Studium in Rekordzeit: Marcel Kopper im Experten-Interview

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Studium in Rekordzeit: Marcel Kopper im Experten-Interview

Bachelor- und Masterstudium in nur vier statt elf Semestern? Geht das denn? Ja, das geht! Marcel Kopper, Gründer der Ghostwriting-Agentur GWriters.de, ist der lebende Beweis dafür. Wir haben den „Turbo-Studenten“ interviewt.

Herr Kopper, Worauf sollten sich Studenten, die Ihrem Beispiel folgen wollen, ganz gezielt konzentrieren?

Marcel Kopper: Effizientes Arbeiten und Teamwork sind unglaublich wichtig. Die Energie jedes Menschen ist begrenzt, und man kann nur eine bestimmte Anzahl von Stunden am Tag wirklich effektiv arbeiten. Das klischeehafte Bild vom Streber, der jede Nacht durcharbeitet, ist nämlich wirklich nur ein Klischee, denn wenn Körper und Geist übermüdet sind, dann arbeitet man nur noch kontraproduktiv, und es bleiben keine Informationen im Kopf. Das ist das typische Bulimie-Lernen.

Wir (damit meine ich mich und zwei Kommilitonen, die das Studium ebenfalls so schnell wie möglich absolvieren wollten) hatten damals das Glück, dass wir uns die Arbeitslast zu Dritt aufteilen konnten, uns mit dem Besuch von Vorlesungen abgewechselt und für uns gegenseitig Themen zusammengefasst haben. Dadurch konnte jeder seine Energien optimal nutzen, sich aber auch ausruhen und sich auf die anderen verlassen, wenn es absolut nötig war.

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Durchhaltevermögen ist ebenfalls wichtig. Wer ein Turbo-Studium anstrebt und seinen Abschluss in Rekordzeit erreichen möchte, der kann nicht erwarten, den gleichen Lebensalltag wie ein Durschnittsstudent zu haben. Statt einer entspannten Vier-Tage-Woche, mehreren Monaten Semesterferien und Wohnheimpartys heißt es: Bibliothek, Bücher, Lernen. Ich habe ja gerade schon über die begrenzte Energie eines Menschen gesprochen, die nicht nur effizient eingesetzt werden, sondern vollständig auf das oberste Ziel fokussiert werden muss. Auch wenn das Nein-Sagen manchmal schwer fällt.

Wir haben zwar in der Zeit regelmäßig am Wochenende „die Sau rausgelassen“, weil wir dachten, das sei als Ausgleich nötig – vielleicht war es das auch in gewisser Weise, um uns ein kleines Gefühl von Freiheit zu geben. Rückblickend muss ich persönlich aber sagen, dass sich dadurch wohl mehr (körperlicher) Stress aufgebaut hat als nötig. Heute würde ich vieles anders machen: noch gesünder ernähren, mehr geplante Ruhepausen einbauen und andere Möglichkeiten als Abwechslung zum Schreibtisch suchen, anstatt mit viel Alkohol feiern zu gehen. Zum Beispiel – und das meine ich ernst – einen Tanzkurs am Wochenende besuchen. Man braucht auf jeden Fall eine Abwechslung und soziale Kontakte wenigstens einmal am Wochenende, um die Disziplin unter der Woche aufrechtzuerhalten.

Zuletzt bleibt noch, dass jeder mit diesem Ziel unbedingt nach Plan vorgehen muss. Von Anfang an muss einem klar sein, wohin die Reise gehen soll, sprich, welche Vertiefungsveranstaltungen gewählt, welche Seminare besucht und wann und wo welche Klausuren geschrieben werden müssen. Ohne ein solches Vorgehen hätten wir das auch nicht geschafft, denn bereits eine verpasste Anmeldefrist für ein Seminar oder eine zu spät abgegebene Hausarbeit kann einem schnell mal ein ganzes Semester kosten.

Mittlerweile kenne ich die typischen Studienpläne von nebenberuflich Promovierenden. Diese Studienpläne werden in der Regel vor dem entsprechenden Promotionsvorhaben mit einer beratenden Person der Hochschule und dem Doktorvater akribisch erstellt, damit der Doktorand Beruf und Promotion unter einen Hut bekommt. Streng genommen haben wir uns damals einen solchen Studienplan für uns selbst erstellt. Ich kann dies übrigens nur jedem Studenten (egal ob „Turbo“ oder nicht) empfehlen. Für die eigene Motivation macht es einen erheblichen Unterschied, wenn man ein Planungsdokument hat, an dem man immer sehen kann, wie weit man ist und wie viel Prozent des Studiums bereits geschafft ist. Zusammengefasst braucht man also:

  • Teamwork und eine straffe Organisation
  • Durchhaltevermögen und den Fokus auf das Ziel
  • Eine Möglichkeit, die Eintönigkeit ab und an zu brechen
  • Den eisernen Willen, sich an den eigenen Plan zu halten

Auf welche bürokratischen Barrieren sind Sie während Ihres „Turbo-Studiums“ gestoßen? Wie haben Sie diese überwinden können?

