentliche Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Oft wird erst in der Rückschau klar, dass sich die Anstrengungen der schwierigen ersten Zeit tatsächlich gelohnt haben.

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