Selbstmotivation für Fortgeschrittene: Was mache ich, wenn es nicht mehr läuft?

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Selbstmotivation für Fortgeschrittene: Was mache ich, wenn es nicht mehr läuft?
© Tirachard Kumtanom – pexels.com

Wie reagierst du, wenn du dich auf eine bestimmte Situation freust und vorbereitest und sie dann ganz anders ist, als erwartet? Was passiert dann mit deiner Selbstmotivation?

Lass uns annehmen, du hast dich für eine betriebliche Weiterbildung zur Verbesserung des Selbstmanagements angemeldet. Der Tagungsort ist ungewöhnlich – ein Schloss der Benediktiner und soll eine neue Perspektive zur täglichen Arbeit eröffnen. Du freust dich über die Gelegenheit des Austauschs mit Gleichgesinnten und für die Karriereplanung bringt sie dir außerdem gleich noch Punkte.

Also organisierst du deine Arbeit um die zwei Weiterbildungstage herum. Du planst die lange Anreise und sitzt pünktlich zum Seminarbeginn mit acht anderen TellnehmerInnen im Seminar. Morgens hast du noch einmal die Ausschreibung gelesen. Es soll positive Beispiele, Übungen, Selbstreflektionen, ja selbst eine Meditation, geben.

Realität und Erwartungen stimmen nicht überein

Nach der Einführung ins Thema und den ersten Stunden des Tages stellst du erstaunt fest, dass du schon in der ersten Pause müde statt inspiriert bist. Wie kann das sein?

Dir fällt auf, dass in der Gruppe viel Negatives aus dem Unternehmensalltag berichtet wird. MitarbeiterInnen, die nicht zu finden sind, Menschen, die nur an sich und nicht die
KollegInnen denken, Konkurrenzdruck auf dem internationalen Markt, das Tempo im Alltag.

Auch der Seminarleiter berichtet eher kritisch über seine Wahrnehmungen. Dir fehlen die konkreten Denkanstöße zum Weiterbildungsthema. Ja du langweist dich sogar ein bisschen, weil der Seminarleiter so viel frontal erzählt. Kommt so eine Situation nicht viel häufiger vor, als man bewusst wahrnimmt?

  • Die neuen Arbeitsinhalte nach der Umstrukturierung sind anders als versprochen.
  • Das Kundengespräch verläuft anders als erhofft.
  • Eine Präsentation stößt auf weniger Interesse als erwartet und muss nach der Pause fortgesetzt werden.

Erwartungen und Wünsche prägen unseren Alltag. Wenn die Realität deckungsgleich ist, ist es leicht, sich zu motivieren. Doch diese Konformität ist leider selten.

Motivation heißt, seine Wahlmöglichkeiten zu nutzen

Was kannst du im Beispiel tun? Du wägst ab.

  • Gilt es, Geduld zu lernen und damit zufrieden zu sein, was angeboten wird?
  • Solltest du dich der Gruppe anpassen?
  • Gehört es sich überhaupt, in einem solchen Rahmen etwas Kritisches zu sagen?
  • Liegt es an dir, dass du fast schon überzogene Erwartungen hattest weil du schon ein Weiterbildungsprofi bist?
  • Solltest du lernen, dass es nicht immer nach deinem Kopf gehen kann und trotzdem gut sein kann?

Dagegen sprach, dass Geld und Reiseaufwand investiert waren und jede Stunde eine Stunde deiner kostbaren Lebens- und Arbeitszeit ist. Dies ist ein Augenblick sich daran zu erinnern, dass es jeder von uns in der Hand hat, wie ein Augenblick, eine Veranstaltung verläuft. Trifft es nicht viel zu oft zu (egal ob in Familien oder Unternehmen), dass wir uns zwar beklagen, unzufrieden sind, uns etwas stört, wir es jedoch nur hinter vorgehaltener Hand äußern, wenn überhaupt? Welche Chance hat der Dozent etwas zu ändern, wenn er nicht erfährt, was dich stört?

