7 Todsünden – Schlechtes Verhalten als Führungskraft (Teil II)

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7 Todsünden - Schlechtes Verhalten als Führungskraft (Teil II)
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In Teil I sind dir bereits drei der sieben Wurzelsünden im Bezug auf die Einstellungen und Haltungen von Führungskräften erläutert worden. Erfahre nun, welche weiteren Eigenschaften diese vermeiden sollten.

Wurzelsünde 4: Ira (Zorn, Wut, Vergeltungssucht)

Geradezu legendär sind die jähzornigen Wutausbrüche mancher „Alphatiere“ an der Unternehmensspitze, wenn ihnen etwas missfällt. Und einzelne genießen es geradezu, Untergebene oder Schwächere vor Publikum mit Worten zu „sezieren“ – ähnlich wie dies Bundesfinanzminister Schäuble Ende 2010 mit seinem Pressesprecher tat.

Mit „sadistischen DespotInnen“ arbeiten nur MasochistInnen gerne zusammen. Selbstbewusste MitarbeiterInnen kehren ihnen entweder eigeninitiativ den Rücken oder sie werden „gefeuert“ – weil sie ein offenes Wort wagten. Die Folge: Von Ira geplagte UnternehmensführerInnen sind irgendwann nur noch von „Bücklingen“ umgeben, deren gesamtes Denken und Tun darauf abzielt, dem „Herrn“ zu gefallen. Das heißt, ChefInnen werden zu isolierten Patriarchen, zu denen nur noch ausgewählte und oft „geschönte“ Informationen dringen. Das schmälert ihre Urteilskraft und erhöht die Gefahr von Fehlentscheidungen – die von den gepiesackten „PartnerInnen“ und „Untergebenen“ genüsslich registriert werden.

Prävention:

  • Schlafe, wenn dich die Wut packt, erst einmal darüber, bevor du „PartnerInnen“ spontan ein verletzendes Feedback gibst
  • Denke daran: Ein falsches Wort am falschen Ort zur falschen Zeit hat schon manch langjährige Beziehung zerstört

EXTRA: Führungsstärke dekodieren – Was macht eine Führungskraft effektiv?

Wurzelsünde 5: Gula (Völlerei, Gefräßigkeit)

„No pain, no gain“ beziehungsweise „Ohne Fleiß kein Preis“. Diese Maxime haben fast alle ManagerInnen verinnerlicht. Deshalb ist die Gefahr groß, dass sich ihr Leben irgendwann nur noch um die Arbeit dreht, während andere Lebensbereiche verkümmern. Dieses Manko spüren auch die Betroffenen. Also muss es kompensiert werden – zum Beispiel mit Drogen wie Alkohol. Oder mit Tabletten, die helfen, den Stress zu ertragen. Oder mit der Suche nach dem ultimativen Kick – sei es in irgendwelchen Affären oder sonstigen Abenteuern, die den Betroffenen das Gefühl vermitteln: Ich lebe noch.

Doch leider ist damit meist wenig Genuss verbunden, denn: Genießen erfordert Zeit. Entsprechend schnell verlieren die Dinge ihren Reiz. Also muss die „Dosis“ erhöht werden, um noch etwas zu empfinden. Und schon beginnt ein Teufelskreiskauf, der häufig in einem Zusammenbruch beziehungsweise einer zynischen Lebenshaltung mündet.

Prävention:

  • Höre auf die Warnungen von Freunden und Verwandten
  • Gönne dir ab und zu eine Auszeit, in der du dich fragst: Befinde ich mich noch auf dem richtigen Lebensweg?

Wurzelsünde 6: Invidia (Neid, Missgunst, Eifersucht)

Sich im Wettstreit mit anderen Menschen zu messen und ihnen nachzueifern – das scheint eine zentrale Triebfeder der Menschen zu sein (und hierauf basiert auch die Marktwirtschaft).

Zerstörerisch wird dieser schöpferische Trieb jedoch, wenn daraus die Maxime resultiert: Ich muss stets der/die Beste, Tollste, Erfolgreichste sein. Denn dann erwachsen hieraus Missgunst und Eifersucht. Das heißt: Dem anderen wird dessen Erfolg nicht mehr gegönnt, weil er scheinbar den eigenen infrage stellt. Also muss der Erfolg des anderen entweder zerstört oder relativiert, also verkleinert werden, damit er das eigene Ego nicht zerfrisst. Das macht es unmöglich, vom anderen zu lernen und mit ihm eventuell eine Allianz zu schmieden, von der alle Beteiligten profitieren.

Neid lässt Gemeinsamkeit nicht zu. Er zerstört jede Form der Kooperation.

Prävention:

  • Mache dir deine eigenen Erfolge bewusst statt stets auf die Erfolge anderer zu starren
  • Gönne auch anderen Menschen und Organisationen Ihren Erfolg. Denn auch sie haben ihn sich verdient

Wurzelsünde 7: Acedia (Trägheit des Herzens und des Geistes)

Im Gegensatz zu Gregor I. würde ich heute in der Acedia die „schwerste Sünde“ sehen. Denn wer unter einer Trägheit des Herzens und des Geistes leidet, dem ist letztendlich alles egal. Das heißt, er nimmt mangels Neugier und Interesse vieles in seiner Umwelt nicht mehr wahr. Und wenn doch? Dann löst es in ihm keine Emotionen aus: weder Freude, noch Ärger, weder Neugier, noch Motivation. Als besteht für ihn auch kein Anlass, über das, was um ihn herum geschieht und was sich dort verändert, nachzudenken. Und schon gar nicht sieht er einen Anlass, das eigene Denken und Handeln zu hinterfragen. Die Folge dieser Denkfaulheit: Der/die „Erkrankte“ entwickelt sich nicht weiter, weshalb er/sie irgendwann wie ein Fossil aus der Vergangenheit durchs Leben (sowie die Unternehmenslandschaft) tappt.

Menschen und Organisationen, die unter Acedia leiden, ersticken mit der Zeit in ihren Denk- und Handlungsroutinen. Sie gleiten, selbst wenn sie einmal Spitze waren, zunehmend ins Mittelmaß ab – oft ohne dies zu registrieren. Denn mangels Neugier kommunizieren sie kaum noch mit ihrer Umwelt.

Prävention:

  • Gehe mit offenen Augen durchs Leben. Suche oft das Gespräch mit Menschen, die etwas bewegen (möchten) – sei es im Bereich Kultur, Technik oder Wirtschaft
  • Die Wurzelsünden sind letztendlich Grundprinzipien für ein balanciertes Leben und zum Vermeiden einer zu starken Ich-Bezogenheit – etwas, was vielen Führungskräften gut tun würde. Vielleicht ein neuer (alter) Ansatz in der Managementlehre?

Mehr über die ersten 3 Wurzelsünden erfahren

Dr. Georg Kraus
Dr. Georg Kraus ist geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, Bruchsal, für die fast 50 Trainer, Berater und Coachs arbeiten. Der diplomierte Wirtschaftsingenieur promovierte an der TH Karlsruhe zum Thema Projektmanagement. Er ist Autor des Change Management Handbuch sowie zahlreicher Projektmanagement-Bücher. Seit 1994 ist er zudem Lehrbeauftragter an der Universität Karlsruhe, der IAE in Aix-en-provence und der technischen Universität Clausthal.

1 Kommentar

  1. Ein spannender Artikel, der ganz nebenbei auch zeigt, dass auch Wissen, das schon mehrere Jahrhunderte alt ist, noch wertvoll sein kann – wenn es zeitgerecht interpretiert wird.

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