Digitale Firmenbesuche: 3 Tipps für das Recruiting der Generation Z

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Digitales Recruiting: Was bringt es dem Mittelstand?
© Anna Shvets – pexels.com

Nicht zuletzt durch die COVID-19 Pandemie nimmt die Bedeutung und Erfordernis der innovativen Repräsentation von Unternehmen im virtuellen und digitalen Raum deutlich zu. Gerade für die Kontaktaufnahme und damit auch für das das Recruiting neuer Fachkräfte nimmt diese digitale Form der Unternehmenskommunikation ebenfalls stetig zu. Für die Generation Z (Geburtsjahre 1997-2010), die gerade im Begriff sind Ausbildung und Studium erfolgreich abzuschließen, sind digitale Firmenbesuche besonders interessant, um Unternehmen im Recrutingprozess kennenzulernen. Diese Generation setzt als Digital Natives vertraute Medien konsequent ein und bewegt sich damit in einer gewohnten Anwendungsumgebung. Dennoch sind diese digitalen Firmenbesuche keine Selbstläufer. Sie bedürfen einer systematischen Vorbereitung. Denn sie erlauben im Gegensatz zu anderen Formen der Exkursionen und Firmenbesuchen häufig nach Ankündigung und Planung kaum Improvisation. Außerdem können fehlende bzw. unzureichend geplante Punkte der digitalen Firmenbesuche zur Laufzeit nicht mehr kompensiert werden. Das kann letztendlich zum Abbruch dieser Veranstaltung führen.

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Zur erfolgreichen Durchführung digitaler Firmenbesuche erhältst du drei Handlungsempfehlungen:

1. Plane und teste eine professionelle, skalierbare digitale Kommunikationsplattform

Die digitale Firmenpräsentation steht und fällt mit der Verfügbarkeit und Funktionalität der Kommunikationsplattform. Mittlerweile stehen eine Vielzahl kommerzieller Meetingsysteme zur Verfügung. Sie werden in der Unternehmenskommunikation, etwa für die Durchführung von Kundenveranstaltungen zur Präsentation von Produkten und Services bereits erfolgreich eingesetzt. Folgende Anforderungen sind dabei zwingend zu erfüllen, um einen erfolgreichen Firmenbesuch digital durchführen zu können:

  • Verfügbarkeit: Die technologische Verfügbarkeit der Plattform ist zum Zeitraum des Firmenbesuchs sicherzustellen. Dabei sind auch die notwendige Bandbreite zur Übertragung von Bild, Video und Ton sowie die Skalierbarkeit der Plattform hinsichtlich möglicher Teilnehmerzahlen zu berücksichtigen.
  • Beherrschbarkeit: Die sichere Beherrschung der Funktionen und Medien der Plattform soll sichergestellt sein. Erstmalige Gehversuche mit einer neuen digitalen Plattform direkt während der Veranstaltung sind nicht zu empfehlen. Ein Testlauf zur Aktivierung von Bild und Ton sowie der Einspielung von Videos oder der Präsentation von Unterlagen wird angeraten.
  • Erreichbarkeit: Die Plattform soll einfach durch die Zielgruppe erreichbar sein. Durch den Versand eines Links mit Direktzugang zur Plattform ist eine Voraussetzung erfüllt. Ideal und schnell erfolgt der Zugang dann, wenn die Zielgruppe ohne große Veränderung der eigenen Einstellungen Zugang zu den digitalen Inhalten erhält und auch selbst Kamera und Mikrophon für die Kommunikation einbinden kann.
  • Rechtmäßigkeit: Die gewählte Plattform hat die Funktionalität aufzuweisen, einschlägigen Anforderungen nach dem Datenschutz auch umsetzen zu können. Gerade die Speicherung von Daten der TeilnehmerInnen, die Aufnahme von Bild und Ton sind Aspekte, die nicht ohne Weiteres getätigt werden können.

Mit der Art und Weise wie ein Unternehmen die digitale Kommunikationsplattform zur Verfügung stellt und vorbereitet, repräsentiert es auch seine eigenen digitalen Kompetenzen. Funktionierende Mikrophone und Headsets modernerer Bauart und ohne Geräuschpegel, hochauflösende Kameras und aufgeräumte, professionelle Bildhintergründe stellen dabei Minimalanforderungen dar. Der verlässliche Einsatz modernster Software/ Hardware und das Arbeiten auf Distanz (Stichwort Homeoffice und Remote Teamwork) sind dabei für die Generation Z relevante Kriterien bei der Auswahl von Arbeitgebern.

