Schritt für Schritt dem Burnout vorbeugen (Teil II)

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Unser Leben stellt heutzutage viele verschiedene Herausforderungen an uns und man fühlt sich daher schnell nicht nur gefordert, sondern überfordert. Im ersten Teil des Artikels hast du bereits erfahren, wie wichtig es ist, Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen, um die richtige Balance im Leben zu finden – und auch zu wahren. Die vier Lebensbereiche sollten ausgeglichen sein, und das kann nur gelingen, wenn du eine Vision von deinem zukünftigen Leben hast.

1. Ziel: Physisch und psychisch gesund bleiben

Dass wir eine solche Lebensvision haben, wird zunehmend wichtig, wenn wir unsere (seelische) Gesundheit und somit unsere Leistungskraft und Lebensfreude bewahren möchten. Das erkannte vor fast 20 Jahren bereits der Zukunftsforscher Leo A. Nefiodow, der in seinem Buch „Der sechste Kondratieff“ unter anderem schrieb:

„Nach der Informationstechnologie wird in den kommenden 40 bis 60 Jahren das Thema Gesundheit nicht nur der Wachstumsmotor der Wirtschaft, sondern auch das zentrale gesellschaftliche Thema sein.“

Dass dies zutrifft, zeigt sich unter anderem darin, dass in der medizinischen Forschung zunehmend das Thema Salutogenese an Bedeutung gewinnt – also die Frage: Warum werden gewisse Menschen nicht krank, obwohl sie in ihrem Leben den selben gesundheitsbelastenden Faktoren ausgesetzt sind wie viele erkrankte Menschen? Und damit verbunden die Frage: Wie kann man die Widerstandskraft von Menschen so stärken, dass sie gesund bleiben, selbst wenn sie – sei es beruflich oder privat – großen Belastungen ausgesetzt sind?

2. Schlüsselkompetenz: Gelassenheit und Zuversicht

Eine zentrale Erkenntnis dieser Forschung ist: Ob uns etwas krank macht, hängt auch davon ab, wie wir auf Herausforderungen reagieren. Eher passiv, ängstlich mit der Grundhaltung: „Das schaffe ich nicht?“ Oder eher selbstbewusst und getragen von der Zuversicht: „Irgendwie schaffe ich das schon, denn in meinem Leben habe ich schon viele Herausforderungen gemeistert.“

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Wie selbstbewusst wir mit Herausforderungen umgehen, hängt auch davon ab, ob wir eine Vision von unserem künftigen Leben haben. Diese ist unter anderem wichtig, weil heutzutage immer mehr Anforderungen an uns gestellt werden, die sich nur bedingt miteinander vereinbaren lassen. Dies werden die meisten berufstätigen Mütter sofort bestätigen. Denn in den meisten höher qualifizierten Jobs sind unregelmäßige Arbeitszeiten normal.

Für berufstätige Mütter bedeutet dies: Sie können beispielsweise nicht mehr täglich um Punkt 16 Uhr das Büro verlassen. Was sollen sie aber tun, wenn der Kindergarten um 16 Uhr schließt? Noch ein Beispiel: Vielen Vertriebsmitarbeitern von Unternehmen fällt es zunehmend schwer, regelmäßige private Termine wahrzunehmen. Denn immer wieder müssen kurzfristig Angebote für Kunden erstellt werden, nicht selten dauert ein Kundentermin auch länger als geplant. Entsprechendes gilt für viele Projektverantwortliche in Unternehmen. Demnach sind (Interessen-)Konflikte vorprogrammiert.

Für solche Konflikte bietet uns das klassische Zeit- und Selbstmanagement keine Lösung. Denn irgendwann ist unser Terminplan einfach voll. Und auch das empfohlene Delegieren von Aufgaben stößt an seine Grenzen – zum Beispiel, weil uns schlicht das Geld zum Beschäftigen einer Haushaltshilfe oder zum Einstellen eines weiteren Mitarbeiters fehlt.

