Erfolgreiche Arbeitsbeziehung erkennen: überraschendes Anzeichen

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Erfolgreiche Arbeitsbeziehung erkennen überraschendes Anzeichen
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In diesem Artikel stellen wir dir eine Studie über erfolgreiche Beziehungen vor und wenden diese auf Arbeitsbeziehungen an. Warum? Eine Arbeitsbeziehung hat viele Gemeinsamkeiten mit einer romantischen Beziehung.

Es gibt viele Studien über romantische Beziehungen, aber nur wenige Längsschnittuntersuchungen: solche, die einen langen Zeitraum betrachten, um zu sehen, welche der Paare noch zusammen sind. Die bedeutendste dieser Studien fand einen gemeinsamen Faktor in Beziehungen, die den Test der Zeit überstanden haben. Diese Studie und ihre Ergebnisse haben auch Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Das Geheimnis für lange und glückliche Beziehungen ist bei der Arbeit und zu Hause das gleiche. Hier erfährst du, was die Forschung sagt.

Die Love Lab Studie

John Gottman begann seine Forschungen 1986, als er das „Love Lab“ einrichtete. Dort lud er Paare ein und schloss sie an Elektroden an, während er ihnen eine Reihe von Fragen stellte. Die Paare saßen dabei nebeneinander. Nach der Befragung kennzeichnete er sie heimlich als glücklich oder unglücklich. Er fand heraus, dass die Glücklichen nach sechs Jahren immer noch glücklich zusammen waren. Die Unglücklichen hatten sich entweder getrennt oder waren sehr unglücklich in der gleichen Beziehung.

Als die Daten ausgewertet wurden, war die Ursache klar: Physiologie. Die Art und Weise, wie Menschen auf einer biologischen Ebene funktionieren. Die Paare, die zusammenblieben, die Glücklichen, waren entspannt im Umgang miteinander. Ihre Cortisolwerte waren bei der Interaktion niedrig, was sich in Gefühlen der Verbundenheit, des Komforts und des Vertrauens ausdrückte; die Grundlage ihrer Beziehung. Die Studie fand heraus, dass diese Paare selbst dann, wenn sie sich stritten, warmes und liebevolles Verhalten zeigten.

Die Unglücklichen hatten eine andere Geschichte. Die Daten ihrer Elektroden zeigten, dass sie, auch wenn sie gelassen aussahen, regelmäßig im Kampf- oder Fluchtmodus waren. Sie:

  • fühlten sich gereizt
  • hatten, vielleicht unbewusst, das Gefühl, jeden Moment angegriffen zu werden, und sie griffen im Gegenzug an
  • konnten sich in ihrer Umgebung nicht entspannen, weil sie sich vielleicht plötzlich verteidigen oder schnell eine Antwort überlegen mussten

Das bedeutete, dass ihr Cortisolspiegel und ihre Ruheherzfrequenz den ganzen Tag über erhöht waren, was weiteren Ärger verursachte.

Zwei Menschen, die sich regelmäßig gegenseitig in den Kampf- oder Fluchtmodus versetzen, sind für keine Beziehung tragfähig: weder für eine romantische noch für eine andere. Die Paare, als sie sich trennten, verspürten eventuell eine Welle der Erleichterung; als ob sie frei wären. Denke an die Paare, die du kennst und die scheinbar immer aufeinander losgehen. Gottman würde sie als unglücklich bezeichnen.

Was bedeutet das für die Arbeit?

Die Studie kann in einen Arbeitskontext übersetzt werden. Wie können Führungskräfte eine lange und glückliche Arbeitsbeziehung pflegen? Es bedeutet nicht, dass man die Menschen nervös macht und sie dazu bringt, den ganzen Tag im Kampf- oder Fluchtmodus zu bleiben.

Die Aufgabe einer Führungskraft ist es, die Menschen zu beruhigen, damit sie ihre beste Arbeit leisten können

Führungskräfte sollten nicht den Raum mit ihrem stürmischen Auftreten verdunkeln.

Arbeitest du in einem Großraumbüro und wirst ständig gestört? Dann sei auf die nächste Störung gefasst und bereit. Werden in deinem Unternehmen Besprechungen als „dringend“ bezeichnet oder wütende E-Mails intern herumgeschickt? Dann hast du wahrscheinlich einen höheren Cortisolspiegel. Hältst du dich in der Nähe von unberechenbaren Menschen auf? Das kann dich in einen anderen Gemütszustand versetzen und dazu führen, dass du noch wütender wirst.

Am Anfang ist es vielleicht aufregend:

  • Niederschmetternde Tiefs und aufregende Höhen
  • Dringende Anrufe
  • Schreiende Befehle
  • Hohe Einsätze

Aber ständig auf der Hut zu sein, Angst zu haben, Fehler zu machen oder lächerlich gemacht zu werden, raubt Leidenschaft und Kreativität. Das ist auf Dauer nicht tragbar, und es gibt einen Weg, ohne es auszukommen.

Was kannst du für eine gute Arbeitsbeziehung tun?

Versuche deine MitarbeiterInnen zu beruhigen und nicht zu nervös zu machen.

Setze deine Grenzen und respektiere die Grenzen der anderen.

Frage dich zudem: Ist es wirklich dringend? Großbuchstaben, das Wort „dringend“, die Phrase „ASAP“ und hektische Gespräche bewirken vielleicht das Gegenteil deiner Absicht. Gib konstruktive Kritik unter vier Augen, nicht in einem Raum voller Menschen.

Wenn Teams auf der gleichen Seite sind, gedeihen sie. Wenn einzelne Personen wissen, was erwartet wird und welche Rolle sie dabei spielen, sind sie in der Lage, ihre beste Arbeit zu leisten. Es liegt dann in ihren Händen, ob sie es tun.

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Die fiktive Figur Mary Poppins war „freundlich, aber extrem hart“. Mr. Burns von den Simpsons „wendet eine unerbittliche und rücksichtslose Taktik an, um zu bekommen, was er will“. Für wen würdest du lieber arbeiten? Welches Auftreten würde dein bestes Selbst hervorbringen? Welche Arbeitsbeziehung möchtest du führen?

Der Cortisolspiegel und die Ruheherzfrequenz, wenn man Zeit in der Gesellschaft des anderen verbringt, ist der Unterschied zwischen Beziehungen, die gedeihen, und solchen, die nicht überleben. Die Anwendung der Studie auf Arbeitsbeziehungen kann deren Dauer verlängern und sie auf Erfolg ausrichten.

Dieser Artikel wurde von Jodie Cook auf Englisch verfasst und am 03. Februar 2021 auf www.forbes.com veröffentlicht. Wir haben ihn für euch übersetzt, damit wir uns mit unseren LeserInnen zu relevanten Themen austauschen können.

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