8 Texter-Tipps: So feilst du an deinem Stil

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8 Texter-Tipps: So feilst du an deinem Stil
© Liam Anderson - pexels.com

Du willst Texte schreiben, mit denen du Leser begeisterst oder Produkte verkaufst? Dann reicht es nicht, eine Rohfassung zu kritzeln. Denn mit der ersten Fassung ist zwar ein wesentlicher Schritt getan – die Arbeit aber noch nicht zu Ende. Unter professionellen Schreibern gilt die Faustregel:

Verwende soviel Zeit für die Überarbeitung deines Textes wie für das Schreiben der Rohfassung.

Doch worauf muss man bei der Überarbeitung achten? Und was heißt „guter Stil“? In erster Linie eines: Verständlichkeit. Verständlich zu schreiben, ist keine okkulte Mystik, in die nur geniale Texter eingeweiht sind. Verständlich zu schreiben, ist ein Handwerk. Und die Verständlichkeitsforschung sogar eine Wissenschaft. Sie liefert Angaben über optimale Wort- und Satzlängen und die Augenhaltepunkte beim Lesen.

Natürlich gibt es weitere Kriterien für guten Stil: Der Text sollte lebendig sein, abwechslungsreich, einprägsam, bildhaft. Wenn du es verstehst, verständlich zu schreiben, hast du schon viel gewonnen. Wie du bei der Überarbeitung mit Fleiß am Stil glänzt, zeigen dir diese Tipps.

1. From a distance: Werde dein eigener Reich-Ranitzki

Der erste Schritt bei der Überarbeitung ist der Schritt zurück. Nachdem du den Text fertig geschrieben hast, lass ihn liegen. Wenn es die Zeit erlaubt, solltest du mindestens eine Nacht darüber schlafen. Baue Distanz zu deinem Werk auf. Und versuche dann, den Text mit den Augen eines fremden Lesers zu lesen:

  • Verstehst du alles?
  • Stolperst du über unklare Aussagen?
  • Ist der Text gut gegliedert?

Werde dein eigener Kritiker.

Was zusätzlich hilft: Lies dir den Text selbst mit lauter Stimme vor.

EXTRA: „Gähntechnikfrei schreiben“: Schluss mit Floskeln! [Rezension]

2. Bring Bewegung ins Spiel: Werbung für Verben

In der Schule wurden sie auch Tunwörter genannt. Eine schöne Bezeichnung. Denn wo ein Verb ist, da wird etwas getan. Warum neigen dann viele Schreiber zum Nominalstil?

  • Schau in deinem Text, wo du den Nominalstil zugunsten eines Verbs auflösen kannst.

Negativ-Beispiel: „Die Kunst des verständlichen Schreibens und klaren Formulierens.“

Positiv-Beispiel: „Die Kunst, verständlich zu schreiben und klar zu formulieren.“

3. So lang, so lang, so extra lang… Aber bitte nicht bei Sätzen

Für die Sätze in deinem Text gilt: je kürzer, desto besser. Die dpa gibt ihren Journalisten bestimmte Auflagen für die Satzlänge:

  • Als optimal verständlich gelten 9 Wörter, 20 Wörter sind die Obergrenze des Erwünschten und 30 die Obergrenze des Erlaubten.

Für deinen Text bedeutet das: Lies dir deine Sätze durch. Achte darauf, ob du Sätze findest, bei denen du zehn Gedanken in einen Satz quetschst. Und dann immer der Reihe nach: Ein Gedanke. Punkt. Noch ein Gedanke. Punkt.

Extra-Tipp: Wenn du die Satzlänge ermitteln willst, hilft dir dieses Tool: www.textinspektor.de

4. Keine Hilfsverberitis: Oder würdst du lieber können wollen dürfen?

Hilfsverben lassen einen Text schnell gestelzt wirken. Natürlich sind sie – sparsam eingesetzt – ein Zeichen der Höflichkeit. Aber zu viel Hilfsverben-Höflichkeit verwässert.

Negativ-Beispiel: „Über Ihren Anruf würde ich mich freuen.“

Lieber klar und direkt: „Über Ihren Anruf freue ich mich!“

Darum: Prüfe deinen Text sorgsam auf alle:

  • können,
  • sollen,
  • mögen,
  • möchten,
  • wollen,
  • dürfen,
  • würden usw.

5. Füllwörter: Leere Kalorien für deinen Text

Füllwörter verwässern deinen Text.

Füllwörter sind echte Weichspüler: Bloß keine klare Aussage! Eigentlich wollte ich an sich ja auch irgendwie doch halt durchaus etwas sagen… Goethe führte deshalb eine schwarze Liste mit verbotenen Füllwörtern.

Mach die Probe: Nutze die Suchfunktion der Textverarbeitung und scanne deinen Text auf Füllwörter. Streiche sie im nächsten Schritt. Stehst du dann noch hinter deiner Aussage?

EXTRA: 11 Texter-Tipps: Diese Elemente braucht dein Artikel [Infografik]

6. Doppelte Verneinung: Sage Ja – und nicht kein Nein

Prinzipiell solltest du immer nach positiven Formulierungen suchen.

  • Untersuchungen zeigen, dass 48 % der Leser mehr Zeit brauchen, um einen verneinenden Satz zu verstehen.

Die doppelte Verneinung ist eine Katastrophe: „Eine nicht ernstlich gemeinte Willenserklärung, die in der Erwartung abgegeben wird, der Mangel der Ernstlichkeit werde nicht verkannt werden, ist nichtig“ (§118 BGB). Alles klar?

  • Achte also auf alle kein, nicht, nie, ohne – und verneinende Vorsilben wie a-, des-, un-, gegen- usw.

7. Attention mit extravaganten Termini: Vermeide Fremdwörter

In Fachtexten mögen Fremdwörter ihre Berechtigung haben. In Business- oder Gebrauchstexten sollten sie vermieden werden. Die Gefahr von Missverständnissen ist hoch. Außerdem lässt du mit einem Fremdwort jeden Leser dumm dastehen, der es nicht kennt. Damit erreichst du nur, dass der Leser den Text beiseite legt.

  • Suche also für jedes Fremdwort, das du in deinem Text findest, eine deutsche Entsprechung.

Denn je näher das Wort am alltäglichen Sprachgebrauch, desto lebendiger der Text.

8. Satzzeichen: Geste und Mimik der Sprache

  • Stellst du deinem Leser öfter mal eine Frage?
  • Zeige doch Begeisterung!
  • Oder deute nur vage an…
  • Natürlich kannst du auch – wie ich das hier gerade tue – einen zweiten Gedanken einfügen.
  • Oder du machst es so: Du kündigst etwas an.

Für all das gibt es Satzzeichen.

Doch die meisten Schreiber nutzen nur Punkt und Komma.

Dabei lassen Frage- und Ausrufezeichen, Gedankenstriche und Doppelpunkte einen Text zu einem lebendigen Gesprächspartner werden, der mit eindrucksvollen Gesten und spannender Mimik den Inhalt auf den Leser überträgt. So wird das Lesen zu einem intensiven Gedankenaustausch. Es macht einfach Spaß!

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