Interkulturelle Kommunikation für dein Business: So klappt’s!

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Interkulturelle Kommunikation für dein Business: So klappt’s!
© Andrea Piacquadio – pexels.com

Kommunikation, ob mündlich oder schriftlich, persönlich oder indirekt über Social Media findet permanent statt. Sie betrifft alle Kulturen weltweit und auch dein Business wird früher oder später auf interkulturelle Kommunikation treffen.

Die Globalisierung und Internationalisierung von Wirtschaftsbeziehungen ist kein neues Phänomen mehr. Bereits im Mittelalter gab es Warenaustausch zwischen Europa, Indien, China und Japan. Doch was bedeutet das globale Leben für uns im Jahr 2020? Zwischen der weltweiten „Fridays For Future“ Bewegung und neuen Smartphones aus Asien stellt sich doch die Frage, wie funktioniert das Ganze eigentlich auch für dein Business?

Globalisierung 2020: Die Welt als „globales Dorf“

Im Allgemeinen ist mit Globalisierung der Trend zur wachsenden wirtschaftlichen, kulturellen, politischen und technologischen Verflechtung zwischen Ländern, Firmen und Volkswirtschaften gemeint.

Ob privates Online-Shopping oder kommerzielle Handelsbeziehung – Wir alle sind Teil einer stetig wachsenden Globalisierung. Durch Internet, Smartphone und Transportmöglichkeiten ist die gesamte Welt zu einer Art „globales Dorf“ zusammengewachsen. Es ist so einfach, an das andere Ende zur Welt zu gelangen. Am einfachsten ist wohl die Kommunikation per Online-Video-Call, doch auch Tickets für einen Flug von Deutschland nach Australien sind erschwinglich und nur einen Mausklick entfernt.

Und ganz egal, ob kleines Start-Up oder Großkonzern – auch im Geschäftsleben gibt es Vor- und Nachteile, die durch Globalisierung ausgeschöpft werden können.

Wichtig ist es dabei aber nicht nur Gesetzmäßigkeiten zu kennen und zu verstehen, sondern auch kulturelle Kommunikationsregeln und ungeschriebene Gesetze zu beachten. Immer wieder kommt es vor, dass ein Geschäftsdeal nur deshalb platzt, weil es auf persönlicher Ebene zu Missverständnissen kam.

Was ist überhaupt Kultur?

Menschen denken beim Wort „Kultur“ vielleicht instinktiv an Kunstwerke, Musik oder Ähnliches. Das sind ganz klar kulturelle Aspekte! Letztlich beschreiben sie aber nur einen Bruchteil der eigentlichen Kultur, die doch eher einer komplexen Wirklichkeit entspricht. Und so auch die Kommunikation innerhalb dieser Kultur.

Eine Kultur wird von diversen Faktoren geprägt. Nicht nur Nationalitäten entscheiden über eine Kultur, sondern Untergruppen, die Geschmack, Überzeugung, Gewohnheiten und Kommunikationselemente beinhalten. Sie prägen uns Menschen und sind die Basis für unser Denken und Handeln. Dieses Bewusstsein kannst du für die Kommunikation deines Business nutzen!

Kultureisberge und Vorurteile

Der Kultureisberg © Meckl, S. 313 (2014): ISBN 978-3-8006-4784-2
(Zum Vergrößern anklicken) Der Kultureisberg © Meckl, S. 313 (2014): ISBN 978-3-8006-4784-2.

Kulturen haben etwas mit Eisbergen gemeinsam: Man sieht einen Teil, doch ein zweiter (und sehr relevanter) Teil bleibt für uns an der Oberfläche zunächst verborgen. Natürlich erkennen wir Verhaltensmuster, Sprache und Tradition. Nicht aber tiefere Werte und Grundansichten der Menschen.

Beispiel zwei Eisberge treffen aufeinander

Ein „Worst-Practice-Beispiel“ könnte sein:

  • Ein österreichischer Geschäftsmann steckt die Visitenkarte des japanischen Kollegen einfach in die Hosentasche. Für den japanischen Kollegen sorgt das für Ärger, er fühlt sich im schlimmsten Fall sogar beleidigt.

Warum? In Japan werden Visitenkarten normalerweise schätzend und mit beiden Händen dankend entgegengenommen.

Hast du dich außerdem auch selbst schon dabei ertappt, wie du komische Vorurteile gegenüber anderen Kulturen gehört hast? Oder du bist sogar selbst von Stereotypen überzeugt?

Beispiel für Stereotype

  • Deutsche sind immer pünktlich
  • Chinesen fotografieren alles
  • Italiener sind Machos
  • Franzosen sind eingebildet

Sicher gibt es auf Basis der sogenannten Kulturdimensionen nach Verhaltensforschern wie Hostede und Trompenaars Erkenntnisse, welche Kulturkreise in gewissen Situationen agieren. Aus eigener Erfahrung wissen wir aber, dass das Thema interkulturelle Kommunikation in der Realität auf viel mehr basiert, als auf den reinen Erkenntnissen der Forschung. Nämlich aus dem Zuhören und Ausprobieren! Kultur und Kommunikation sind lebendig.

EXTRA: Freudvoll tanzen trotz Diversity Dilemma – So heißen Unternehmen Vielfalt willkommen

3 Beispiele aus dem Alltag

Anhand dieser Beispiele möchten wir dir zeigen, welche Arten der Misskommunikation in Alltag und Geschäftsleben auftreten können und wie man sie bestenfalls vermeiden kann.

