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„New Work“ – schon oft davon gehört, aber keine Ahnung, was genau damit gemeint ist? Unsere Expertin Inga Höltmann, Gründerin und Journalistin, hat uns im exklusiven Interview drei Fragen zum Thema beantwortet.

Frau Höltmann, was verstehen Sie ganz konkret unter dem Begriff „New Work“?

Inga Höltmann: Für viele Menschen ist New Work vor allem die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Und tatsächlich ist ortsunabhängiges Arbeiten durchaus etwas, das in das Repertoire von New Work gehört. Doch es ist so viel mehr: New Work ist auch:

  • zeitflexible Arbeit: Teilzeit, Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit
  • neue Organisationsformen wie Holokratie
  • Projekte wie Jobsharing

New Work kann die persönliche, individuelle Ebene der Arbeit genauso verändern wie die organisationale Ebene. Wenn in einer Organisation die Büroräume umgebaut werden, kann das auch schon New Work sein, auch wenn das auf den ersten Blick „nur“ die vier Wände sind, die uns Arbeitende umgeben.

Doch was unterscheidet New Work vor allem von „Old Work“? Für mich ist New Work erst in zweiter Linie das, was wir tun – für mich ist sie in erster Linie die Haltung, mit der wir in Veränderungen gehen, und kontinuierliche Arbeit an den Werten, die unser Verhalten prägen. Ein wichtiger Wert für mich ist hier zum Beispiel Augenhöhe. Und eine wichtige Fähigkeit ist der Mut, immer wieder in Reflexion zu gehen und sich zu fragen, ob das, was man tut, das Richtige ist – und ob man noch auf dem richtigen Weg ist. Um beim Beispiel der Büroräume zu bleiben: Wenn der Antrieb ist, durch einen Umbau Kosten zu sparen, dann ist das für mich nicht unbedingt New Work. Wenn der Umbau aber dadurch angetrieben wird, die Arbeit der Menschen zu verändern, sie in Kontakt und in den Austausch zu bringen, dann ist das schon viel new-workiger!

Wobei New Work aber kein reines Liebhabergeschäft ist. Unternehmen werden attraktiver als Arbeitgeber und die Arbeitenden sehr wahrscheinlich zufriedener und kreativer. New Work ist für mich die einzige Art, sein Unternehmen zukunftsfit zu machen: Indem wir die Menschen in den Organisationen ermächtigen, auf eine gute Art zu arbeiten, schaffen wir Räume für Innovation und Gelegenheiten zur Anpassung an ein volatiles Marktumfeld.

In welchen New-Work-Ansätzen sehen Sie das größte Potenzial für den Mittelstand?

Inga Höltmann: Ich sehe das größte Potenzial in einer engen Verknüpfung von Arbeiten und Lernen – das beides eng zusammengehört, ist eine wichtige Erkenntnis der neuen Arbeitswelt. Die Abfolge von Schule – Ausbildung – Arbeiten stimmt nicht mehr, heute sind wir nicht mehr „ausgelernt“, sondern wir sollten uns in der modernen Arbeitswelt kontinuierlich weiterentwickeln. Die Unternehmen, die das verstehen, werden diejenigen sein, die in einem digitalen Marktumfeld bestehen werden.

Solche Lernräume innerhalb der Unternehmen können helfen, Arbeiten und Lernen miteinander zu verbinden. Die Menschen werden angeregt, ihr Wissen zu teilen und sich auszutauschen – und wer so sein Wissen teilt, lernt auch gleichzeitig kontinuierlich dazu.

Bei Google zum Beispiel sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angehalten, ein Fünftel ihrer Arbeitszeit mit Fortbildung oder Interessensprojekten zu verbringen. Die einzige Maßgabe ist, dass sie auf die Arbeit bei Google einzahlen sollen. Es muss jetzt nicht jedes Unternehmen direkt einen ganzen Tag in der Woche dafür reservieren, aber wenn Organisationen verstehen, dass sie ebenfalls von solchen Fortentwicklungen ihrer Angestellten profitieren, ist ein wichtiger Schritt gegangen.

Auf welche Stolperfallen bei New Work sollten Unternehmen am meisten achtgeben?

Inga Höltmann: Über vielen Unternehmer/innen hängt die Digitalisierung wie eine Drohung: Wenn sie sich jetzt nicht bewegen, wird es sie bald nicht mehr geben. Dann werden New-Work-Initiativen angestoßen und Change-Projekte angefangen, weil man denkt, man müsse das ja jetzt machen – und immerhin ist New Work ja auch gerade irgendwie ein Trend, oder?

EXTRA: New Work: Was steckt hinter dem Zukunftstrend? (Teil I)

Ich stelle dem ein positives Narrativ entgegen: In der Digitalisierung stecken große Chancen – neue Produkte, neue Märkte, neue Entwicklungsmöglichkeiten für die Menschen. Und anders zu arbeiten kann diese Chancen erschließen helfen, weil es neue Potenziale in der Organisation eröffnet.

Was auch immer hinterher dabei herauskommt: Von New Work kann ein Unternehmen nur profitieren. Denn auch wenn das Projekt am Ende nicht wie vorher geplant aussieht, so ist die Reise dorthin wertvoll und immer ein Lerngewinn. New Work bedeutet für mich auch, zu verstehen, dass sie nicht ein statischer Zustand am Ende eines Projektes ist, sondern eine Reise, auf die sich Unternehmen machen.

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