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2. Bewerbe den digitalen Firmenbesuch in relevanten digitalen und sozialen Medien

Der digitale Firmenbesuch soll im Vorfeld auf jeden Fall auf der eigenen Firmenhomepage beworben werden. Zudem hat es sich bewährt, eine Ankündigung (einen so genannten Post) in passenden sozialen beruflichen Netzwerke wie Xing oder LinkedIn zu platzieren. Wichtig ist dabei, dass möglichst viele Angestellte über ein Profil im jeweiligen sozialen beruflichen Netzwerk verfügen und die Ankündigung unter ihren Kontakten teilen. So können noch mehr potenzielle InteressentInnen erreicht werden.

Im Nachgang zur Veranstaltung empfiehlt es sich einen kurzen Artikel über den Firmenbesuch zu verfassen. Dieser kann breit in den beruflichen sozialen Netzwerken geteilt werden. Sofern die Teilnehmenden des digitalen Firmenbesuchs damit einverstanden sind, wäre es auch sinnvoll diese im Post zu verlinken. Dies zeugt bereits von Wertschätzung für die potenziellen neuen KollegInnen. Denn es kommt dem Bedürfnis der Generation Z entgegen, ihre Erlebnisse für ihr Netzwerk darzustellen. Zudem wäre es ratsam, den Post mit passenden Stichwörtern (so genannten Hashtags), wie zum Beispiel ein Hashtag mit dem Unternehmensnamen, zu versehen. Dadurch lässt sich die Sichtbarkeit des eigenen Unternehmens für BewerberInnen der Generation Z erhöhen, wenn sie sich im Zuge des Recruitingprozesses auf sozialen Medien über das Unternehmen informieren.

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3. Gewähre einen authentischen Einblick in das Unternehmen

Da digitale Firmenbesuche kein persönliches Zusammentreffen im Sinne eines gegenseitigen „Anfassens und Fühlens“ ermöglichen, ist es umso wichtiger einen authentischen Einblick in das Unternehmen zu gewähren. Die nachfolgende Agenda vermittelt eine Vorstellung von geeigneten Inhalten und Zeitvorgaben.

Beispielsagenda: Digitale Firmenbesuche: 3 Tipps für das Recruiting der Generation Z

Die oben dargestellten Zeiten sind als Richtwerte zu verstehen. Allerdings hat sich gezeigt, dass digitale Firmenbesuche nicht länger als 60 Minuten dauern sollten. Nach Möglichkeit sollte die Geschäftsführung während des virtuellen Firmenbesuchs dauerhaft anwesend sein und nicht nur die Begrüßung und Verabschiedung übernehmen. So zeigt sie den TeilnehmerInnen, dass sie sich für ihre MitarbeiterInnen ernsthaft interessiert.

Maximilian Wolf, Stefan Ruf & Nils Herda
Prof. Dr. Maximilian Wolf  ist ein “akademischer Pionier“ im Bereich HR und Organisationsentwicklung. Seine Arbeit manifestiert sich durch den Bau tragfähiger Brücken, um Praxis und Hochschullehre auf dem praktikabelsten Weg miteinander zu verbinden. Als erfahrener Unternehmensberater und Coach involviert er Firmen in aktuelle Fragestellungen (z. B. Recruiting der Generation Z und agile Transformation von Unternehmen). Prof. Dr. Stefan Ruf lehrt, forscht und publiziert auf dem Gebiet der digitalen Transformation. Schwerpunkt dabei sind die digitale Wertschöpfung über Plattformen und Ökosysteme und die damit verbundene Automatisierung und Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Prof. Dr. Nils Herda lehrt, forscht und publiziert auf dem Gebiet der Wirtschaftsinformatik. Zudem ist er als strategischer Berater für IT-Strategieentwicklung, IT-Management und Digitalisierung im gehobenen Mittelstand tätig. In der Technologiewerkstatt Albstadt gibt er sein Wissen und seine Erfahrungen als Mentor an Start-ups weiter.

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