Entrepreneurship: Was angehende Unternehmer im Studium nicht lernen

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Deutsche Start-ups: Nachrichten zur Gründerszene [Infografik]
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Das Thema Entrepreneurship ist schon seit langem ein fester Bestandteil des Lehrplans vieler Studiengänge, die darauf abzielen, ein grundsätzliches Verständnis von Unternehmertum zu vermitteln – mal mehr, mal weniger detailliert. Die Erfahrung vieler UnternehmerInnen hat jedoch gezeigt, dass den manchmal sehr traditionellen Lehrmethoden eine menschliche Komponente fehlt. Denn Unternehmertum ist viel häufiger ein Kampfsport als eine akademische Disziplin. Dementsprechend reicht es für angehende Unternehmer häufig nicht aus einfach einen Kurs in Buchhaltung oder etwas Vergleichbarem zu belegen. Studienergebnisse des Deutschen Startup Monitors (DSM) aus dem Jahr 2019 haben gezeigt, dass GründerInnen über ihre berufliche Qualifikation hinaus auch ein hohes Maß an Engagement und Entschlossenheit mitbringen müssen. Was braucht es also, um als UnternehmerIn erfolgreich zu sein? Du wirst sehen, dass sich viele Dinge im Beruflichen und im Privaten nicht in dem Ausmaß voneinander trennen lassen, wie wir es gerne zu glauben vermögen.

Verkaufen und dich selbst verkaufen

Als BotschafterIn deiner Marke wirst du nicht nur lernen, dein Produkt zu verkaufen, sondern auch dich selbst. Denn wir wissen alle:

Auch das beste Produkt verkauft sich nicht von selbst.

Du musst in der Lage sein, das Offensichtliche zu erklären, und manchmal wirst du dabei auf Widersprüche stoßen. Ist dein Angebot wirklich so einzigartig? Gelingt es dir, aus der Masse an Produkten herauszustechen? Diese und weitere Fragen können häufig nur im Gespräch mit deinen KundInnen beantwortet werden.

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In einem kleinen Unternehmen dreht sich immer noch vieles, wenn nicht alles, um die Person des Gründers oder der Gründerin. Gleichzeitig spielt die Online-Präsenz der VerkäuferInnen im Verkaufsprozess heutzutage eine wichtige Rolle. Das zeigt, dass für kleinere Unternehmen Word-of-Mouth und E-Reputation genauso entscheidend sind, wie für große Unternehmen. Mit dem einzigen Unterschied, dass ein großes und etabliertes Unternehmen die Glaubwürdigkeit hinter seiner Marke nicht beweisen muss. Kleine Unternehmen und Start-Ups schon.

Unternehmertum ist ein (Kampf-)Sport

Hüte dich vor Klischees: Unternehmertum, ob haupt- oder nebenberuflich, kann ein Sport sein und erfordert wettbewerbsorientiertes Denken. Der Umgang mit Zurückweisung, sowie die Fähigkeit, eine reflektierte Antwort darauf zu formulieren, wird von vielen UnternehmerInnen mit der Zeit erlernt: Die Ergebnisse des DSM zeigen beispielsweise, dass 40% der befragten GründerInnen bereits zuvor an der Gründung eines anderen Start-ups beteiligt gewesen sind.

Auch wenn das Scheitern des eigenen Unternehmens eine große Herausforderung sein kann, zeigt sich ein Großteil der UnternehmerInnen optimistisch. Über die Hälfte von ihnen würde sich auch nach einem solchen Misserfolg wieder für das Gründen entscheiden.

Es ist daher unabdingbar, konsequent zu sein und die gleiche Entschlossenheit an den Tag zu legen wie LeistungssportlerInnen – im Projekt wie auch im Alltag. Ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, richtiger Ernährung und viel Schlaf – wenn auch nicht immer möglich – sind notwendig, um dich körperlich UND geistig auf das Unternehmertum vorzubereiten. Denn auch hier gilt:

Dein Projekt und dein Lebensrhythmus sind untrennbar miteinander verbunden.

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Dein Kerngeschäft ist nicht alles

Natürlich entscheidet deine Expertise im Kerngeschäft deines Unternehmens im Wesentlichen über dessen Erfolg. Doch auch das „Drumherum“ darf nicht vernachlässigt werden. Viele GründerInnen haben zwar eine gute Idee, doch wissen sie häufig nicht, wie man ein kleines Unternehmen mit anfangs sehr eingeschränkten Ressourcen tatsächlich führt. Themen wie die Abwicklung von Bezahlungen, die Wahl der passenden Rechtsform oder das Behalten eines Überblicks über die eigenen Finanzen, sind vielleicht nicht die spannendsten, doch für den Erfolg eines Unternehmens extrem wichtig. Denn wenn du beispielsweise keinen Überblick darüber hast, welche KundInnen ihre Rechnungen noch nicht bezahlt haben und dadurch plötzlich weniger Geld auf dem Konto hast, als dir zusteht, kann selbst die beste Geschäftsidee scheitern.

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Hüte dich also davor, mit den Zähnen zu knirschen, wenn du siehst, wie sich Rechnungen und administrative Aufgaben auf deinem Schreibtisch stapeln. Du wirst sehen, dass sich Zahlungsausfälle und Geldstrafen häufen, wenn die Buchhaltung nicht ernst genommen wird. Letztlich wirst du verstanden haben, dass die Bezahlung (oder die Vermeidung überhöhter Preise) genauso wichtig ist, wie die eigentliche Arbeit am Produkt. Das eine ist wieder einmal nicht vom anderen trennbar.

Vielleicht hat man dir all diese Dinge schon einmal gesagt, aber hat man dich jemals darauf hingewiesen, dass sie ein und dasselbe sind? Das verändert die Wahrnehmung. Denn plötzlich werden Sport, Verwaltungsaufgaben und Personal Branding genauso wichtig wie deine unternehmerische Motivation, dein Kerngeschäft und deine Verkaufsstrategie.

Ivo Dimitrov
Ivo Dimitrov ist Chief Product Officer bei Finom. Neben 12 Jahren Erfahrung in den Bereichen Design und Produktmanagement, verfügt er über mehr als 6 Jahre Erfahrung in der FinTech-Branche. Darüber hinaus ist er Entrepreneur und Inhaber eines mobilen Marktplatzes für TätowiererInnen und anderen Online-Diensten für Start-ups.

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