Warum ein digitaler Non-Profit-Sektor so wichtig ist [Studie]

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Warum ein digitaler Non-Profit-Sektor so wichtig ist [Studie]
© geralt - pixabay.com

Zahlreiche Vereine, Verbände und Stiftungen in Deutschland kämpfen derzeit ums Überleben: Die Folgen der Corona-Krise verhindern oder erschweren es Non-Profit-Organisationen (NPO), Spenden, Förderer oder Mitglieder zu akquirieren. Der DIGITAL-REPORT 2020 ist die aktuell größte Erhebung in Deutschland zur Digitalisierung im gemeinnützigen Sektor und zeigt, warum diese wichtig ist. 

NPOs: wirtschaftlich und gesellschaftlich Relevant

Rund 3,7 Millionen Menschen beschäftigt der Non-Profit-Sektor. Er erwirtschaftet jährlich 4,1 Prozent vom deutschen Bruttoinlandsprodukt – so viel wie die Automobilindustrie. Doch während Unternehmen großzügig bezuschusst werden, bleiben staatliche Hilfen für Non-Profits aus. Dabei hat nicht zuletzt die Corona-Krise gezeigt, wie wichtig Investitionen vor allem in digitale Technologien sind, damit Vereine, Verbände und Stiftungen aktionsfähig bleiben.

Wissen und Ressourcen fehlen

Der DIGITAL-REPORT 2020 belegt, dass sich viele Non-Profit-Organisationen gerne stärker digitalisieren würden, jedoch fehlen die erforderlichen finanziellen und personellen Ressourcen. Jede zweite befragte NPO sieht die Digitalisierung als große oder sehr große Herausforderung. 62 Prozent sehen einen konkreten Nachholbedarf bei ihrer digitalen Infrastruktur. Gleichzeitig geben 79 Prozent der Studienteilnehmer an, dass es eine Herausforderung für sie sei, personelle und finanzielle Ressourcen aufzubringen, um die Digitalisierung voranzutreiben.

Warum ein digitaler Non-Profit-Sektor so wichtig ist
Ein Drittel der sozialen Organisationen haben weder Wissen noch die Mittel. – © Digital-Report 2020 von Haus des Stiftens

Digitalisierung: gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Als erstes Bundesland startete Hessen im Mai 2020 eine Fördermaßnahme mit dem Programm „Ehrenamt digitalisiert!“. NPOs können mit einer einmaligen Förderung von bis zu 15.000 Euro für Digitalisierungsprojekte rechnen. Der Deutsche Olympische Sportbund rief mit der Aktion „Supportyoursport“ zur finanziellen Unterstützung von Sportvereinen auf. Einige Stiftungen eröffneten kurzfristig Soforthilfe-Fonds für NPOs, zum Beispiel die Stiftung für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement in Mecklenburg-Vorpommern.

Vorhandene Hilfen reichen nicht aus

Bereits seit 2008 engagieren sich rund 30 IT-Konzerne, darunter Microsoft, SAP und Google, über das Portal Stifter-helfen.de. Dort unterstützen sie Non-Profits mit Produktspenden und Sonderkonditionen. In den letzten zwölf Jahren konnten so IT-Ressourcen im Wert von 500 Millionen Euro vermittelt werden. Dennoch reichten wenige Wochen Lockdown aus, um viele NPOs an den Rand ihrer Existenz zu bringen. 

Förderung der Infrastruktur ist entscheidend

Wichtiger als punktuelle Hilfen, die nur die aktuelle Notsituation berücksichtigen, wäre eine langfristige Digitalisierungsförderung im Non-Profit-Sektor. Die Studie zeigt auch, dass Organisationen, die digital reifer sind, einen besseren Zugang zu Ressourcen haben als solche, die weniger digital sind. Das drückt sich beispielsweise in Form eines höheren Spendenvolumens oder einer größeren Mitgliederzahl aus. Besser digitalisierte NPOs können daher ihren sozialen Auftrag besser erfüllen. Das Thema Digitalisierung anzugehen, ist also mehr als die Rettung eines Wirtschaftszweiges.

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Digitalisierung ist der richtige Ansatz 

Wie bedeutend der Einsatz innovativer Technologien im Non-Profit-Sektor ist, zeigen besonders eindrucksvoll solche NPOs, deren Geschäftsmodell auf einer Zukunftstechnologie gründet. Ein Beispiel dafür ist Circular Tree aus Berlin: Das Social Start-up nutzt die Vorteile der Blockchain-Technologie, um damit Arbeitsbedingungen, Umweltstandards und den CO2-Fußabdruck über die gesamte Wertschöpfungskette eines Produkts nachzuverfolgen und zu verbessern. Etwa nutzt auch das Deutsche Rote Kreuz Herford-Stadt e.V. im Rahmen des Projekts „Day Care Tech“ Virtual-Reality-Technologien, um für Menschen mit Behinderungen Teilhabe und virtuelle Barrierefreiheit zu schaffen.

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Marcus Becker
Marcus Becker ist seit November 2018 bei Haus des Stiftens im Team der Programmentwicklung als Berater für Unternehmenspartner tätig. Er studierte Soziologie und Betriebswirtschaft und bringt mehrjährige Erfahrung als Corporate Social Responsibility Manager in einem DAX-Konzern mit. In Zusammenarbeit mit dem BMI verantwortete Marcus Becker die Entwicklung und Veröffentlichung des DIGITAL-REPORT 2020.

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