Beispiel Großbritannien Deutschland

Small Talk“ ist im angloamerikanischen Kulturkreis sehr wichtig.

Kollegen aus London begrüßen andere gerne mit einem freundlichen „How are you?“. Bei Deutschen führt das manchmal zu Verwirrung. Einige tappen immer wieder in die Falle, und beantworten in umfassenden Sätzen, wie es ihnen momentan geht. Schlimm ist das sicher nicht, es führt jedoch beim Gegenüber zu Verwirrung oder eben zu einem Schmunzeln. Ein einfaches „Fine, thanks“ wäre ausreichend. Gar nicht zu reagieren ist jedoch äußerst unhöflich, also daher besser an die Regel halten oder doch ein bisschen ausschweifen. Lieber ein Schmunzeln, als ein Kopfschütteln, wegen Unhöflichkeit.

Beispiel Schweden Uruguay

Hierarchie und Macht sind weltweit unterschiedlich gewichtet. Südamerika legt in weiten Teilen oft mehr Wert auf das Beachten von Hierarchien, als beispielsweise Nordeuropa. In einem Meeting waren 5 Personen anwesend. Abteilungsleiter und Mitarbeiter aus Uruguay (Agentur), CEO und Assistentin aus Schweden (Partner) und ein Vertreter aus Deutschland. Die Assistentin aus Schweden wagte es, einen spannenden und völlig neuartigen Vorschlag in das laufende Gespräch einzuwerfen und wendete sich zu allem auch noch direkt an den Mitarbeiter aus Uruguay. Für die schwedischen Partner war das gar kein Problem. Man sah den beiden Uruguayos jedoch die Verwirrtheit ins Gesicht geschrieben. Der Mitarbeiter traute sich kaum zu reagieren und der Abteilungsleiter fühlte sich sichtlich übergangen. Eine spannende Szene, die beim späteren Kaffee charmant aufgeklärt werden konnte. Beruhigend und mit viel Spaß, um beim nächsten Meeting eventuell angemessener zu kommunizieren.

Beispiel China Deutschland

Jemand hatte während seines Studiums eine chinesische Bekannte in der Wohngemeinschaft eingeladen. Als man sie fragte, ob sie noch etwas Wein trinken mochte, lehnte sie ab. Was wohl ein Zeichen der Höflichkeit war, wurde von allen missverstanden. Denn ihre Sachaussage war in dem Fall einfach hinfällig, ein guter chinesischer Gastgeber bringt trotzdem neuen Wein. Es geht hier um gute Manieren und Gastfreundschaft. Wahrscheinlich ging sie tatsächlich durstig nach Hause und es wurde nicht mal bemerkt. Heute wissen die Betroffenen, dass sie die Situation ganz einfach retten, indem sie Wein nachgießen. Zum Glück war die Bekannte nicht nachtragend und klärte die anderen an einem anderen Zeitpunkt auf.

Interkulturelle Kommunikation verbessern

Und was können wir tun? Vorbereiten, vorbereiten!

Wir können uns mit anderen Sprachen und den wichtigsten Gepflogenheiten einer Kultur vertraut machen und uns mit Werten und Religionen auseinandersetzen. Noch wichtiger ist es, aus den einzelnen Situationen zu lernen.

Nach dem „4-Ohren-Modell“ können wir versuchen besser zu eruieren, was nun: Sachinhalt, Selbstaussage, Beziehung und was ein Appell unseres Gegenübers ist. Im internationalen Geschäftsleben ist es wichtig, Umgangsformen und Gebräuche der jeweiligen Geschäftspartner zu (er-)kennen und zu achten. Während es in Mexiko bei Begrüßungen und Verabschiedungen verständlich ist, sich gegenseitig zu berühren, wird das in China einfach gar nicht geschätzt.

EXTRA: Andere Länder, andere Sitten: Das 1×1 für interkulturelle Meetings

Wir möchten erneut anmerken, dass Kultur „lebt“ und sich verändern kann. Daher gibt es keine 100%ige Regeln, die du für dein internationales Business beachten musst. Doch mit den „Best-Practices“ zur Vorbereitung und Informationen zu aktuellen Gepflogenheiten bist du sicher besser gerüstet und fühlst dich selbst wohler, um harmonisch international agieren zu können und auch, um aus den Situationen selbst lernen zu können.

Wir wünschen dir ganz viel Erfolg bei allen interkulturellen und globalen Erfahrungen, privat und geschäftlich.

4 Dinge zum Abschluss: Checkliste

  • Bleib du selbst!
  • Sei offen und neugierig!
  • Vergiss die unnötigen Vorurteile!
  • Versuche einfühlsam und verständnisvoll zu sein!

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Sonja Deborah Eisele
Sonja Deborah Eisele ist Projektmanagerin an der Dualen Hochschule in Baden-Württemberg. Freiberuflich ist sie als Texterin, Coach, SEO-Expertin und Gründerin von SOL Marketing aktiv. Mit ihrer zehnjährigen Expertise aus Marketingstrategie und Kommunikation unterstützt sie besonders kleine und mittelständige Unternehmen und verhilft ihnen zur Kundengewinnung über Print- und Onlinemedien.

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