KMU & Corona: 5 Erfahrungsberichte zum Umgang mit der Krise

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3. Dienstleister für Event-Kommunikation in München

„Zum Glück hatten wir bereits einen Plan B.“

Mitte Februar lief Corona in den Nachrichten meist noch unter Ausland. Zu dem Zeitpunkt überlegte ich mir für meine Altersvorsorge einen Einstieg in asiatische Aktien. Dabei wurde mir das erste Mal so richtig klar: Wenn Corona nach Europa kommt, trifft das auch unser Unternehmen mit voller Härte. Wir bieten für Veranstalter eine Live-Berichterstattung von ihren Events an. Mitte Februar fielen in Japan und Singapur bereits etliche Events aus. Zwei Wochen später traf Corona auch den deutschen Markt. Die ITB wurde abgesagt und in der folgenden Woche wurden uns unterschriebene Aufträge im Wert von anderthalb Monatseinnahmen storniert und unser Sales bekam kein neues Angebot mehr unterzeichnet.

Corona traf uns hart! Ende 2019 hatten wir unsere Bürofläche mit einem Umzug verdreifacht, die Aussicht für 2020 war gut, die Eigenkapitaldecke dagegen dünn. Zum Glück hatten wir in den Wochen zuvor bereits an einem Plan B gearbeitet. Noch am selben Wochenende der ITB-Absage stellten wir unsere Corona-Landingpage mit Alternativen für Veranstalter online und mailten unseren Kunden und Interessenten. In den folgenden zwei Wochen erarbeiteten wir einen Entscheidungsbaum für Veranstalter, ein Whitepaper mit Alternativen sowie ein fertig ausgearbeitetes Konzept als Beispiel, wie Events online transferiert werden können.

In der Krise haben wir also unser Angebot angepasst. Wir berichten jetzt nicht nur über Events, sondern wir produzieren sie gleich vollständig: Kunden bekommen von uns eine Event-Webseite, einen Livestream mit zugeschalteten Rednern, einen Liveblog sowie Interaktionsmöglichkeiten für die Teilnehmer.

EXTRA: Wie das Coronavirus die Digitalisierung erzwingt

Corona ist damit aber auch eine Herausforderung für uns alle: im Marketing, Sales, der Entwicklung, aber vor allem für meinen Mitgründer und mich. Wir haben die Ausgaben angepasst, Kündigungen mussten wir aber zum Glück nicht aussprechen. Mit Miet- und Steuerstundungen, der Soforthilfe-Corona sowie einem Dispo konnten wir die Ausfälle gut abfedern. Nur anderthalb Monate nach den Stornierungen sind wir finanziell wieder stabil:

Unsere Corona-Alternativen kommen gut an, wir konnten neue Kunden gewinnen und sogar einen Teil der Ausfälle wieder reinholen.

Ob wir damit auch für die nächsten Monate ausreichend gewappnet sind, wird sich aber noch zeigen.

Dabei arbeiten auch wir vollständig im Homeoffice. Wir sind als noch recht junges Unternehmen zu 100 Prozent in der Cloud organisiert, selbst die Festnetztelefone lassen sich mit jedem beliebigen W-Lan verbinden – technisch also kein Problem. Was uns aber allen fehlt ist das Persönliche. Mein Mitgründer und ich waren noch nie Freunde des Homeoffice und werden jetzt genau darin bestärkt. Am Ende bedeutet es für die meisten Kollegen weniger Trennung zwischen Privatem und Arbeit, dafür aber mehr Ergebnisdruck. Da es neben dem gesellschaftlichen Aspekt aber auch das Risiko von Ausfällen in der Firma reduziert, bleiben wir auf unbestimmte Zeit daheim.

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unternehmer.de
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