Was versteckt sich im Subtext einer Stellenanzeige?

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Auf dem Weg zum lang ersehnten Traumjob erwarten den Bewerber bekanntlich zahlreiche Hindernisse – und auch wenn es im ersten Moment vielleicht komisch klingen mag, kann schon die Stellenanzeige selbst zu einer schier unüberwindbaren Hürde werden. Der Grund dafür:

In einem Großteil dieser Jobbeschreibungen finden sich diverse Fachbegriffe, komplizierte Umschreibungen oder auch englische Bezeichnungen, die häufig einen speziellen Subtext und zusätzliche Informationen enthalten.

Diese zu verstehen, kann zum Teil jedoch recht schwierig sein – was im schlimmsten Fall dazu führen kann, dass man sich die Chancen auf den Job verbaut. Da stellt sich verständlicherweise die Frage, wie sich diese versteckten Hinweise am besten entschlüsseln lassen.

Wer in letzter Zeit auf der Suche nach einem neuen Job war, wird sich vermutlich schon häufiger gefragt haben, warum die Stellenanzeigen heutzutage mit Fachbegriffen und Anglizismen nur so übersät sind. Da ist zum Beispiel die Rede von einem Facility Maintenance Manager, der sich in einem dynamischen Umfeld operativ um die Performance der Construction Staff kümmern soll.

Was nach einer vermeintlichen Führungsposition im gehobenen Management klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen jedoch schnell als einfacher Hausmeister-Posten.

Und dann wäre da noch der Content Strategist, der in hohem Maße belastbar sein muss, um in einem aufstrebenden Umfeld als High Performer brillieren zu können. Aber auch hier handelt es sich nicht etwa um eine Stelle als Abteilungsleiter in einem hippen Start-up, sondern eher um einen Recherche-Praktikanten, für den 10-Stunden-Tage zur Normalität gehören sollten. Wie soll man da denn überhaupt noch durchblicken?

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So funktionieren moderne Stellenanzeigen

Bevor man seine Bewerbungen an die jeweiligen Unternehmen schickt, sollte man sich sicher sein, dass die eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse auch tatsächlich zu dem Anforderungsprofil der Firma passen. Dafür ist es jedoch immer häufiger notwendig, zwischen den Zeilen zu lesen und die zum Teil recht komplizierten Formulierungen zu erkennen und zu verstehen. Hierbei kann es bereits helfen, wenn man die Stellenanzeige in Abschnitte unterteilt und die jeweiligen Blöcke nacheinander genauer unter die Lupe nimmt. Um diese Herangehensweise zu erläutern, verwenden wir zum besseren Verständnis das nun folgende Beispiel:

1. Die Firmenpräsentation

In den meisten Jobanzeigen stellt sich das Unternehmen im ersten Abschnitt zunächst selbst dar. So erfährt der Bewerber unter anderem, in welcher Stadt und in welcher Branche die Firma tätig ist. Allerdings verwenden viele Unternehmen diese Darstellung als eine Art Werbeplattform, um sich bei der Suche nach Fachkräften von der Konkurrenz abzuheben – beispielsweise durch Sätze wie „Unsere Firma ist europa- und weltweit führend“. Das klingt im Grunde nicht schlecht, denn wer möchte nicht gerne in einer großen und bekannten Firma arbeiten. Doch für den Bewerber bedeutet diese Formulierung vor allem, dass man sich ohne fundierte Kenntnis der englischen Sprache eigentlich gar nicht erst bewerben braucht.

2. Die Stellenbeschreibung

Wie eingangs bereits erwähnt, nutzen immer mehr Firmen komplizierte Beschreibungen – meist in Verbindung mit englischen Fachbegriffen, weil diese schicker und moderner klingen. Hier gilt der Grundsatz: Bloß nicht verunsichern lassen. Schließlich ist es absolut keine Schande, wenn man den einen oder anderen Begriff im Internet recherchieren muss. Denn nicht jeder erfolgreiche Makler weiß automatisch auch, dass er als Space Consultant keine Arbeiten im Weltraum erledigen muss, sondern tatsächlich mit Immobilien zu tun haben wird.

3. Das Anforderungsprofil

Im nächsten und zugleich wichtigsten Abschnitt geht es um die geforderten Qualifikationen. Mittlerweile sprechen die Firmen hier von den sogenannten Hard Skills.

  • Beginnt ein Satz beispielsweise mit den Worten „Wir erwarten, dass…“ bedeutet das für den Bewerber, dass die nachfolgenden Anforderungen definitiv erfüllt werden müssen.
  • Bei Umschreibungen wie „Es wäre von Vorteil, wenn…“ handelt es sich hingegen um wünschenswerte Qualifikationen, die nicht zwangsläufig entscheidend sind.

Zudem kann es hin und wieder vorkommen, dass Unternehmen eine eierlegende Wollmilchsau suchen, was sich zum Beispiel daran erkennen lässt, dass ein abgeschlossenes Studium, viele Jahre Berufs- und Auslandserfahrungen sowie eine hohe Belastbarkeit vorausgesetzt werden – und das bei einem maximalen Eintrittsalter von Anfang 20. In solchen Fällen sollte man sich gut überlegen, ob man sich tatsächlich auf diesen Job bewerben möchte und dem damit verbundenen Druck und Stress gewachsen ist.

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4. Weitere Informationen zum Job und die Kontaktdaten

Der letzte Abschnitt dreht sich unter anderem um das nächstmögliche Eintrittsdatum, die potenziellen Verdienstmöglichkeiten, Arbeitszeiten und die vom Unternehmen gewünschte Bewerbungsform. Und da laut den Karriere-Experten der Wirtschaftswoche häufig zu schlecht oder zu schwammig formuliert wird, ist es auch hier wichtig, zwischen den Zeilen zu lesen. Ist zum Beispiel die Rede von „Flexibilität bei den Arbeitszeiten“, kann man davon ausgehen, dass die Arbeitswoche eher 50 als 40 Stunden haben wird. Zudem sollte man sich exakt an die Kontaktvorgaben halten, sprich: Die Bewerbung ausschließlich an den genannten Ansprechpartner schicken und zwar in der Form, wie es von dem Unternehmen gewünscht wird (zum Beispiel nur per E-Mail). Andernfalls muss man nämlich damit rechnen, dass die Unterlagen ungeöffnet zurückgeschickt werden.

Fazit: Stellenanzeigen gründlich lesen

Abschließend lässt sich sagen, dass Stellenanzeigen heutzutage viel gründlicher gelesen werden müssen, als es noch vor einigen Jahren der Fall war. Denn nur wer sich sicher ist, dass die eigenen Qualifikationen auch tatsächlich zu den Anforderungen des jeweiligen Unternehmens passen, erspart sich unnötigen Stress und die Angst vor einer schnellen Absage. Außerdem sollte man wissen, dass sich eine Bewerbung auch dann lohnen kann, wenn man nur etwas mehr als die Hälfte der geforderten „Skills“ besitzt, da viele Unternehmen schon im Vorfeld davon ausgehen, dass es vermutlich keinen Bewerber geben wird, der tatsächlich alle Anforderungen erfüllen kann. Ein wenig Mut kann sich also auszahlen und zeigt zudem, dass man genügend Selbstvertrauen besitzt, um auch komplizierte Aufgaben meistern zu können.

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