Fit für die Zukunft: So entkommen wir der (un-)geliebten Aufschieberei

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Fit für die Zukunft: So entkommen wir der (un-)geliebten Aufschieberei
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Wandel, Change, Unsicherheit… Wer kennt das nicht? Keine Zeit für nichts. Wie sollen wir vor lauter Stress und Arbeitsbelastung das finden, was wir eigentlich suchen? Zufriedenheit im Beruf, persönliches Wohlbefinden und einen optimistischen Blick in die Zukunft. Manchmal hilft es, zuerst an den Stellschrauben zu drehen, die in unserem eigenen Einflussbereich liegen – wie der Aufschieberei.

Probleme der modernen Arbeitswelt: Niemals endende To-do-Listen, unzählige Action Points und Aufgaben, die erledigt werden sollen, aber meistens – und das ist das Problem – nicht erledigt werden wollen. Die Tage sind zu voll und die Listen zu lang.

Viele Dinge schaffen es einfach nicht vom „Aufgaben“- zum „Erledigt“-Status. Und dann kommt es automatisch: das schlechte Gewissen.

Immer wieder schleicht sich ein ungutes Gefühl in die Magengegend und wird zu trüben Gedanken: „Hättest du doch …, warum machst du nicht …, nie schaffst du es …“. Je länger die Posten liegenbleiben, umso schlechter fühlen wir uns. Das lähmt, denn die zusätzlichen Gedankenschleifen beschäftigen Menschen auf negative Weise und setzen sie selten in Bewegung. Das fördert die persönliche Unzufriedenheit. Im Laufe der Zeit wächst das Problem an und die Arbeitsleistung leidet.

Wissenslücken frustrieren

Auch „Lebenslanges Lernen“ lässt sich sehr gut prokrastinieren. Ein Thema, das in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung wichtiger ist denn je. Workshops werden aus Zeitdruck abgesagt, Lernaufgaben verschoben oder nicht weiterverfolgt, wenn es anstrengend wird. Themen, die nicht wirklich motivieren, werden auf die lange Bank geschoben. Die Konsequenz ist, dass die Wissenslücken immer größer werden. Die Themen anzupacken, wird immer schwieriger.

Gründe zum Prokrastinieren finden wir viele. Hier nur eine kleine Auswahl der üblichen bewussten oder unbewussten Ausflüchte:

  • keine Lust
  • geringe Motivation
  • eilt nicht (Priorität)
  • zu anstrengend
  • ich finde keinen Anfang
  • ich identifiziere mich damit nicht
  • ich schaffe es inhaltlich nicht
  • mir fehlt Wissen
  • ich brauche Unterstützung
  • ich bin dafür nicht verantwortlich
  • mir fehlt die Struktur
  • eigentlich stört es mich gar nicht so
  • es ist mir zu langweilig … und vieles mehr.

Gute Ratschläge gibt es viele

Um dem Aufschieben entgegenzuwirken, gibt es viele hilfreiche Tipps – angefangen bei der Frage, was uns persönlich motivieren würde, bis hin zur Überlegung, was es verhindert, dass wir endlich beginnen. Wenden wir uns offen an KollegInnen und FreundInnen, hat jeder einen persönlichen Ratschlag. Und jetzt sollen wir all diese Ideen und Impulse auf uns selbst übertragen? Das klingt anstrengend. Doch wenn es einfach wäre, gäbe es das Problem der Aufschieberei nicht. Schließlich ist es bequemer, das eigene Verhaltensmuster beizubehalten und mit dem Problem zu leben. Und am besten drüber zu schweigen. Leider ist das weder zielführend noch macht es zufrieden.

Der Schlüssel zur Veränderung? Selbstreflexion!

Die echte Auseinandersetzung mit unserer persönlichen Prokrastination kann langfristig viel Zeit und Energie sparen und letztlich die eigene Zufriedenheit erhöhen. Fangen wir doch gleich an und reflektieren unser Aufschiebeverhalten. Es lohnt sich. Denn, wenn wir nicht mehr alles auf die lange Bank schieben, wenn wir Klarheit über unsere Prioritäten haben und wir bewusst entscheiden, was wir angehen und was nicht, können wir fokussierter und produktiver arbeiten. Wie wir es angehen, ist uns selbst überlassen. Folgende Anregung möchten wir aber geben.

Wer gerne visuell arbeitet, kann ein Reflexionsboard erstellen und ihm eine positive Überschrift geben, wie „meine lange Bank“ oder „mein Vertagungsboard“. Warum? So ist das Thema von vornherein mit einem kleinen Augenzwinkern versehen und es fällt leichter, sich an das Projekt heranzuwagen.

EXTRA: Prokrastination: 3 Strategien, um nie mehr etwas aufzuschieben

Zeit haben ist eine Entscheidung

Unerfahrene sollten sich Zeit nehmen, sich mit dem neuen Board vertraut zu machen. Reflektiere dein Verhalten und deine Dauerbrenner. Nutze Post-its, Smileys oder Farben. So, wie es für dich passt. Betrachte das Bord in seiner Gesamtheit. Suche dir AustauschpartnerInnen und Unterstützung. Auch wenn du vielleicht den Impuls verspürst zu sagen: „Dafür habe ich keine Zeit.“ Vorsicht! Denn Zeit haben wir nie. Es ist immer eine Entscheidung, wofür wir uns die zur Verfügung stehende Zeit nehmen. Außerdem ist es eine Entscheidung, dorthin zu schauen, wo es für uns unangenehm ist, wo wir an uns arbeiten müssen. Es gilt, die Komfortzone zu verlassen.

Vielleicht magst du dir dafür eine Tabelle erstellen, um das Ganze zu visualisieren. Oftmals liegen die Lösungen schon beim Erstellen des Boards auf der Hand und es fällt plötzlich leicht, Dinge anzugehen, zu streichen oder anders zu fokussieren. Wenn du Klarheit gewonnen hast, kannst du dich danach Stück für Stück an die Umsetzung machen. Allein, mit Unterstützung oder im Team. Das beste Ergebnis ist, wenn du irgendwann so viel Klarheit gewonnen hast, dass du dieses Board nicht mehr benötigst.

Mach dich zukunftsfit

Aufschieberitis ist menschlich verständlich. Aber wer sich für die Arbeitswelt von morgen gut aufstellen will, muss lernen, sich selbst zu führen. In Zukunft wird die Fähigkeit der Selbstreflexion- und Selbstregulation immer wichtiger. Denn in der Komfortzone zu bleiben und alles so zu belassen, wie es ist, heißt, kein Neuland zu betreten. Genau das ist aber in Zukunft gefragt. Reflektiere dich also, nimm das Gute an der Veränderung wahr und versuche, deine Reflexion in Handlungen umzusetzen. Jeder noch so kleine Schritt in Richtung persönliches Wachstum ist gut investierte Zeit.

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Katrin Busch-Holfelder
Katrin Busch-Holfelder ist Expertin für die Zukunftsfähigkeit von Menschen und Organisationen in Zeiten des Wandels. Als Keynote-Speakerin, Autorin und Business-Coach begleitet sie Menschen und Unternehmen bei der Lösung ihrer beruflichen Herausforderungen und hilft ihnen, ins Handeln zu kommen und die eigenen Kräfte zu aktivieren. Dabei greift sie auf ihre mehr als 20-jährige Berufserfahrung in internationalen Konzernen und im öffentlichen Dienst zurück. In ihren Keynotes begeistert sie das Publikum und ruft zu Freude an der Veränderung und Mut zur Gestaltung der Zukunft auf.

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