Mindestlohn 2021 & 2022: Alles, was du wissen musst

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Mindestlohn 2021 & 2022: Alles, was du wissen musst
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Seit dem 1. Januar 2015 gilt in Deutschland der gesetzliche Minimallohn. Durch das Mindestlohngesetz (MiLoG) soll ein adäquates Einkommensniveau in Deutschland festgesetzt und somit der Unterbietungswettbewerb verhindert werden.

Mit Ausnahme von ein paar Personengruppen, wie zum Beispiel Praktikanten, darf laut dem Mindestlohngesetz 2021 in keiner Branche weniger als 9,60 € brutto pro Stunde bezahlt werden. In einem Vergleich mit anderen EU-Mitgliedsstaaten steht Deutschland damit auf Platz Nummer 6.

Erfahre in diesem Artikel alles über den gesetzlichen Mindestlohn 2021 und 2022.

Mindestlohn – Deutschland im Überblick

Gesetzlicher Mindestlohn ist der minimalste Lohn, den ArbeitgeberInnen, rein juristisch gesehen, an MitarbeiterInnen zahlen müssen. Geregelt wird dieser Beschluss vom Staat im Gesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns, kurz als Mindestlohngesetz (MiLoG) bezeichnet. Es gibt in Deutschland, außer dem Minimallohn Deutschland 2021, noch die branchenspezifische Mindestlöhne 2021, welche je nach Branche tariflich geregelt werden.

Viele Menschen fragen sich, ob der Mindestlohn brutto oder netto zu verstehen ist. Er wird in brutto angegeben. Netto–Berechnungen werden in diesem Zusammenhang nicht gemacht. Bei einer Vollzeittätigkeit wird der Mindestlohn brutto pro Monat oder brutto pro Zeitstunde angegeben werden.

Das MiLoG wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, ArbeitnehmerInnen vor Ausbeutung, der sogenannten Erwerbsarmut zu schützen und ihnen einen gewissen Lebensstandard zu sichern, bei dem die Grundbedürfnisse erfüllt werden.

Zahlen ArbeitgeberInnen weniger, als es das MiLoG vorschreibt, dann haben ArbeitnehmerInnen das Recht darauf, auf ihren Minimallohn zu bestehen. Wenn sich ArbeitgeberInnen beispielsweise seit dem Jahr 2015 nicht an dieses Gesetz gehalten haben, dann können hohe Nachzahlungen drohen.

Wie hoch ist der gesetzliche Mindestlohn 2021?

Die Erhöhung vom Mindestlohn bis 2022 wird in 4 Schritten vollzogen:

  • Erste Hälfte 2021: Zum 1. Januar 2021 stieg der Brutto-Stundenlohn auf 9,50 € an
  • Mindestlohn Juli 2021: Seit dem ersten dieses Monats liegt er bei 9,60 € je Zeitstunde
  • Mindestlohn 2022 Deutschland: Zum 1. Januar 2022 wird er bei 9,82 € liegen
  • Zweite Hälfte des Jahres: Am 1. Juli 2022 steigt er auf 10,45 € an

Wer legt die Höhe fest?

Für die Festsetzung sowie Anpassung des Minimallohns ist seit 2015 in Deutschland die Mindestlohnkommission zuständig. Sie setzt sich zusammen aus dem Kommissionsvorsitzenden, drei Vertretern von Arbeitgeber- und Gewerkschaftsseite und zwei beratend tätigen Wirtschaftsexperten.

Alle zwei Jahre legt die Kommission einen neuen, angepassten Satz fest. Faktoren, wie die aktuelle, deutsche Wirtschafts- und Wettbewerbssituation, Tarifentwicklungen sowie Wirtschaftsprognosen bestimmen die Höhe des Minimallohns.

Wie sieht es vergleichsweise in anderen EU-Ländern aus?

Es besteht kein Minimallohn für die EU-Länder Österreich, Dänemark, Italien, Finnland, Schweden und Zypern.

In der folgenden Tabelle sind vergleichsweise EU-Länder aufgeführt, die sich auch an das Mindestlohngesetz 2021 halten. Die monatlichen Minimallöhne variieren stark. Ausschlaggebend hierfür ist der Unterschied in den Lebenshaltungskosten in den einzelnen EU-Ländern. Stand der folgenden Vergleichstabelle ist der 1.1.2021.

Wen betrifft das Mindestlohngesetz 2021 Deutschland?

Alle Beschäftigten, auch Minijobber, die nicht zu den im Folgetext aufgelisteten Ausnahmefällen gehören, profitieren vom Mindestlohngesetz 2021.

Was bedeutet das für HR?

In den Personalabteilungen der Unternehmen hat man sich bereits seit längerer Zeit an das MiLoG gewöhnt und die Bilanz der letzten sechs Jahre gezogen. Wichtig für HR-Abteilungen von Unternehmen ist jedoch nicht nur das Thema “Mindestlohn bis 2022”, sondern auch das aktuelle Thema “Hinweisgebersystem”, auch als sogenanntes Whistleblower-System, bezeichnet.

