Krisenmanagement: 3 Handlungsempfehlungen für den Umgang im Krisenfall

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Krisenmanagement: 3 Handlungsempfehlungen für den Umgang im Krisenfall
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Die aktuelle Situation stellt viele KMU vor noch nie dagewesene Herausforderungen. Eine unangenehme Unsicherheit breitet sich aus. Unternehmer stellen sich unzählige Fragen, auf die sie kaum Antworten erhalten. Jeder sucht nach einer idealen Lösung, die einen optimal durch die Krise bringt. In Anbetracht verschiedener Rahmenbedingungen, wie beispielsweise Branche, Unternehmensgröße sowie Mitarbeiterzahl und der damit einhergehenden Heterogenität gibt es nicht „den richtigen Weg“. Doch es können allgemeingültige Handlungsempfehlungen berücksichtigt werden, um die Krise bestmöglich zu überstehen und sogar gestärkt hervorzugehen.

1. Liquidität wahren

Primär sollten KMU darauf achten ihre Liquidität aufrechtzuerhalten. Meistens herrschen in Krisen zwei Extreme vor. Entweder basiert das Unternehmen auf einem Produkt-/Dienstleistungsportfolio, das für Kunden unentbehrlich – sozusagen systemrelevant – ist oder das Unternehmensportfolio hat während der Krise an jeglicher Relevanz verloren. Erstere Situation fordert dazu auf, den gesamten Wertschöpfungsprozess, inklusive aller Schnittstellen sicherzustellen, um arbeitsfähig zu bleiben. Letztere Situation ist klarer Indikator für die Notwendigkeit das eigene Angebot zu überdenken. Hierfür eignet sich eine systematische Analyse des Unternehmens, die sowohl Markt- und Wettbewerber als auch veränderte Kundenverhaltensweisen umfasst. Danach sollten Handlungsbedarfe abgeleitet und Prioritäten gesetzt werden.

Zusammengefasst erfolgt die gezielte, ganzheitliche Anpassung des unzeitgemäßen Geschäftsmodells zur Steigerung eines nachhaltigen Unternehmenserfolges. Manchmal gibt es auch Möglichkeiten die vorhandene Unternehmensinfrastruktur umzufunktionieren, um ein anderes Leistungsangebot anbieten zu können. Flexible Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle wirken demnach zukunftsweisend. Ist die Liquidität dennoch ausgeschöpft, kann auf zahlreiche Förderprogramme zurückgegriffen werden.

2. Schutz der Mitarbeiter

Der Schutz von Mitarbeitenden ist ein weiterer Aspekt, der von KMU beachtet werden sollte. Arbeitsschutz- sowie Arbeitsrecht regeln bereits den übergeordneten Umgang während Krisen. Da personelle Ressourcen elementarer Bestandteil jedes Unternehmens sind, ist es von großer Wichtigkeit, dass Unternehmer Sicherheit vermitteln. Krisenzeiten verstärken auch bei Mitarbeitern Ungewissheit über die Zukunft. Insbesondere dann ist es vonnöten den Zusammenhalt zu stärken, offen zu kommunizieren und häufiger den bilateralen Austausch zu suchen.

Insgesamt sollte im Umgang vermehrt auf transparentes Handeln geachtet und auf individuelles Befinden eingegangen werden, da jedermann bedeutend ist.

Flexibilität bei Arbeitsprozessen sowie Arbeitsweisen können ebenfalls förderlich wirken. Sollte es dennoch zu dem Erfordernis kommen, Arbeitszeiten zu reduzieren, zum Beispiel Kurzarbeit anzumelden, ist es auch hier möglich an der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu arbeiten, indem Weiterbildungsmaßnahmen wahrgenommen werden. Bereits Benjamin Franklin erkannte „Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen.“ Folglich sollte in Krisen ein stetiger Informationsfluss von und zu Mitarbeitern, aber auch Vorgängen in der Wirtschaft sichergestellt sein und Transparenz gelebt werden.

EXTRA: Krisenmanagement: Nadine Rischmeyer im Experten-Interview

3. Krisenhandbuch erstellen

Schließlich ist es sinnvoll ein Krisenbuch zu erstellen. KMU können hiermit eine vollständige Dokumentation ergriffener Maßnahmen und Aktivitäten abbilden. Große Vorteil eines Krisenbuchs ist der Lernprozess für Folgekrisen. Bei Abschluss erfolgt mit allen Mitarbeitenden eine Reflexion des Umgangs mit der Krise. Aus den gemeisterten Herausforderungen und Chancen können von allen Beteiligten lehrreiche Schlussfolgerungen gezogen werden, ob positiv oder negativ. Da heutzutage ein höheres Risiko für Krisen besteht, sollte ein Krisenhandbuch entwickelt werden. Dieses beinhaltet das ganzheitliche Vorgehen im Falle des erneuten Eintritts einer Krise. Das Hinzuziehen einer externen Beratung, die bei der Erstellung des individuellen Krisenhandbuchs unterstützt, ist sinnvoll.

Fazit: Krise als Chance nutzen

Krisen werden gerne überwiegend als schädlich betrachtet. Dennoch bieten sie eine ideale Gelegenheit, überholte Arbeitsweisen und Geschäftsmodelle zu hinterfragen. Gegenwärtig entwickeln sich wirtschaftliche Gegebenheiten so dynamisch, dass Veränderungen und damit einhergehende Anforderungen stetig analysiert werden müssen. Nur flexible Organisationsstrukturen, einschließlich das Mindset der Mitarbeitenden, sind nachhaltig überlebensfähig. Kleinen und mittelständischen Unternehmen wird durch ihre überschaubare Größe eine besondere Überlegenheit zuteil, die sie nutzen können, aber nicht zwingend müssen. Aber eines kann abschließend gesagt werden: Der Grad der Anpassungsfähigkeit bestimmt über die Zukunft eines Unternehmens. Meist sind es genau diese unvorhergesehenen Situationen, welche einem die Chance geben emporzusteigen und zu zeigen, was man kann.

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Nadine Rischmeyer
Nadine Rischmeyer ist Preisträgerin des Young Project Manager Awards und seit 2015 Inhaberin von "NRgy Projektmanagement“. Sie ist als branchenunabhängige Projektleiterin sowie Beraterin tätig, hält deutschlandweit Seminare zum Thema Projektmanagement als auch Digitalisierung und ist Dozentin an der University of Applied Sciences Neu-Ulm. 2020 gründete sie ein weiteres Unternehmen MACHINESS, das sich mit der Umsetzung von Künstlicher Intelligenz beschäftigt. Außerdem ist sie Autorin von Fachliteratur.

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