Balance ist keine Religion! Das Diktat der Work-Life-Balance

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Work-Life-Balance: So findest du Gleichgewicht im Arbeitsalltag
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Dreizehn Stunden arbeiten, immer on demand erreichbar, perfekte Partnerschaft,
ständig ein offenes Ohr für die Kinder, Feiern mit FreundInnen, Work-out dreimal pro Woche, Meditieren in der glänzend sauberen Wohnung nicht vergessen. Das sind die Mindestanforderungen an Work-Life-Balance, vielfach suggeriert. Und alles perfekt bitte!

Man fühlt sich in die Pflicht genommen und trägt zur selben Zeit ein schlechtes Gewissen mit sich herum. Schließlich will man dazugehören, und als Trantüte wahrgenommen zu werden, ist auch nicht lecker. Doch es gibt coole Alternativen für ein besseres Leben.

Um dieses Konzept „Balance zwischen Beruf und dem Rest des Lebens“ hat sich eine Industrie positioniert, die vorgibt, es uns leichter zu machen, allem gerecht zu werden. Sportlich betätigen: Ja, aber unbedingt im angesagten Schweiß absorbierenden Outfit; Beim Radfahren an die besten Radlager denken, sonst verbraucht man zu viel Energie. Meditieren stilvoll mit der neuesten Mode. Freizeit genießen mit dem Getränk von…

Die Werbung zeigt uns eine Work-Life-Balance auf: Von Arbeit über Besinnung zur Familie hetzen, um sich nach dem Sport am Abend noch mit FreundInnen zu treffen. Selbstverständlich mit reichlich Konsum in jeder Rolle und bei jeder Tätigkeit. Alles leicht, alles schnell, immer mit einem Lachen im Gesicht und jedes Jahr um ein halbes Jahr jünger aussehend.

»Alles leicht, alles schnell. Immer mit einem Lachen im Gesicht.«

Fühl dich nicht verpflichtet

Alle wissen, dass das unrealistisch ist, doch viele leiten aus den grandiosen Vorstellungen Erwartungen an sich selbst ab. Und sie scheitern grandios. Willst du das? Hoffentlich nicht. Brauchst du das? Wahrscheinlich auch nicht. Also: Fühl dich nicht verpflichtet!

Viele Idealvorstellungen und schöne Angebote warten auf dich. Nimm sie an, soweit du persönlich es willst. Lass dich dabei nicht drängen. Gut ist es, wenn du weißt, was dir selbst besonders wichtig ist. Welche Werte prägen dich? Wofür brennst du? Was willst du vermeiden? Welche Ziele verfolgst du? Je besser du diese Fragen beantworten kannst, desto schneller kannst du eine Entscheidung treffen, welche Prioritäten du setzt. Prioritäten zu setzen ist nämlich das aller wichtigste Geheimnis für eine gelungene Work-Life-Balance.

Mit diesen Fragen setzt du die richtigen Prioritäten für deine Work-Life-Balance

  • Welche Werte prägen dich?
  • Wofür brennst du?
  • Was willst du vermeiden?
  • Welche Ziele verfolgst du?

Zuviel Balance ist dunkelgrau

Mach dir außerdem klar, dass Balance nicht gleichzusetzen ist mit Stillstand, sondern mit einem ungefähr ausgewogenen Auf und Ab. Je mehr du versuchst, das Auf und Ab zu mildern, desto gleichförmiger wird dein Alltag ablaufen. Schnell wird sich Langeweile ausbreiten, und dein Leben wird dunkelgraue Bilder malen. Um zu existieren, mag das genug sein – aber um zu leben? Ohne Schatten kein Licht und ohne Trauer keine Freude. Gegensätze gehören untrennbar zueinander und bedingen sich gegenseitig. Wie willst du aufsteigen, wenn es keinen Abstieg gibt? Wie willst du Momente des Spaßes genießen, wenn du andere Zustände gar nicht kennst?

Kontraste machen dein Leben interessant, sie sind wie das Salz in der Suppe. Und spannend wird dein Leben erst, wenn du unterschiedlich starke Kontraste zulässt.
Der Faktor Zufall ist außerdem für so manche Überraschung gut und daher willkommen. So entstehen die Schwankungen, dieses Auf und Ab, was dazu beiträgt, dass du dich spürst und wahrnimmst.

Stress macht Spaß

Ein spannendes Fußballspiel erzeugt bei den ZuschauerInnen wechselnde Gefühle: Von Enttäuschung, wenn der Ball über das Tor hinwegfliegt, bis zu überschäumender
Freude, wenn deine Mannschaft ein Tor erzielt. Ähnlich verhält es sich bei Bungee Jumping, wenn du oben stehst und springen sollst. Purer Stress im Grunde genommen. Springst du nicht, bist du enttäuscht. Bist du gesprungen, flutet dich innerhalb von Augenblicken das Gefühl der Freude. Du siehst: Es gibt Formen von Stress, die sind ein Riesenspaß!

Daher ist es nicht sinnvoll, jeden Stress zu vermeiden. Vermeide lediglich den negativen Stress. Dieser entsteht etwa durch:

  • Neid
  • starke Überforderung
  • nicht ausgestandene Konflikte
  • chronische Überlastung, die auf Dauer krank macht.

Ein gesundes Maß an Ehrgeiz, an sportlichem Wettkampf, an Vorwärts Streben und Ziel Orientierung sind dagegen gut für dich. Damit nimmst du nämlich dein Leben in deine Hände und führst es aktiv. Du bist dann nicht Opfer, sondern Gestalter deines eigenen Seins. Du entscheidest für dich selbst und wirst nicht von anderen dirigiert. Du bestimmst, was geht und was nicht, wie stark sich die Ausschläge auf deiner Waage der Lebensbalance zeigen. Diese Selbst Wirksamkeit ist es, die dich zum Kapitän deines Lebens macht.

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Work-Life-Balance ist keine Religion

Lass dich nicht dazu bringen, Work-Life-Balance über alles andere zu erheben. Sie ist nicht das ultimative Maß. Perfektionismus ist ohnehin ein Feind von Balance – und ein Diktat erzeugt allenfalls das Gegenteil. Höre stattdessen lieber auf dich selbst.

Konflikte lassen sich auch nicht immer vermeiden und können deine Balance zunächst stören. Das mögen Zielkonflikte sein, Konflikte mit anderen Personen, Wertekonflikte. Oftmals ist es besser, Konflikte anzugehen und auszutragen, denn das bringt am Ende Klarheit. Logisch ist, dass während der Klärungsphase von Konflikten Balance zu halten meist unrealistisch erscheint.

Im Lauf der Zeit erlebst du Phasen voll Balance und andere von Chaos geprägt. Das ist das Leben. Der Wunsch nach einem relativen Ausgleich zwischen den verschiedenen Lebensbereichen bringt eine gute Richtschnur für deine Zielsetzung und dein Handeln. Mehr nicht. Erstrebenswert bleibt Work-Life-Balance, ganz nach deinen eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen, allemal.

Bianca Koch
Bianca Koch ist Inhaberin der Ressourcenschmiede. Seit 2011 begleitet sie als Coach und Trainerin Führungskräfte und Unternehmer mit den Themen Ziel- und Erfolgsorientierung, Persönlichkeitsentwicklung und Kommunikation. Neben einem selbstentwickelten Ressourcenfokussierten Coaching nutzt Koch schwerpunktmäßig Methoden des Hypnosecoachings. Über Wirkungsweise und Einsatzmöglichkeiten von Hypnose im Unternehmensumfeld hat sie zahlreiche Fachartikel veröffentlicht.

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