„Die Illusion der Unbesiegbarkeit“: Gründe für das Scheitern [Rezension]

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Bild: Adobe Stock | © Peruphotoart

Es gibt Geschichten, die die Menschen einfach gerne hören. Meistens sind es Erfolgsgeschichten, in denen sich der Underdog plötzlich von einem Tag auf den nächsten zur lebenden Unternehmerlegende aufschwingt – sei es das Garagen-Startup, das zum milliardenschweren Konzern expandiert; sei es der etwas introvertierte Programmierer, der in seinem stillen Kämmerlein die revolutionäre Software von morgen entwickelt. Wir kennen solche Geschichten, sie alle handeln vom raschen, glänzenden Aufstieg.

Doch es gibt auch andere Geschichten – und derer nicht wenige: Wer spricht heute beispielsweise noch von Nokia? Oder wer hätte damals auch nur ansatzweise mit dem Zusammenbruch von etablierten Wirtschaftsgiganten wie etwa Daimler oder Grundig gerechnet? Es sind Geschichten, in denen ausgerechnet auf den längst erreichten Zenit der fatale Niedergang folgte. In ihrem Buch „Die Illusion der Unbesiegbarkeit“ nehmen die Autoren Andreas Krebs und Paul Williams genau solche Fälle unter die Lupe und versuchen zu ergründen, warum unsere Manager von heute nicht klüger sind als die Incas vor 500 Jahren. Eine pikante These, zugegeben. Doch was steckt dahinter?

Inhalt: Von den Incas lernen

Ausgangspunkt aller im Buch angeführten Überlegungen ist eine Peru-Reise der Autoren gewesen. Dort kamen sie während einer Führung erstmals mit der Geschichte der Incas in Berührung und erfuhren, wie ein in knapp 100 Jahren errichtetes Imperium binnen kürzester Zeit unterging. Ein zweifellos interessantes und nur auf den ersten Blick ungewöhnliches Thema aus Management-Perspektive, zumal die Incas unter ihren damaligen technischen Voraussetzungen vieles richtig gemacht haben – und dennoch zum Scheitern verurteilt waren.

„Die Incas halten uns einen Spiegel vor. Sie sind uns fremd – und doch verblüffend nah.“

Die unmissverständliche Meinung der Autoren: Trotz der 500 Jahre, die uns heute von den Incas trennen, stehen unsere Manager vor ähnlichen Herausforderungen wie damals und begehen teilweise dieselben Fehler: Egomanie, Einzelinteressen der Mächtigen, Nepotismus und viele mehr. Die Geschichte der Incas ist eine Erfolgsgeschichte par excellence, aber sie ist zugleich eine Geschichte des unverhofften Scheiterns, die uns vieles lehren kann. Es geht um die zentralen Fragen:

  • Was ist wirklich entscheidend, wenn Führungskräfte Unternehmen auf Erfolgskurs halten wollen?
  • Wie können Bedrohungen für ein funktionierendes System frühzeitig erkannt werden?
  • Liegt womöglich in jedem herausragenden Aufstieg schon die Gefahr des Scheiterns?

EXTRA: Im Unternehmen aus Fehlern lernen: 6 hilfreiche Strategien

Diese „historische Perspektive“, wie sie die Autoren selbst bezeichnen, soll das klassische Führungswissen gewinnbringend ergänzen, indem sie nicht ausschließlich den Gegenwartsbezug sucht, sondern allgemeine Prinzipien von Aufstieg und Fall anhand zeitübergreifender Beispiel offenlegt. Dabei dient der Inca-Bezug den Autoren vornehmlich als Anstoß und Grundlage für weitere Überlegungen, die jederzeit auf die Unternehmenspraxis von heute anwendbar sind.

