Digitaler Stress: Macht YouTube depressiv? [Studie]

954
Digitaler Stress: Macht YouTube depressiv? [Studie]
© Kaspars Grinvalds – stock.adobe.com

Die permanente Erreichbarkeit des digitalen Zeitalters macht zunehmend mehr Menschen zu schaffen. Zwar war früher nicht alles besser, dafür aber deutlich ruhiger. Wusstest du, dass wir – im Schnitt – unser Smartphone knapp drei Stunden pro Tag nutzen? Kein Wunder also, dass sich die omnipräsente Technologie allmählich auf unser Wohlbefinden auswirkt. Das gilt auch für vermeintlich angenehme und durchaus informative Innovationen wie YouTube.

Fördert YouTube Depressionen?

Dieser Frage ist Jörg Matthes, Professor für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Uni Wien, nachgegangen. Das Ergebnis seiner Studie: Die audiovisuellen Reize überfordern unser Gehirn, sie führen bei andauernden Zustand nicht selten zu Stimmungsschwankungen, Stress und Depressionen. Die Gefahr der „information overload“ ist bei der Nutzung von YouTube besonders hoch. Doch woran liegt das?

Phänomen der Moderne: Audiovisuelle Reizüberflutung

Unser Gehirn besitzt nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit, um Informationen aus unterschiedlichen Kanälen zu verarbeiten. Nun verhält es sich so, dass bei einer (ununterbrochenen) technologisch induzierten Informationsflut unser Gehirn schlichtweg überfordert ist. In der Psychologie spricht man in so einem Fall von einer so genannten Reizüberflutung. Unser Gehirn ist so aufgebaut, dass es diesen Zustand durch selektive Wahrnehmung kompensiert. Eigentlich, denn:

Eine Filterung von einwirkenden Reizen und Informationen ist aber allein schon durch den YouTube-eigenen Algorithmus nicht möglich. Hier werden dem Nutzer ununterbrochen ähnliche Videos vorgeschlagen.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, befragte Jörg Matthes zusammen mit seinem Team an zwei verschiedenen Zeitpunkten rund 500 Erwachsene. Die Wissenschaftler brachten folgende Dinge in Erfahrung:

  1. Wie oft rufen die Testpersonen verschiedene Internettplattformen auf ihrem Smartphone auf? (WhatsApp, Facebook, Instagram, Snapchat, Twitter und YouTube)
  2. Wie oft fühlen sie sich von der Informationsflut überfordert?
  3. Zeigen die Befragten Anzeichen von Stimmungsschwankungen und Depressionen?

Das Fazit der Wissenschaftler: Bei der Nutzung von YouTube bestand der stärkste Zusammenhang zwischen Reizüberflutung und negativen Emotionen.

EXTRA: Digitaler Stress: Birgt er ein Gesundheitsrisiko?

YouTube im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken

Doch warum wird ausgerechnet das Videoportal als so anstrengend empfunden? Ob das an der regelrecht erschlagenden Masse an verfügbaren Videos oder aber doch am audiovisuellen Material liegt, das unser Gehirn stärker fördert als reine Töne, Bilder oder Texte, ist weiterhin unklar. Möglicherweise ist es auch eine Mischung aus beidem. Klar ist jedoch, dass andere soziale Netzwerke wie etwa Instagram, Facebook und Twitter besser abschneiden, diese werden als deutlich weniger reizüberflutend wahrgenommen. Ein möglicher Grund hierfür ist das Vernetzen mit unseren Freunden und Bekannten: Dieser „Filter“ soll uns vor einer gewissen Überforderung bewahren.

Auch wenn die Ergebnisse der Studie alamierend sind, musst du noch lange nicht das beliebte Videoportal aus dem Hause Google boykottieren. YouTube ist nicht per se gesundheitsschädigend. Dennoch solltest du dir der potentiellen Gefahren bewusst sein und ernsthaft über eine Digital-DetoxKur nachdenken. Denn auch bei technologischen Dingen gilt: Die Menge macht das Gift.

EXTRA: „Digitales Wohlbefinden“: Google veröffentlicht Wellbeing-Apps [Video]

Du willst nichts mehr verpassen?

Kommentiere den Artikel

Bitte gib deinen Kommentar ein!
Bitte gib hier deinen Namen ein