Skip to main content

In Deutschland herrscht derzeit Vollbeschäftigung. Gute Karten für Menschen auf Jobsuche. Für Unternehmen ist die Lage jedoch eine Herausforderung: Sie erhalten immer weniger Bewerbungen auf offene Stellen. Durch den demografischen Wandel ist keine Besserung in Sicht und hinzu kommen noch: ein immer globaler werdender Wettbewerb um die besten Talente und das World Wide Web. Ja, richtig gehört, aber wenden wir uns der Realität zu und wie Unternehmen heute mit guten Recruitment-Kampagnen die richtigen BewerberInnen anlocken. Denn die potenziellen und gut ausgebildeten Nachwuchskräfte entscheiden sich eben doch häufig, lieber Germany‘s Next Top-Influencer zu werden. Sollte das Netz jemals abgeschaltet werden, ist jedenfalls sicher, dass wir wieder mehr BewerberInnen haben.

Vom Umdenken einer Generation

BewerberInnen der Gen Z, oder gar der sogenannten Generation Alpha, ticken völlig anders als die Generationen vorher und haben dementsprechend andere Anforderungen an einen Arbeitgeber. Mit dieser Tatsache tun sich viele Unternehmen noch schwer. Stur setzt die Führungsebene weiterhin auf die ausgetretenen Pfade, getreu dem Motto „Das haben wir immer so gemacht“.  Aber Vorsicht! Wer jetzt nicht von seinem hohen Ross steigt und dem Nachwuchs auf Augenhöhe begegnet, wird den „War for Talents“ verlieren und scheitern.

Wie bei Raumschiff Enterprise muss das neue Motto von dir und deinem Unternehmen daher „Auf zu neuen Galaxien“ lauten. Was ja übrigens auch sehr spannend ist. Man lernt dazu und neue (oft auch bessere Wege) kennen. Einzige Voraussetzung: Offenheit und Toleranz.

Die Ansprüche der Next Gen

Die MitarbeiterInnen der neuen Generation möchten heute weder anweisend noch kontrollierend geführt werden. Inspirieren und befähigen, das sind die Super-Motivatoren für die Next Gen. Natürlich wünschen sie sich auch ein gutes Gehalt. Wichtiger sind aber Punkte wie Mitspracherecht, viele Freiheiten, ausgewogene Work-Life-Balance, New Work Möglichkeiten und psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz.

Neulich berichtete mir ein Kunde entsetzt, dass ein potenzieller Bewerber ihm ernsthaft mitteilte, dass seine Voraussetzung, die Stelle anzutreten, eine 20-Stunden-Woche mit Homeoffice wären, da er sich gern auf Bali aufhalte. Viele der alten Schule sind erstaunt bis entsetzt über solche Forderungen. „Solche Wünsche hätte ich mich früher niemals getraut zu äußern“, beklagt sich manche Führungskraft aus großen Konzernen bei mir. Gerechtfertigt oder nicht, meine Antwort auf solche Aussagen lautet: „Mag sein, aber diese Generation ist nun mal so. Wollen Sie sich also mit der Realität streiten, sich weiter beschweren oder nicht vielleicht besser versuchen, sie zu verstehen?“ Als HR-Beraterin ist es meine Aufgabe, den Finger in die Wunde zu legen. Tatsache ist: Gen Z und Gen Alpha sind der Nachwuchs, der zur Verfügung steht, daher gilt es, genau diese jungen Menschen fürs eigene Unternehmen zu gewinnen.

Der Krieg der Arbeitgeber-Brands löst den War for Talents ab

Überleg dir, was dein Unternehmen bieten kann (das muss nicht gleich das Homeoffice auf Bali sein) und kommuniziere das in Recruiting-Kampagnen – spannend und vor allem authentisch. So ziehst du die richtigen KandidatInnen an, die zum Unternehmen passen.

Da die Konkurrenz allerdings immer größer wird, reicht eine Recruiting-Kampagne, die ehrlich ist, nicht mehr. Sie muss auch ins Auge fallen. Die Vermarktung der Arbeitgeber-Marke wird als Instrument daher immer wichtiger und von immer mehr Unternehmen genutzt.

Eine gute Recruiting-Kampagne beginnt mit einer soliden Basis:

  1. Betrachte die Kommunikation der Arbeitgeber-Marke ganzheitlich und hör auf, einzelne, kleine Maßnahmen zu fahren.
  2. Arbeite mit Profis zusammen. Es gibt spezialisierte Employer-Branding-Agenturen und -Berater, die dir helfen können.
  3. Merke: Erst intern, dann extern kommunizieren.
  4. Sei ehrlich. Verkaufe das Unternehmen nicht über Wert. Versprechungen, die nicht eingehalten werden können, unbedingt vermeiden. Der Imageschaden, der hierdurch entsteht und über Bewertungsplattformen wie Kununu weiterverbreitet wird, ist kaum noch reparabel.

Steht diese Basis, kommen wir endlich zur Kür: Eine Recruiting-Kampagne zielt häufig auf bestimmte Profile ab, die besetzt werden sollen. Der Unterschied einer solchen HR-Kampagne zur „klassischen“ Werbekampagne ist prinzipiell gar nicht so groß: Eine Werbekampagne bewirbt ein Produkt und erhöht im besten Fall die Nachfrage. Bei einer Recruiting-Kampagne ist der Arbeitgeber das Produkt, das nachgefragt werden soll. Die Kampagne kann eine direkte Aufforderung sein, sich auf konkrete offene Stellen zu bewerben und steigert zusätzlich die Bekannt- und Beliebtheit des Unternehmens.

Diese „Rezession des Arbeitsmarktes“, in der wir uns gerade befinden, ist eine Herausforderung, die aber auch neue Chancen bietet, die Karten neu zu mischen. Warte mit deinem Unternehmen nicht auf ein Ass, sondern sorge dafür, dass ihr als Arbeitgeber wie eines wahrgenommen werdet.

Jeannine Halene

Die Düsseldorfer Werberin Jeannine Halene ist diplomierte Wirtschaftswissenschaftlerin, HR-Marketing-Expertin, Gründerin und Geschäftsführerin der auf Employer-Branding spezialisierten Werbeagentur Rheinschurken GmbH und Autorin des internationalen Bestsellers „Marketing – Jenseits vom Mittelmaß“. Jeannine Halene hält HR-Beratungsmandate für Kunden wie Sparkasse, Lindt oder Deichmann.

Der Artikel hat dir gefallen? Gib uns einen Kaffee aus!

One Comment

  • Koral sagt:

    Liebe Jeannine,

    ich habe mir deinen Artikel durchgelesen und muss sagen: Toll geschrieben. Die richtigen Menschen „anzulocken“, ist nicht leicht, sodass eine gute Strategie dafür ein Muss ist. Du hast mit deinen Tipps geholfen, sich an diese Aufgabe heran zu wagen. Danke dafür. :)

    Liebe Grüße
    Koral

Leave a Reply