Heute den Burnout von morgen vermeiden (Teil I)

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Heute den Burnout von morgen vermeiden (Teil I)

Die Zahl der Personen mit psychosomatischen Erkrankungen steigt – auch weil viele Frauen und Männer noch nicht die nötigen Kompetenzen entwickelt haben, um die Herausforderungen, die das Leben heute an uns stellt, zu meistern. Entsprechend schnell schlägt das „Gefordert-sein“ in ein „Überfordert-sein“ um.

Abschalten, einfach mal scheinbar nichts tun – das fällt vielen beruflich stark engagierten Frauen und Männern schwer. Unruhe packt sie, wenn plötzlich kein Handy mehr klingelt und zum Beispiel an Sonn- und Feiertagen solche Ablenkungen wie etwa das Shoppen entfallen. Denn dann plagen sie häufig – ganz unverhofft – „seltsame“ Fragen. Fragen wie zum Beispiel:

  • Wofür schufte ich eigentlich tagein, tagaus?
  • Macht mir meine Arbeit Spaß?
  • Bin ich mit meiner Beziehung zufrieden?
  • Wer sind eigentlich meine Freunde?

Gefährliche Fragen! Denn wenn wir auf sie keine befriedigenden Antworten finden, gerät unser „seelisches“ Gleichgewicht schnell ins Wanken. Und sind diese Fragen erst einmal aufgetaucht, können wir sie nicht mehr abschütteln. Wir können sie bestenfalls für einige Zeit „betäuben“ – zum Beispiel mit Arbeit, Alkohol und hektischer Betriebsamkeit.

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Deshalb versuchen viele Menschen, diese Fragen bewusst zu verdrängen. Sie verplanen ihre Freizeit wie ihre Arbeitszeit. Ein Termin jagt den anderen. Schnell wird aus der Freizeit gefüllte Zeit.

Mehr Eigenverantwortung gefragt

Dabei werden Freizeiten, auch Auszeiten genannt, in unserem Leben immer wichtiger – zumindest wenn wir ein erfülltes statt gefülltes Leben führen möchten. Denn in unserer modernen Gesellschaft werden wir mit neuen Anforderungen konfrontiert: Wir sollen mobil und stets erreichbar sein. Wir sollen uns lebenslang weiterbilden, damit unsere Arbeitskraft gefragt bleibt. Und unsere Alters- und Gesundheitsvorsorge? Auch um sie sollen wir uns stärker kümmern.

Egal wohin wir schauen: Überall wird von uns mehr Eigenverantwortung gefordert, und überall werden wir mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Herausforderungen, von denen wir oft noch nicht wissen, wie wir sie bewältigen sollen. Schließlich sind sie neu. Also brauchen wir Zeit, um neue Lösungswege zu entwerfen.

Hinzu kommt: Immer häufiger geraten wir in Situationen, in denen wir uns entscheiden müssen. Ziehe ich nach Hamburg um, weil ich Karriere machen möchte, oder sind mir meine Freunde wichtiger? Spare ich 200 Euro pro Monat fürs Alter oder fahre ich zwei Mal pro Jahr in die Karibik? Will ich mit meinem Partner Kinder kriegen oder ist mir meine Unabhängigkeit wichtiger? Bei all diesen Fragen müssen wir uns in der Regel entscheiden.

Es ist eine Illusion anzunehmen: Alles ist zugleich möglich.

Wenn ich heute in Frankfurt, morgen in London arbeite, während mein Partner in Shanghai an seiner Karriere bastelt, ist es schwer, zeitgleich gemeinsam eine stabile Liebesbeziehung und Familie aufzubauen. Also muss ich mich entscheiden.

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Notwendigkeit, sich zu entscheiden

Solche Entscheidungen zu treffen, fällt vielen Menschen schwer. Denn wenn wir uns für etwas entscheiden, müssen wir andere Möglichkeiten verwerfen. Wer „Ja“ sagen möchte, muss auch „Nein“ sagen können. Dies können wir aber nur, wenn wir wissen, was uns wichtig ist. Sonst fassen wir zwar viele Vorsätze, doch ein, zwei Tage später sind sie vergessen. Denn unsere Vorsätze sind nicht in einer Lebensvision verankert. Also werfen wir sie, wenn sich die ersten Widerstände beim Umsetzen zeigen, schnell wieder über Bord.

Was in unserem Leben wirklich wichtig ist, ist nie dringend.