Aufbau: Dem Unternehmens(miss)erfolg auf der Spur

Das Buch beginnt mit einem kurzen Vorwort und der einleitenden Geschichte, wie es überhaupt zu diesem Werk gekommen ist: die Peru-Reise. Nach einem kurzen Blick in die Fortune 500, eine Liste der umsatzstärksten Unternehmen, gliedert sich das Buch in 8 nummerierte Kapitel – ein jedes davon mit 3 bis 6 Unterkapiteln, die den jeweiligen Themenkomplex unter verschiedenen Ansatzpunkten aufgreifen. Die Kapitel lauten wie folgt:

  1. Eine fesselnde Vision – oder organisierte Überforderung?
  2. Talent vor Seniorität – oder mit Mittelmaß in die Mittelmäßigkeit?
  3. Erfolg durch andere – oder Leader-Shit?
  4. Fair Play – oder Werte Kulissen?
  5. Die wahren Gegner bekämpfen – oder Nebenkriegsschauplätze eröffnen?
  6. Eine weitsichtige M&A-Strategie – oder ein Millionengrab?
  7. Urteilskraft – Look Who’s Telling the Story!
  8. Ego schlägt Sache – für wen und was tue ich es?

Wie ein Rahmen fungiert dabei die Geschichte der Incas, auf die immer wieder Bezug genommen wird, um die gewünschten Parallelen zur Gegenwart zu ziehen. Während die Autoren auf der Suche nach Antworten teilweise auf ihre eigene Management-Erfahrung zurückgreifen, kommen auch etliche Interviewpartner mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zu Wort und berichten aus ihrem spezifischen Blickwinkel.

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Der Verständlichkeit und Lesbarkeit des Buches kommt weiterhin zugute, dass am Ende eines jeden Kapitels ein sogenannter „Inca-Impuls“ wartet, der das Wichtigste noch einmal knapp und prägnant zusammenfasst. Außerdem wird der Fließtext stellenweise immer wieder von Grafiken und Checklisten aufgelockert, die dem Leser darüber hinaus einen schönen Mehrwert bieten.

Der Hauptteil des Buches schließt mit einem Epilog, in dem Dr. Max Hernandez – er selbst eine wichtige peruanische Persönlichkeit und Gesprächspartner der beiden Autoren – in englischer Sprache dankend das Wort ergreift, was dem ganzen Werk nochmals einen authentischen Anstrich verleiht. Im Anhang sind ein Personen- und Stichwortverzeichnis sowie Informationen über die Interviewpartner und Autoren zu finden.

Preis & Information

Die Illusion der Unbesiegbarkeit: Warum Manager nicht klüger sind als die Incas vor 500 Jahren

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: GABAL, 19. Januar 2018
Preis: 29,90 €

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Fazit: Eine ganz besondere Führungslektüre?

Bereits beim ersten Durchblättern des Buches wird dem Leser klar, dass die Autoren sowohl bei ihrer Recherche zur Inca-Kultur als auch bei der Ausarbeitung ihrer Praxisratschläge mit größter Sorgfalt vorgegangen sind. Das vermittelte Wissen wirkt zu jedem Zeitpunkt fundiert. Die Sprache ist durchgehend ansprechend, manchmal auch humorvoll, und das Buch im Gesamten übersichtlich gestaltet.

Mit der doppelten Perspektive – der historischen auf die Incas einerseits und der gegenwärtigen aus der Management-Praxis andererseits – gelingt den Autoren ein ganz besonderer Beitrag zu aktuellen Fragen und Problemen rund um das Thema Unternehmensführung. Wieso? Weil er neue Verknüpfungen schafft und vor allem Weitblick beweist. Die Autoren zeigen: Der Blick in die Vergangenheit lohnt – mitunter noch mehr als der starre Fokus auf das Hier und Jetzt.

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Über die Autoren

Andreas Krebs hat bis 2010 in internationalen Führungspositionen für die Bayer AG und die Wyeth Corporation gearbeitet, zuletzt als Konzernvorstand in den USA, mit über 8000 Mitarbeitern in 96 Ländern. Er ist Vorsitzender des Fördervereins Girassol e.V., der sich für minderbemittelte Kinder und Jugendliche in Sao Paulo/Brasilien engagiert.

Paul Williams führt seit 2003 ein Beratungsunternehmen mit den Schwerpunkten Leadership Coaching, Selbstmanagement, Management-Diagnostik und Organisationsentwicklung. Für die Bayer AG war der Naturwissenschaftler und gebürtige Engländer im internationalen Vertrieb, im Marketing und im General Management in Australasien, den USA, Nahost und Afrika tätig.

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