Gestaltgesetze: Woran erkenne ich gutes Design?

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Gestaltgesetze: Woran erkenne ich gutes Design?
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Was ist dir an einen Produkt wichtig und worauf achtest du vor einer Kaufentscheidung? Etwa auf die Leistung, Qualität oder Inhaltsstoffe? Dies ist ein Trugschluss! Zuerst nehmen wir das Design eines Produktes wahr. Ohne ein ansprechendes Design, verkauft sich ein Produkt nicht oder nur schlecht. Folglich ist Design ein wichtiger Bestandteil des unternehmerischen Erfolgs.

Doch worauf solltest du achten, wenn du ein ansprechendes und zeitgenössisches Design gestalten möchtest? In diesem Artikel erfährst du mehr über die Gestaltpsychologie und wie sie dir für dein Design helfen kann.

Die Gestaltpsychologie

Gestaltpsychologen formulierten die Gestaltgesetze anhand ihrer Erkenntnisse zur Wahrnehmung. Diese Gesetze zeigen die Prinzipien der Wahrnehmung von ganzen Gestalten auf. Gründer der Bewegung waren die Studenten Max Wertheimer, Wolfgang Köhler und Kurt Koffka.

Gemäß der Gestaltpsychologie versucht das Individuum aufgrund eines inneren Gestaltungsdrucks die aufkommenden Stimuli aktiv zu ordnen und zu organisieren. In diesem Prozess sind die Eigenschaften des Reizmaterials sowie die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten integriert.

Das bedeutet: Jede menschliche Wahrnehmung kann als Einheit verstanden werden. Damit man die Wahrnehmung besser versteht, muss man die Einzelteile betrachten, welche das Ganze bilden. Als Beispiel hierfür zählen manche Gemälde von Minimalisten, welche auf den Betrachter zunächst gleichförmig wirken. Bei längerer Betrachtung versucht der Beobachter allerdings eine Form zu erkennen.

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6 Gestaltgesetze der Wahrnehmung

Die Gesetze, welche aus der Gestaltpsychologie entstammen, lassen sich insbesondere auf das Webdesign übertragen. Die sechs wichtigsten Gestaltgesetze sind:

  1. Gesetz der Prägnanz: von etwaig erkennbaren Anordnungen wird immer die simpelste und gleichförmigste Gestalt erkannt.
  2. Gesetz der Nähe: Die Wahrscheinlichkeit einer Wahrnehmung wird über die räumliche und zeitliche Nähe der einzelnen Strukturen bestimmt.
  3. Gesetz der Ähnlichkeit: Elemente, welche in Farbe, Form, etc. gleichartig sind, werden wahrscheinlicher als Gestalt wahrgenommen.
  4. Gesetz der Einfachheit, Doppelheit: Mögliche Strukturen werden als möglichst einfach organisierte harmonische Objekte erkannt.
  5. Gesetz der Geschlossenheit: Die Gestaltwahrnehmung ist nicht frei von Fehlern. Beispielsweise werden offene Kreise gleichwohl als Kreisfigur gesehen.
  6. Gesetz der gemeinsamen Richtung: Tendenzen werden geglättet. Zur graphischen Verdeutlichung der Gestaltgesetze dient die folgende Abbildung.

Die folgende Abbildung zeigt die Gestaltgesetze beispielhaft auf.

Beispielhafte Ausarbeitung von Gestaltgesetzen
Beispielhafte Ausarbeitung von Gestaltgesetzen

Um einen Wecker auf deinem Handy zu aktivieren, swipst du automatisch von links nach rechts. Wieso jedoch nicht umgekehrt?

Neben den Gestaltgesetzen spielen Kultur und Umwelteinflüsse eine Rolle für unsere Wahrnehmung. Beispielsweise verläuft die Schreibrichtung in der westlichen Welt von links nach rechts und diese Tatsache spielt auch für das Design der Weckeruhr eine entscheidende Rolle.

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Die folgende Abbildung zeigt einen aktivierten und einen ausgeschalteten Handywecker. Das Design wurde folglich an die westliche Schreibrichtung und die Gewohnheiten dieser BenutzerInnen angepasst.

Gestaltgesetze: Weckerdesign
© screenshot

Ob im Webdesign, in Gemälden oder im Alltag: Gestaltgesetze finden überall ihren Ausdruck.

Passe das Design den Bedürfnissen deiner KäuferInnen an, um die Benutzererfahrung zu verbessern.

Frederike Engelhardt
Frederike Engelhardt absolviert ein duales Studium bei unternehmer.de

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