Motivation heißt Selbstverantwortung

Du könntest deine Überlegungen des Aushaltens oder Abreisens ändern und stattdessen aktiv werden und zum Gelingen der Veranstaltung beitragen. Dein Wohlbefinden in diesem Moment, an diesem Ort, selbst in die Hand nehmen. Ein ausschließlich konstruktives Feedback wäre eine Variante.

Du könntest den zweiten Seminartag damit beginnen einen Vorschlag zu machen, der eine positive Rückmeldung ist und einen konkreten Vorschlag macht, der deinen Interessen gerecht wird. Zum Beispiel könntest du um Anknüpfung an das gestrige Thema Gelassenheit bitten. Und zwar mit den angekündigten – aber noch nicht vermittelten – konkreten Praxisübungen. Der Seminarleiter wird dankbar den positiven Impuls aufgreifen und allen ist geholfen.

Sobald du selbst die Perspektive gewechselt hast, nimmst du mehr Positives wahr. Das Lächeln des Seminarleiters, die interessanten nun auch positiveren Beiträge der anderen TeilnehmerInnen. Du fühlst dich besser und durch die gemeinsame neue Aktivität auch die ganze Gruppe. Du wirst mit gutem Befinden selbst kreativer und kannst bessere Beiträge liefern und mit der Qualität deiner Beiträge Vorbild sein. Das ist die Quintessenz für das Gelingen:

Selbstmotivationsgeheimnisse

  • Motivation können wir immer aus uns selbst schöpfen.
  • Konstruktive Motivation tut uns selbst und anderen gut.
  • Selbstmotivation wird im Austausch mit anderen einfacher.
  • Verändere die Perspektive, wenn es dir schwer fällt, dich zu motivieren.

EXTRA: Selbstmotivation lernen: In 7 Schritten jedes Ziel erreichen

Gängige Gründe, sich von Selbstmotivation abhalten zu lassen

  • Wir fühlen uns nicht für die Situation verantwortlich.
  • „Jetzt sind die anderen einmal dran.“
  • Wir sind verärgert, enttäuscht, frustriert und kraftlos.
  • Wir haben keine Idee, wie es besser geht.
  • Es scheint einfacher, eine Situation zu verlassen, als sich einzubringen.

5 Konsequenzen mangelnder Selbstmotivation

  1. Haben wir negative Emotionen, nehmen wir mehr Negatives wahr.
  2. Denken wir negativ, fühlen wir uns schlechter.
  3. Fühlen wir uns schlecht und denken negativ, dann verhalten wir uns dementsprechend, z. B. passiv oder stören sogar aktiv.
  4. Wir stecken andere mit unseren Gedanken und Gefühlen an.
  5. Wir starten negative Kreisläufe, in denen sich Gedanken, Gefühle, Verhalten gegenseitig verstärken.

Der Nutzen der Selbstmotivation in der Arbeitswelt 4.0

Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit sind ein oft missverstandenes Paar. Wohlbefinden ist schon lange keine Belohnung mehr nach erbrachter Leistung, sondern inzwischen Leistungsvoraussetzung. Denn Leistung, die ohne oder auf Kosten von Wohlbefinden erbracht wird, beeinträchtigt sich selbst. Fordern wir uns stattdessen selbst angemessen, bringt dies am Ende immer Wohlbefinden. Das gilt für Körper und Geist. So starten wir positive Kreisläufe, die uns und anderen nützen.

Dr. Ilona Bürgel
Dipl. Psych. Dr. Ilona Bürgel ist eine führende Vertreterin der Positiven Psychologie. Wie ein roter Faden zieht sich die Einladung zu einem Perspektivwechsel durch ihre Arbeit – weg von der Fixierung auf äußere Bedingungen, hin zum guten Umgang mit sich selbst. Sie ist ständige Beraterin für Print, Radio und Fernsehen wie ARD und MDR. Die Vorbildunternehmerin des Ministeriums für Wirtschaft liebt Schokolade und lebt in Dresden. Ihr Hauptwerk im Bereich Wirtschaft: Die Kunst, die Arbeit zu genießen

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