„Kick off“: Die Organisation der Zukunft [Rezension]

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Wenn es im Team-Meeting irgendwann nur noch darum geht, seine „Zuständigkeiten zu verteidigen“, „Positionen abzustecken“ oder um jeden Preis „aufzurüsten“, lässt sich nicht mehr leugnen, dass der Drang nach zeitbedingter Umstrukturierung und Neuorganisation vor allem eines ausgelöst hat: Unsicherheit und Unordnung. Ein solches Szenario schildert Markus Baumanns in seinem Buch „Kick-off“ sehr bildhaft und verweist zugleich auf die Missstände, die die Realität vieler heutiger Unternehmen beherrschen. Er weiß um das große Potenzial, das in der neuen Arbeitswelt steckt, – aber auch um das Risiko.

Inhalt: Organisation als Netzwerk und Organismus

Wir sind langsam geworden – zu langsam für die Geschwindigkeit, mit der sich Märkte entwickeln.

Doch woran liegt das? Ein wesentliches Hindernis sieht der Autor in festgefahrenen, steifen Prozessen, darunter vor allem endlose Meetingmarathons und Abstimmungsschleifen, die seiner Meinung nach längst zu der Welt von gestern gehören. Diese Einteilung in die alte und neue Welt nimmt er bewusst vor. Am Beispiel eines fiktiven Unternehmens argumentiert er Schritt für Schritt, weshalb hierarchische Strukturen in dieser neuen, digitalen Welt langfristig gesehen nicht mehr funktionieren werden. Und vor allem: wie die Transformation zu einer auf Selbstdisziplin und Eigenverantwortung fußenden Organisation gelingen kann – eine Organisation, die vielmehr einem dynamischen, lebenden Organismus gleicht als einem Gefängnis.

EXTRA: Digitale & agile Arbeit – Was macht Unternehmen effizient?

„Das Buch ist kein Ratgeber, sondern eine Entdeckungsreise“, heißt es gleich zu Beginn. Damit will es vornehmlich Denkanstöße und Inspirationen liefern, anstatt den Irrglauben weiterzutragen, es bedürfe einer in Stein gemeißelten Organisationslösung, um ein produktives Miteinander zu gewährleisten. So sieht der Autor das Problem gerade nicht im Fehlen einer solchen, sondern in der mangelnden Fähigkeit zur übergreifenden Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern und Abteilungen.

Genau hier setzt das Buch an: Ähnlich wie in einem Roman begleitet der Leser die Protagonisten des fiktiven Unternehmens auf ihrem Weg der Transformation, über den er am Ende idealerweise sein eigenes Urteil fällt. Auf dieser Reise erwarten ihn:

  • Case Studies
  • Interviewpartner
  • aussagekräftige Zitate
  • Erfahrungen mit neuen Organisationsformen
  • praktikable Anregungen und Checklisten

Sprache: Sprachmuster der alten und neuen Welt

Ein wesentliches Anliegen des Buches besteht darin, die martialischen Sprachmuster der alten Welt aufzudecken und sie durch ein neues Vokabular in unseren Organisationen zu ersetzen.

Hinter der Sprache steckt ein Muster. Es ist das Sprachmuster des Krieges, der Abgrenzung, des Misstrauens, der Verantwortungslosigkeit und Geringschätzung.

Der Autor beruft sich dabei auf (sprach-)wissenschaftliche Erkenntnisse, die belegen, dass hinter ausgesprochenen Worten und Ideen immer auch bestimmte Denk- und Verhaltensmuster stecken, die von der Sprache wiederum geprägt und gefestigt werden. Nicht zufällig setzt das Buch wohl auf so viele ausführliche Erzählpassagen, die mit Dialogen und wörtlicher Rede gespickt sind. Der Leser soll aufgerüttelt werden und erkennen, dass die im Buch beschriebenen Zustände zwar frei erfunden sein mögen, jedoch keineswegs fern der Realität sind.

Preis & Information

Kick-off: Auf Entdeckungsreise zur Organisation der Zukunft

Gebundene Ausgabe: 215 Seiten
Verlag: Haufe, 12. April 2019
Preis: 19,95 €

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Aufbau: Erkennen, Nachdenken, Tun

Das Buch ist in 4 Hauptkapitel untergliedert. Nach einer kurzen Einführung, was den Leser auf den folgenden Seiten erwartet, folgt zunächst der Befund, der den Leser für die Missstände in heutigen Organisationen sensibilisieren soll. Daran schließt die Diagnose, auf deren Basis eine neue Sprache in Organisationen gelehrt werden soll, für die es im Buch extra eine doppelseitige Vokabelsammlung mit ersten Übersetzungsvorschlägen gibt.

Das dritte Kapitel besteht aus zwei Teilen: Zunächst werden Anstöße für die Praxis gegeben und anschließend die ersten Schritte der Transformation behandelt. Am Ende erhält der Leser einen Leitfaden, der als gedankliche Stütze für Transformationsgestalter dienen soll. Ein Epilog gewährt abschließend noch Einblicke in neue Organisationsformen, die bereits Anwendung gefunden haben bzw. finden. Vor- und Nachteile werden dabei genauer untersucht. Das Buch schließt mit einem Literaturverzeichnis, einer Danksagung und einer kurzen Info über den Autor.

Fazit: Mut für die Reise ins Ungewisse

„Experimentieren, Lernen und Vorantasten“ – genau dafür plädiert dieses Buch. Es verzichtet auf eine krampfhafte Suche nach einer allgemeingültigen Lösung, die vielleicht in 3 Jahren schon wieder obsolet sein wird. Wer kann das schon wissen? Der Grad an Komplexität ist allein in den letzten paar Jahren derart angestiegen, dass kein fester Organisationsrahmen für längere Zeit Bestand verspricht. Stattdessen, so schlussfolgert der Autor, bietet es sich an, in der Biologie nach einer Lösung zu suchen: nach einem dynamischen Organismus, der in sich zwar geschlossen ist, sich aber gleichzeitig harmonisch mit seiner Umwelt weiterentwickelt.

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Über den Autor

Markus Baumanns ist Unternehmer, Unternehmensberater, Bestsellerautor und gefragter Vortragsredner. Er hat im Laufe seiner internationalen Karriere zwei erfolgreiche Unternehmen, zwei Eliteuniversitäten und zwei renommierte Stiftungen und Think Tanks konzipiert, gegründet und operativ verantwortet.

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