Auszeit vom Job? 3 wichtige Fragen zum Sabbatical [+Video]

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Du sitzt nur noch lustlos an deinem Arbeitsplatz und starrst aus dem Fenster. Mit den Gedanke bist du seit geraumer Zeit an einem anderen Ort; das Kopfkino läuft ununterbrochen: Die Weltreise, die du schon immer einmal machen wolltest. Das Buch, das du schon immer einmal schreiben wolltest. Oder den Urlaub, den du schon immer einmal mit deiner Familie verbringen wolltest. Dir fällt etwas auf: So viele Träume, so viel Wollen – so wenig Zeit.

Wie eine Xing-Studie aus dem Jahr 2017 belegt, hat bereits jeder zehnte Deutsche eine Auszeit vom Job, ein sogenanntes „Sabbatical„, genommen; 21 Prozent der Deutschen können sich ein solches gut vorstellen. Auffällig ist, dass die ersehnte Auszeit selten am Unternehmen oder an bürokratischen Hürden scheitert, sondern am Arbeitnehmer selbst. Knapp 60 Prozent haben ihren Wunsch noch nie geäußert. Dies geht aus der folgenden Infografik hervor.

Infografik: Einstellung der Deutschen zum Sabbatical

Infografik: Einfach mal Pause machen | Statista

Wie viele andere spielst auch du schon mit dem Gedanken, eine längere Auszeit von deinem Job zu nehmen, um deine Träume zu verwirklich – oder einfach nur ein wenig Abstand vom Alltag zu gewinnen, Neues zu entdecken? Du bist dir aber noch im Unklaren über so manches, was die Vorbereitung betrifft? Kein Problem, wir klären auf.

1. Besteht gesetzlicher Anspruch auf ein Sabbatical?

Jein. Wenn du nicht gerade Beamter oder im öffentlichen Dienst angestellt bist, hast du in der Regel keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical. Allerdings beweist die Realität, dass nicht nur Beamte diese Form der Erholung nutzen. Welche Optionen also hast du? Wenn es nicht in einem Tarifvertrag geregelt ist, bleibt den meisten Menschen leider nichts anderes übrig, als den Betriebsrat zu befragen oder gleich beim Chef anzuklopfen. Fingerspitzengefühl und eine gründliche Vorbereitung sind dabei wichtige Voraussetzungen, damit der Antrag auf die berufliche Auszeit gelingen kann.

Grundsätzlich solltest du wissen, dass ein Sabbatical nicht immer ein komplettes Jahr Auszeit bedeutet; auch kürzere Zeitspannen, z. B. ein halbes Jahr oder nur ein Monat, sind möglich. Bevor du deine Entscheidung im Unternehmen kundtust, beantworte dir daher zunächst folgende Fragen:

  • Was sind die Gründe für mein Sabbatical und was erhoffe ich mir davon?
  • Wie lange möchte ich pausieren?
  • Wer kann mich in meiner Abwesenheit vertreten?
  • Was passiert nach meiner Rückkehr?

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2. Wie finanziere ich mein Sabbatical?

Wer sich über einen so langen Zeitraum, womöglich sogar für ein ganzes Jahr, aus der Geschäftswelt verabschiedet, dem sei dringend dazu geraten, sich frühzeitig mit bürokratischen Stolpersteinen sowie der Finanzierung seines Sabbaticals auseinanderzusetzen.

Punkt Nummer 1: Was passiert mit meiner Wohnung und meinen Möbeln in der Zwischenzeit? Eine Untervermietung ist zweifelsohne sinnvoll, vorausgesetzt, dein Vermieter schiebt dir nicht den Riegel vor.

Punkt Nummer 2: Was ist mit meinen Sozialversicherungen? In den meisten Fällen ist wohl nicht damit zu rechnen, dass der Arbeitgeber während eines Sabbaticals weiterhin in die Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung und Pflegeversicherung seines Mitarbeiters einzahlen wird. Zumindest nicht im gleichen Ausmaß wie davor.

Um also nicht den eigenen Versicherungsschutz zu gefährden, solltest du notwendige Sozialversicherungen unbedingt selbst übernehmen, insbesondere die Kranken- und Rentenversicherung – auch wenn es schnell teuer werden kann. Informiere dich diesbezüglich so früh wie möglich bei deinem Arbeitgeber, deiner Versicherung und beim auswärtigen Amt.

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3. Welche Modelle stehen beim Sabbatical zur Auswahl?

Auch wenn das tariflich geregelte Sabbatical bislang ein Privileg ist, das vor allem Beamten und Beschäftigen im öffentlichen Dienst zuteil wird, öffnen sich immer mehr Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft für entsprechende Arbeitszeitmodelle. Zu den beliebtesten zählen die folgenden 3:

Der unbezahlte Urlaub

Hierbei handelt es sich um einen zeitlich begrenzten Lohnverzicht, den du dir von deinem Chef bewilligen lassen kannst. Der große Nachteil an diesem Modell ist der, dass dir ein tatsächliches Einkommen fehlt und du somit komplett selbstständig deine Sozialversicherung übernehmen musst. Das kann schnell teuer werden und sollte unbedingt bei der Planung für dein Sabbatical berücksichtigt werden.

Das Teilzeitmodell

Bei dem Teilzeitmodell einigen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf einen Teilzeitvertrag, der das Arbeitsverhältnis dahingehend regelt, dass für einen bestimmten Zeitraum nur die Hälfte des Gehalts bei gleichbleibender Leistung ausgezahlt wird. Die andere Hälfte erhältst du dann während deines Sabbaticals – und deckst damit gleichzeitig deine Sozialabgaben ab.

Das Langzeitarbeitskonto

Oder einfacher gesagt: Überstunden und Urlaubstage ansammeln. Auch hier entsteht der Vorteil, dass du während deiner Abwesenheit weiterhin kranken- und rentenversichert bist. Allerdings solltest du erst klären, ob dieses Modell für deinen Arbeitgeber überhaut in Frage kommt. Schließlich heißen nicht alle Unternehmen die Anhäufung von Überstunden gut.

Video: Sabbatical – Anleitung zum Ausstieg

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