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3. Herausforderung: Das eigene Leben managen

Hinzu kommt: Das klassische Zeit- und Selbstmanagement berücksichtigt nicht, dass unsere größten Konflikte meist daraus resultieren, dass wir in ein soziales Beziehungsnetz eingebunden sind. Hierfür zwei Beispiele: Ein Angestellter kann sich zwar vornehmen, heute um Punkt 18 Uhr das Büro zu verlassen. Wenn sein Chef jedoch kurz vor 18 Uhr sagt: „Dieses Angebot muss heute noch raus“, dann hat er ein Problem. Ebenso verhält es sich, wenn er sich vornimmt, abends regelmäßig joggen zu gehen, sein Lebenspartner aber sagt: „Wenn du schon so spät von der Arbeit kommst, könntest du dann wenigstens bei mir und den Kindern bleiben.“Buchtipp: Evernote. Mein Life-Management-Tool

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Solche Konflikte berücksichtigt das klassische Zeit- und Selbstmanagement nicht. Es setzt voraus, wir würden als „Lonely Heroes“ durchs Leben gehen. Dies ist uns zwar möglich, doch ein erfülltes Leben werden wir auf diese Weise gewiss nicht führen.

Menschliches Leben ist Leben in Gemeinschaft.

Hinzu kommt: Wenn unser Privat- und Berufsleben an uns Anforderungen stellt, die sich nur schwer miteinander vereinbaren lassen, dann können wir diese meist nur mit Hilfe anderer Menschen meistern. Zum Beispiel, indem wir mit Bekannten regeln: „Montags und donnerstags holst du meine Kinder ab, damit ich länger arbeiten kann. Dafür nehme ich deine Kinder am Dienstag und Freitag mit.“

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Hieraus resultiert eine weitere Anforderung: Wir müssen sozusagen „Manager“ unseres eigenen Lebens werden – das heißt, Personen, die durch ihr heutiges Handeln dafür sorgen, dass sie auch künftig ein glückliches und erfülltes Leben führen.

Infografik: Entwicklung vom Zeit- zum Life-Management

Entwicklung vom Zeit- zum Lifemanagement

Eine Grundvoraussetzung hierfür ist: Wir müssen heute dafür (vor-)sorgen, dass wir auch künftig nicht unsere Lebensbalance verlieren. Zum Beispiel, weil…

  • … wir unseren Arbeitsplatz verlieren (Bereich „Berufliches Leben„).
  • … uns unser Lebenspartner verlässt (Bereich „Soziales Leben„).
  • … wir einen Herzinfarkt erleiden (Bereich „Körper/Gesundheit„).
  • … uns das Burnout-Syndrom und damit die Sinnkrise packt (Bereich „Sinn/Kultur/Stille„).

Der erste Schritt besteht darin, dass wir eine Vision von unserem künftigen Leben entwickeln. Hierzu müssen wir uns, bezogen auf die vier Lebensbereiche, fragen:

  • Was ist mir wirklich wichtig?
  • Worin zeigt sich für mich ein erfülltes Leben?
  • Was muss ich tun, damit ich auch morgen ein glückliches und erfülltes Leben führe?

4. Lösung: Pro-aktiv handeln statt re-agieren

Fragen sollten wir uns zudem regelmäßig: Gibt es in meinem Lebensumfeld oder in meiner aktuellen Lebenssituation Anzeichen dafür, dass künftig die Balance in meinem Leben bedroht sein könnte? Diese Signale können vielfältig sein – zum Beispiel:

  • Zwischen dir und deinem Lebenspartner herrscht zunehmend Schweigen. Auch wichtige Freunde melden sich nicht mehr (Bereich „Soziales Leben„).
  • In deinem Betrieb lautet die oberste Maxime plötzlich „Sparen“ (Bereich „Berufliches Leben„).
  • Du fragst dich immer häufiger: Was soll das Ganze? (Bereich „Sinn/Kultur/Stille„).
  • Du spürst ab und zu ein Stechen in deiner Herzgegend (Bereich „Körper/Gesundheit„).

Spätestens, wenn wir solche „Warnsignale“ registrieren, sollten wir aktiv werden. Denn dann können wir oft noch vermeiden, dass wir die Lebensbalance verlieren. Dann haben wir auch noch die Kraft, Weichen neu zu stellen. Wenn wir bereits in der Krise stecken, fehlt uns diese meist.

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Wenn wir ein Bild von unserem künftigen Leben geistig vor Augen haben, können wir auch einen Maßnahmenplan entwerfen, um unsere Lebensziele zu erreichen. Doch Vorsicht! Sprich darüber auch mit den Personen, die dir wichtig sind – zum Beispiel mit deinem Lebenspartner. Denn nur so kannst du Kompromisse schließen und Übereinkünfte finden, die beide Seiten berücksichtigen. Andernfalls ist die Gefahr groß, dass du irgendwann mit Schrecken registrieren: „Verflixt, mein Karriereziel habe ich zwar erreicht, doch auf dem Weg dorthin habe ich leider meinen Lebenspartner verloren.“

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