KI² – Künstliche Intelligenz braucht Kreative Intelligenz

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KI² – Künstliche Intelligenz braucht Kreative Intelligenz
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Unser Arbeitsalltag wird in Zukunft immer stärker von intelligenten Computern und Maschinen bestimmt, die unterschiedlichste Aufgaben für uns übernehmen. Diese Entwicklungen stellen die meisten Unternehmen nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch vor große Herausforderungen. Denn die zunehmende Mensch-Maschine-Kooperation wird nur dann erfolgreiche Ergebnisse produzieren, wenn sich die Künstliche Intelligenz (KI) der Maschinen optimal mit der Kreativen Intelligenz (KI) der MitarbeiterInnen verbindet.

Mensch vs. Maschine

Die Vorteile „denkender“ Maschinen liegen für Unternehmen auf der Hand: Einmal angeschafft, haben Maschinen kaum Ausfallzeiten und erledigen komplizierte Aufgaben oft deutlich schneller als Menschen. Im Angesicht der rasanten Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz scheinen menschliche MitarbeiterInnen in Zukunft also schlechte Karten zu haben. Je mehr sie versuchen, mit der KI auf der Ebene rein rationaler, repetitiver und operativer Tätigkeiten zu konkurrieren, desto eher werden sie sich aufgrund der Überlegenheit der Maschinen überflüssig machen.

Für Unternehmen, die diese vorhersehbaren Entwicklungen ignorieren oder bewusst forcieren, um ihre MitarbeiterInnen unter Druck zu setzen, werden schwierige Zeiten anbrechen. Denn eine Rivalität zwischen Maschinen und Menschen führt am Ende nur zu Frust, Resignation und Produktivitätsverlusten. Eine Gefahr, vor der auch viele Experten und Tech-Größen warnen – allen voran Tesla-Chef Elon Musk und Googles Chef-Ingenieur Ray Kurzweil.

KI²: Eigene Stärken stärken

Um zukünftig erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen und ihre MitarbeiterInnen einen neuen, komplementären Weg einschlagen. Es gilt, sich auf Fähigkeiten zu fokussieren, die Computer noch gar nicht oder nicht gut genug beherrschen. Dazu gehören Kompetenzen, die in den meisten Unternehmen bis vor Kurzem oft noch belächelt oder sogar unerwünscht waren: Einfühlungsvermögen, Neugierde, Leidenschaft und Kreativität.

Gerade Letztere wird in der Arbeitswelt der Zukunft das unschlagbare Alleinstellungsmerkmal des Menschen sein. Intelligente Maschinen und Algorithmen werden immer schneller rechnen als wir – aber sie werden nie so kreativ sein. In unserer Kreativität aber keimt all das Innovationspotenzial, das Entwicklung und Fortschritt überhaupt erst möglich macht. Der Erfolg in der Zukunft wird also in hohem Maße davon abhängen, wie gut es uns gelingt, den „High-Tech“ durch unseren „High-Touch“ zu ergänzen.

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Kreative Köpfe gesucht

In Zukunft benötigen Organisationen vor allem MitarbeiterInnen mit ausgeprägten gestalterischen Fähigkeiten. MitarbeiterInnen, die den Status quo hinterfragen, unentdeckte Potenziale erkennen, Menschen und Maschinen miteinander vernetzen und außergewöhnliche Ideen entwickeln. Künstliche Intelligenz in all ihren unterschiedlichen Formen und Ausprägungen kann diese komplexen menschlichen Aufgaben heute noch nicht einmal ansatzweise übernehmen. Ohne kreative Menschen, die wissen, wie man sie sinnvoll einsetzt, sind digitale Assistenten, Chatbots oder kooperative Roboter also ziemlich nutzlos. Unternehmen sind daher gut beraten, der „Kreativen Intelligenz“ ihrer MitarbeiterInnen endlich einen hohen Stellenwert einzuräumen und sie gezielt zu fördern.

Damit das gelingt, muss sich vor allem etwas in den Führungsetagen der Unternehmen verändern. Denn mit einer Mitarbeiterführung aus dem Industriezeitalter, die auf Effizienz, Fehlervermeidung und Abteilungsdenken ausgerichtet ist, lassen sich keine Rahmenbedingungen für kreatives Arbeiten schaffen. Es wird daher Zeit für einen neuen Führungsstil, bei dem Spiel, Kreativität und Empathie im Mittelpunkt stehen. Jack Ma, Gründer der weltgrößten Handelsplattform „Alibaba“, forderte auf dem World Economic Forum in Davos sogar, unser gesamtes Bildungssystem auf genau diese künstlerisch-kreativen Fähigkeiten auszurichten. Andernfalls werden wir in Zukunft große Probleme bekommen, so Ma.

KI² = mehr Erfolg

Bevor eine neue Generation von kreativen Azubis und Studierenden in die Organisationen strömt, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Bis dahin sind die Unternehmen selbst dafür verantwortlich, die Kreative Intelligenz Ihrer MitarbeiterInnen optimal zur Entfaltung zu bringen. Das erreichen sie, indem sie ein offenes und experimentierfreudiges Umfeld schaffen, in dem MitarbeiterInnen bestmögliche Lösungen für ihre KollegInnen und KundInnen finden. Künstliche Intelligenz wird den Menschen dabei nicht ersetzen, sondern ihn entlasten und unterstützen. Das belegt auch eine Studie des Marktforschungsinstituts Gartner. Sie geht davon aus, dass bis Ende 2020 durch Künstliche Intelligenz weltweit 2,3 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen werden.

Die Angst, dass künstlich-intelligente KollegInnen den Menschen bald verdrängen, ist also absolut unbegründet. Vielmehr ist davon auszugehen, dass MitarbeiterInnen und Maschinen bereits in naher Zukunft immer enger zusammenarbeiten werden. Das größte Potenzial werden daher Unternehmen entwickeln, die genau das verstanden haben und nach der Formel

Künstliche Intelligenz (KI) x Kreative Intelligenz (KI) = Mehr Erfolg

arbeiten.

Jens Möller
Jens Möller ist Experte für innovatives Denken und Handeln. Als gefragter Vortragsredner und Innovationscoach ermutigt er Menschen und Unternehmen dazu, ihr kreatives Potenzial zu erkennen, zu entwickeln und erfolgreich für sich zu nutzen. Er ist Autor des Buches „Die Da-Vinci-Formel“ und Gründer des Leonardo da Vinci Forums, einer Plattform für Andersdenker und Anderslenker.

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