Agile Methoden: Mit Kanban & Co. zum Website-Relaunch

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Agile Arbeitsmethoden: Kommen sie auch wirklich zum Einsatz? [Studie]
© Olivier Le Moal – stock.adobe.com

Agile Methoden können vielen Herausforderungen bei Marketingprojekten effektiv begegnen – wie knappe Budgets, straffe Zeitpläne oder wechselnde Rahmenbedingungen. Entsprechende Methoden und Tools wie Kanban und Co. spielen ihre Stärken unter anderem bei komplexen Websiterelaunches aus. Doch wie funktioniert der Ansatz in der Praxis? 

Digitale Marketingprojekte mit hoher Komplexität sind nur dann in einem knappen Zeitrahmen umsetzbar, wenn auch die Prozesse dahinter entsprechend ausgerichtet werden. Dabei müssen oft eingetretete Pfade verlassen werden, hin zu flexiblen Vorgehensweisen, wie sie sich bereits im IT-Bereich erfolgreich bewährt haben: agiles Projektmanagement.

Agile Methoden auf der Arbeit

Entsprechende agile Methoden zeichnen sich dadurch aus, dass Projektteams nicht „von oben“ gesteuert werden, sondern sich selbst organisieren, sich über Fortschritte und Rückschläge austauschen und Veränderungen miteinbeziehen. Dabei wird auf mehreren Ebenen agil gearbeitet – von den Teams über das Projektmanagement bis hin zur Organisation. Diese ist vereinfacht die Summe agiler Projektteams, die sich nach einem Leitbild agil organisieren und Einzelteile des Gesamtvorhabens entwickeln, bis es in der gewünschten Qualität umgesetzt ist.

Mit dem durchdachten Einsatz agiler Methoden sind etwa selbst globale Website-Relaunches in Rekordzeit zu bewerkstelligen.

Die inhaltlichen wie technischen Anforderungen in diesem Bereich sind hoch: Mit Produkt- und Lösungsbereichen sollen Websites einzigartige digitale Erlebnisse bieten und BesucherInnen zu KundInnen machen – einfach, personalisierbar und Mobile First. Im Fokus steht die Kundenzentrierung anstelle reiner Produktdarstellung. Für den Nutzen des agilen Ansatzes stehen etwa Websiterelaunches von IKT-Unternehmen. Denn gerade sie zeigen, dass Digitalisierung von Schnelligkeit, Flexibilität und Engagement lebt.

Kommunikation: Teamwork ist alles

Der Kern agiler Methoden ist die Kommunikation, sei es bei den Präsenzmeetings oder virtuell. Egal, ob virtuell oder bei Präsenzmeetings: Ein transparenter Austausch ist entscheidend, auch zu kritischen Themen. Alle Teams organisieren sich dabei selbst und sind mit motivierten ExpertInnen besetzt, die Aufgaben on top zu ihrem Job übernehmen. Das Kernteam, bestehend etwa aus bis zu 15 Personen, trifft sich zu wöchentlichen Campusmeetings. Der persönliche Kontakt ermöglicht den hohen Takt für Entscheidungen, der notwendig ist. Es entsteht zudem ein eigener Teamspirit, der die Unternehmenskultur ausblendet. 

Agile Methoden gibt es einige: Darunter ist Kanban (japanisch für Karte oder Tafel), ein Verfahren, das ursprünglich in der Automobilproduktion eingesetzt wurde, um in mehreren Produktionslinien parallel Auslastung und Geschwindigkeit zu optimieren und Lagerbestände zu reduzieren. Typisch für diese Arbeitsweise ist das Kanban-Board mit Karten in mehreren Spalten, die die Projektaufgaben übersichtlich visualisieren und den Teams zuordnen. 

Auf Roadmaps ins Ziel

Die Aufgaben gliedern sich in Working-Streams, etwa:

  • Top-Management
  • Repositionierung
  • Inhalte
  • Customer Relationship Management
  • International
  • IT
  • Monitoring
  • und Einkauf.

Jeder Stream hat seine eigene Roadmap und besteht aus einem Kernteam. Die Roadmaps sind so gestaltet, dass sie Veränderungen und ungeplante Aufgaben zulassen.

Entscheidend ist auch die Wahl der richtigen Tools. Anstelle von Excel-Listen und E-Mails existieren hierfür Anwendungen mit einem Ticketsystem zur Verwaltung der Arbeitsaufträge, andere wiederum zur Dokumentation. Auf diese Systeme haben alle, intern wie extern, jederzeit Zugriff. Teil der Agilität ist das Ziel, zunächst mit einem Minimum Viable Product (MVP) – in diesem Falle der besten Version einer Website, die in der Kürze der Zeit zu schaffen ist – live zu gehen. Daher ist der Go-live auch nicht das Ende des Projekts, sondern ein erster wichtiger sichtbarer Schritt, dem eine Weiterentwicklung folgt. Anschließend wird im Falle einer Website fortlaufend an neuen Inhalten, Sprachversionen und Funktionen gearbeitet.

EXTRA: Agiles Marketing: Wie funktioniert es?

Agile Methoden: Engagiert zum Erfolg

Eine agile Projektbearbeitung mit direktem Einfluss auf Teams, Management und Organisation erfordert einen radikalen kulturellen Wandel. Es gibt plötzlich keine Hierarchie mehr. Jeder ist ExpertIn, engagiert und verantwortlich. Das setzt einen respektvollen Umgang miteinander und Transparenz voraus.

Neben agiler Projektorganisation sind speziell beim Relaunch einer Website weitere Faktoren erfolgsentscheidend: So wird auf der „grünen Wiese“ begonnen und das Projekt vom Start weg technologisch komplett auf neue Beine gestellt. Die Projektzeit lässt sich auch deshalb kurz halten, weil sich auf ein MVP konzentriert wird. Es sind Erfolgsfaktoren wie diese, die sich letztlich auf viele agile Projekte auch im Marketing übertragen lassen.

Ramona Qualitz
Ramona Qualitz ist Senior Manager Digital Marketing & Communication bei der T-Systems International GmbH.

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