Marcel Kopper: Eine bürokratische Hürde war sicherlich das Prüfungssystem der Hochschule. Für unser Turbo-Studium war es nämlich notwendig, dass wir mehrere Semester zusammenlegen und dementsprechend auch die dazugehörigen Klausuren in kürzester Zeit schreiben und bestehen. Jedoch fanden an einem Standort unserer Hochschule nicht alle Klausuren statt, sodass wir mehrmals im Jahr quer durch Deutschland fahren mussten, um rechtzeitig alle Klausuren schreiben zu können. Auf den längeren Fahrten haben wir dann im 60-Minuten-Rhythmus rotiert: Einer fährt, zwei lernen.

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Die vielleicht größte bürokratische Hürde erwartete uns aber erst am Ende des Studiums: Da war unsere Hochschule dann plötzlich der Meinung, dass wir trotz unseres Turbo-Abschlusses die Studiengebühren für alle Semester der gesamten Regelstudienzeit zu bezahlen hätten, obwohl wir die Vorlesungen nicht mehr besuchen und die Ressourcen der Hochschule nicht mehr nutzen würden. Wir hätten ja die gesamte Leistung, also die Ausbildung bis zum Abschluss erhalten – so lautete die Argumentation. Natürlich fühlten wir uns zu Unrecht bestraft, denn statt besonderer Anerkennung für unsere außerordentliche Leistung erhielten wir Post vom Anwalt.

Daneben wurde es auch nicht gern gesehen, dass es Studenten gibt, die das Studium schneller abschließen als vorgesehen. Die Studienberatung versuchte uns von Anfang an die „Geht nicht“-Einstellung einzuimpfen, und mit weiterem Zeitverlauf machte man sich an der Hochschule Sorgen um die eigene Reputation, weil es heißen könnte, das Studium sei nicht anspruchsvoll – und das, obwohl wir eine Arbeitslast auf uns nahmen, die kein anderer auf sich nehmen wollte.

Die größten Hürden waren also nicht wirklich bürokratischer Natur, sondern eher die Menschen, die uns immer wieder einreden wollten, was aus diesen und jenen Gründen nicht funktionieren würde. Wenn man solchen „Negative Nancys“ begegnet, muss man wohl schlichtweg versuchen, diese Stimmen auszublenden und jene in den Vordergrund zu holen, die einem Mut zusprechen. In meinem Fall war es vor allem die von Professor Dr. Thomas Heupel, der seinen Lehrauftrag, wie ich finde, noch ernst genommen und mich positiv geformt hat.

2013 haben Sie ein kritisches Buch über das Konzept „Studium“ geschrieben – Wie nehmen Sie die Lage an den Hochschulen heute wahr?

Marcel Kopper: Meiner Meinung nach hat sich seitdem nichts verbessert – eher ist das Gegenteil der Fall! Der frühere Gedanke des „freien Studierens“, von dem uns unsere Mütter und Väter noch erzählt haben, existiert nicht mehr. Ein Blick über den Tellerrand des eigenen Studiengangs scheint nicht mehr möglich zu sein, stattdessen breitet sich die Verschulung des Studiums immer weiter aus. Und zwar durch vorgegebene Kursprogramme, lächerliche Hausaufgaben und Seminare, in denen keine Themen mehr offen diskutiert werden, sondern nur noch Referate vorgetragen und vom Plenum ignoriert werden.

Dazu scheint der Lehrkörper auf Zwangsdiät zu sein und dieser Verschulung nicht hinterherzukommen. Die Studenten sollen effizienter und schneller werden und sich in einem von außen vorgegebenen Rahmen entwickeln, bekommen aber weniger Betreuung und Unterstützung (vermutlich aus Mangel an Personal). Das ist so, als würde der Chef eines Unternehmens dem Mitarbeiter einen absolut unflexiblen Arbeitsprozess vorsetzen, obwohl der Mitarbeiter mit seiner eigenen Arbeitsweise besser zurechtkäme, und dann keine Schulungen für den neuen Prozess anbieten sowie alle Rückfragen ignorieren.

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