Ausnahmen des Minimallohns

Keine ArbeitnehmerInnen im Sinne des Minimallohngesetzes 2021 in Deutschland sind die folgenden Personengruppen:

Jugendliche

Die Regelung ist hinfällig für Jugendliche unter 18 Jahren, die über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. Auch wenn sich Jugendliche in einer berufsvorbereitenden Maßnahme befinden, gilt dieses Gesetz nicht.

Praktikanten

Ebenfalls ausgeschlossen sind Praktikanten, die ein berufs- oder schulbegleitendes Praktikum absolvieren. Auch bei einem freiwilligen Praktikum mit einer Länge von bis zu 3 Monaten greift diese Regelung nicht. Erfahre hier alles zum Thema Praktikantenvertrag.

Auszubildende

Bei Azubis gilt gemäß dem Berufsbildungsgesetz kein Minimallohngesetz. In diesem Fall wird von einer Mindestausbildungsvergütung gesprochen. Der Mindestlohn für Auszubildende 2021 beträgt für das erste Ausbildungsjahr 550 €, für das zweite Jahr 649 €, für das Dritte 743 € und für das vierte Ausbildungsjahr 770 €.

(Ehemalige) Empfänger von Leistungen des Arbeitsamtes

Ausgenommen vom Minimallohngesetz 2021 sind Personen, die an einer Arbeitsförderungsmaßnahme teilnehmen und ehemalige Langzeitarbeitslose, die sich in den ersten sechs Monaten ihres neuen Arbeitsverhältnisses befinden.

Selbständige und ehrenamtliche Mitarbeiter

Für diese Personengruppen gilt das Gesetz nicht.

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Gilt das Gesetz für den Branchenmindestlohn in Deutschland?

In den einzelnen Branchen gelten gesonderte Tarife. Hier wird der branchenspezifische Minimallohn von ArbeitgeberInnen und Gewerkschaften gemäß Tarifvertrag verhandelt. Im Folgenden die wichtigsten Beispiele für Branchenmindestlohn 2021:

  • Bereich Abfallwirtschaft: Ab Oktober 2021 erhöht sich der Bruttolohn auf 10,45 €.
  • Pädagogische MitarbeiterInnen: Seit Januar 2021 gilt für MitarbeiterInnen im Bildungsbereich einen Stundenlohn von 16,68 € ohne Bachelor-Abschluss und 17,02 € Stundenlohn für MitarbeiterInnen mit Bachelor-Abschluss.
  • Mindestlohn Baugewerbe 2021: Seit 1. Januar 2021 liegt der Minimallohn für Lohngruppe 1 im Baugewerbe bundesweit bei 12,85 € pro Stunde. Seit Januar 2021 gilt für Dachdecker ein Bruttolohn von 12,60 € pro Stunde.
  • Minimallohn Elektrohandel 2021: Seit Januar 2021 hat sich der Minimallohn auf 12,40 € erhöht.

Prognose Mindestlohn: 12 Euro möglich für 2023

In den Medien wird aktuell von der SPD berichtet, dass der Minimallohn auf 12 € angehoben werden soll. Bis dato wurde jedoch noch nichts entschieden. Die Mindestlohnkommission gibt ihre nächste Empfehlung für eine Mindestlohnerhöhung 2023 im Sommer 2022 ab. Um eine Durchsetzung dieser Empfehlung zu erwirken, muss die Bundesregierung dieser jedoch zustimmen. Es bleibt abzuwarten, wie die wirtschaftlichen Entwicklungen in Deutschland im Sommer 2022 sein werden.

Fazit

Da die Einführung eines Minimallohns grundsätzlich einen Eingriff in die Funktionalität des Arbeitsmarktes darstellt, bleibt Raum für die Frage, welche Auswirkungen eine Erhöhung auf 12 € mit sich bringt. Derzeit liegen wir bei 9,60 € und alle ArbeitnehmerInnen würden wohl eine baldige Erhöhung auf den genannten zwölf Euro befürworten.

Anja Formusek
Anja Formusek schreibt SEO-optimierten deutschen Content für Vispato, einem sicheren, anonymen Hinweisgebersystem. Anja ist studierte Diplomübersetzerin und arbeitet seit über 15 Jahren im Bereich der Textkreation. Die Inhalte der Artikel zielen neben der Informationsgebung darauf ab, ein höheres Ranking bei Suchmaschinen und Social Media zu erzielen.

1 Kommentar

  1. Zitat: „Derzeit liegen wir bei 9,60 € und alle ArbeitnehmerInnen würden wohl eine baldige Erhöhung auf den genannten zwölf Euro befürworten.“
    Wer aber bereits 12 oder auch 13€ bekommt wird höchst unzufrieden sein über diese schlagartige Erhöhung , er bekommt ja nicht einen ct mehr und hat evtl. mehr Erfahrung, Qualifik. etc als der mit € 9,60. Unter Kollegen führt das zu Missgunst – nicht zu Ende gedacht!

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