Es ist nie dringend, joggen zu gehen. Es wäre aber gut für unsere Gesundheit. Es ist nie dringend, mit den Kindern zu spielen. Es wäre aber wichtig für sie. Es ist nie dringend, sich Zeit für ein Gespräch mit dem Partner zu nehmen. Es wäre aber wichtig für die Beziehung. Es ist nie dringend, sich zu fragen: „Welche Ziele habe ich im Leben?“ Es wäre aber wichtig, damit wir nicht in eine Sinnkrise geraten.

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Warum wir wirklich ausbrennen und wie wir zu uns selbst zurückfinden

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Weil die wirklich wichtigen Dinge nie dringend sind, schieben wir sie oft vor uns her. Oder wir hegen die Illusion: Wenn ich alles andere schneller erledige, habe ich auch dafür Zeit. Das erweist sich meist als Trugschluss. Die einzige Konsequenz: Wir führen zunehmend ein Leben im High-Speed-Tempo. Und irgendwann stellen wir resigniert fest: Nun führe ich zwar ein (noch) gefüllteres Leben, aber kein erfülltes Leben.

Herausforderung: Die Balance im Leben wahren

Eine solche Schieflage ist kein Einzelschicksal. Immer mehr Menschen plagt das gleiche Gefühl:

Mein Leben ist nicht im Lot.

Bezogen auf ihre berufliche Laufbahn, haben die meisten Menschen eine klare Perspektive – zum Beispiel: „Ich will Marketingleiter werden.“ Oder: „Ich will 80.000 Euro im Jahr verdienen.“ Es gibt jedoch noch drei weitere Lebensbereiche, die oftmals vernachlässigt werden:

Infografik: Lebensbalance-Modell nach Peseschkian

Lebensbalance-Modell nach Nossrath Peseschkian
© Kissel Consulting

In der Alltagshektik übersehen wir zudem oft, dass die vier Lebensbereiche in einer Wechselbeziehung stehen. Wer zum Beispiel den Bereich „Berufliches Leben“ längerfristig überbetont, wird auf Dauer seine Leistungskraft wie auch seine Lebensfreude verlieren. Denn wer krank ist, kann weder sein Leben in vollen Zügen genießen, noch ist er voller Leistungskraft. Wer einsam ist, ist weder quietsch-vergnügt, noch kann er seine volle Energie auf seinen Job verwenden. Wer in einer Sinnkrise steckt, ist weder lebensfroh noch sehr leistungsfähig.

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Wenn wir ein erfülltes Leben führen möchten, müssen wir also für die rechte Balance zwischen den vier Lebensbereichen sorgen. Dies gelingt uns nur, wenn wir eine Vision von unserem künftigen Leben haben.

(Du möchtest mehr lesen? Hier geht es weiter im zweiten Teil: Schritt für Schritt dem Burnout vorbeugen)

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1 Kommentar

  1. Vielen Dank für diesen kompetenten Beitrag, von dem man sich nur wünschen kann, dass ihn auch möglichst viele Menschen mit Führungsverantwortung lesen mögen!

    Die Mischung aus permanentem „Online-Sein“, hohem Anspruch an sich selbst und einer immer weiter zunehmenden Arbeitsverdichtung macht es zunehmend mehr Menschen immer schwerer, die angesprochene Lebens-Balance zu halten oder wieder herzustellen.

    Unsere technischen „Helferlein“ vom Handy über Smartphone bis zum Laptop machen viele regelrecht süchtig – der Schalter zum Abschalten des Gerätes bleibt dauerhaft ungenutzt.

    Die Zunahme der Workload durch Stellenabbau bei gleichzeitiger Erhöhung der Schlagzahl folgt den Gesetzen des quartalsmäßigen Denkens und der kurzfristigen Rendite. Die menschlichen Kollateralschäden werden dabei billigend in Kauf genommen.

    Und die Übernahme von Eigenverantwortung lässt gerade an dem Punkt zu wünschen übrig, an dem sie am aller nötigsten wäre:
    Beim verantwortungsvollen Umgang mit sich selbst und den eigenen Ressourcen. Ausgerechnet davor drückt „Mensch“ sich oft zu konsequent und zu lange und schlittert so in die Burnout-Falle.

    Wünschenswert wäre eine neue Kultur der Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst (und mit anderen), die zusammen mit bewusster Entspannung die idealen Mittel zur Burnout-Prävention darstellen.

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