Vertrieben, aufgenommen & erfolgreich? So gelingt Integration

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Ich bin 2001 mit meiner Familie aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet. Es war keine Frage der Freiwilligkeit, denn wer gibt schon gern sein geliebtes Umfeld auf, für eine Zukunft, die in keinster Weise geschrieben ist?

Nun, 18 Jahre später, bin ich froh, dass alles so geschehen ist, wie es geschehen ist.

In diesem Artikel möchte ich, auch anhand meines eigenen Beispiels, beleuchten, unter welchen Bedingungen nachhaltige Integration funktionieren kann und für alle ein Gewinn sein kann. Schließlich kommt es, aufgrund der weltweiten Unruhen, immer wieder zu großen Migrationsströmen. 2015 war so eine Zeit, als Millionen Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Somalia nach Europa flüchteten. In den 90er Jahren kam es zu gewaltigen Bewegungen, aufgrund des Jugoslawien-Krieges. Die Chancen stehen recht hoch, dass sogar ganze Völkerwanderungen jederzeit wieder passieren können.

Deutschland – das gelobte Land?

Ich bin der festen Überzeugung, dass Deutschland noch immer ein Land ist, in welchem man erreichen kann, was man will. Ich vertrete da einen etwas anderen Standpunkt als die meisten, die meinen, dass es gerade in den USA die besten Voraussetzungen für persönlichen Erfolg gibt.

Der Unterschied zu den USA ist, dass einem geholfen wird, sich zu integrieren.

Es wird dabei unterstützt, die Sprache zu lernen, man fällt nicht auf den harten Granitboden, sondern hat immer ein Dach über den Kopf und wenn man wirklich gewillt ist, bekommt man auch eine vernünftige Ausbildung. Man bekommt also die Möglichkeit der Privatsphäre, etwas zu essen und Bildung. Das sind die besten Voraussetzungen, um völlig neu durchzustarten. All das gibt es in den USA in dieser Form nicht.

In Deutschland hat man die Möglichkeit, etwas aufzubauen, wenn man den Ehrgeiz und das Durchhaltevermögen dafür aufbringt.

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Behinderungen

Natürlich ist nicht alles eitel Sonnenschein. Natürlich muss man sich auch in Deutschland beweisen, aber das muss man überall. Geschenkt wird einem nichts.

Natürlich gibt es auch verschiedene Formen des Rassismus, aber ich bin der Überzeugung, dass dies in anderen Ländern genauso der Fall wäre. Ich selbst war schon in über 23 Ländern. Immer wieder gibt es rassistisch orientierte Minderheiten. Das ist jedoch kein typisch deutsches Phänomen.

Auf der anderen Seite kann man diese Form der Ablehnung auch als Motivation nutzen, um das Maximum aus sich herauszuholen. Also die Vorurteile des Gegenübers ins Gegenteil umkehren.

Man „bestraft“ solche Menschen eigentlich nur mit persönlichem Erfolg.

Integration durch Arbeit

Meine beiden Geschwister arbeiteten 2,5 Jahre in 1-Euro-Jobs. Das bedeutet tatsächlich ein Euro Lohn pro geleisteter Arbeitsstunde. Meine Schwester arbeitete im Altersheim und mein Bruder war in der Straßenreinigung tätig. Unabhängig vom Gehalt war das jedoch gut für ihre Integration, andernfalls wären sie vielleicht nur zu Hause gesessen und hätten sich nicht mit der neuen Kultur auseinandergesetzt.

Meine Mutter war sehr bedacht darauf, dass auch ich mich mit Deutschen treffe. Es ist so wichtig, sich mit der Art und Weise des Denkens einer Kultur auseinanderzusetzen. Mit der Zeit lernte ich also diese Mechanismen immer genauer kennen. Ich lernte also für mich, gewisse kulturelle Aspekte zu übernehmen und zu leben.

Disziplin

Was ich schon von Haus aus mitbrachte und mir die Integration sicherlich massiv erleichtert hat, war meine Zielstrebigkeit. Das sah man schon daran, dass ich, selbst im tiefsten Winter, die 2,5 Kilometer zum Zug, der mich in die Schule bringen sollte, zu Fuß zurückgelegt habe. Ich habe vorher noch nie Schnee in meinem Leben gesehen oder Kälte leiden müssen. Ich hätte genauso gut sagen können, dass ich mal „blau“ und es mir zu Hause gemütlich mache.

Meine Eltern konnten mich nicht zum Zug bringen. Doch auch dies hatte gute Seiten. Diese 5 Kilometer, die ich jeden Tag zurücklegte, nutzte ich dazu, meine Ziele zu visualisieren und dankbar für das zu sein, was ich hatte. Ich wusste zwar, dass ich noch einen weiten Weg vor mir hatte, doch mit harter Arbeit und Disziplin, würde ich nachhaltig erfolgreich sein können. Ich wusste genau, es lohnt sich, jeden Tag aufzuwachen und diese Strapazen auf mich zu nehmen. Jahre später konnte ich dann mein Abitur machen – zwar nicht mit dem besten Notendurchschnitt, aber danach studierte ich sogar.

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Meine Botschaft für Neuankömmlinge

Lasst niemals zu, dass ihr euch unfair behandelt fühlt. Dies würde euch in eine Opferrolle versetzen, aus welcher ihr nur schwer entfliehen könnt. Seid dankbar für alles und ich meine wirklich alles, was ihr in Deutschland bekommt. Ihr findet hier alle Möglichkeiten vor, eure Träume zu erfüllen.

Arbeitet hart an euch und sucht den Kontakt zu Einheimischen.

Diese intensive Auseinandersetzung mit der deutschen Kultur wird euch zeigen, was es benötigt, um wirklich erfolgreich sein zu können. Viel Glück und Disziplin dabei!

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