Dekarbonisierung: Tipps für Unternehmen

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Wie digitale Veranstaltungen für mehr Nachhaltigkeit sorgen
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Pro Jahr beträgt die weltweite CO2-Emission rund 41 Gigatonnen. Um die Klimaerwärmung im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen auf höchstens zwei Grad Celsius zu begrenzen, muss dieser Wert fallen. Gelingen kann das nur, wenn auch die Privatwirtschaft Reduktionsmaßnahmen ergreift. Sowohl im kleineren als auch größeren Rahmen.

Kundenbedürfnisse: Klimaschutz wird immer wichtiger

Durch den Klimawandel und den Erfolg des E-Commerce findet sich die Wirtschaft vor einer Mammutaufgabe wieder. VerbraucherInnen stellen dabei immer höhere Ansprüche an Produkte, auf den ersten Blick auch widersprüchliche. Nicht nur der Umwelt, sondern auch den persönlichen Kundenwünschen müssen Unternehmen heutzutage gerecht werden. Zügige Warenlieferung in die ganze Welt bei gleichzeitig geringen Emissionen ist nur ein von vielen Anforderungen. Betriebe müssen deshalb ihre gesamte Vertriebsstruktur überdenken, um angesichts der neuen Kundenerwartungen überlebensfähig zu bleiben. Statt zentraler Lagerhaltung nutzen viele beispielsweise längst dezentrale Lagerlogistik mit verknüpften Fulfillment-Centern in der Nähe der jeweiligen Zielmärkte, um schnell und zugleich emissionsarm zu liefern.

Einzelmaßnahmen wie diese steigern die Effizienz und künftige Wettbewerbsfähigkeit ebenso wie nachhaltige Warenverpackung. Viele der denkbaren Schritte helfen nicht nur der Umwelt, sondern sparen innerbetrieblich zugleich Kosten. Angesichts der lauter werdenden Rufe nach Dekarbonisierung müssen Unternehmen bis zur Last-Mile-Lieferung auf Nachhaltigkeit setzen. Am Anfang steht dabei eine eingehende Analyse des CO2-Fußabdrucks, die Optimierungspotenziale aufzeigt.

Corporate Carbon Footprint: Das umfasst der Kennwert

Abhängig von der Branche und den Zielen gehen unterschiedliche Bereiche in die Bewertung der unternehmenseigenen CO2-Bilanz mit ein. Gemäß des Greenhouse Gas Protocols lassen sich die relevanten Daten folgendermaßen unterteilen:

  • Scope 1 im Sinne aller direkten Emissionen, insbesondere im Zusammenhang mit der betrieblichen Fahrzeugflotte.
  • Scope 2 im Sinne indirekter Emissionen, die beispielsweise den Stromverbrauch beinhalten.
  • Scope 3 im Sinne indirekter Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, unter anderem Rohstoffe, Geschäftsreisen, Logistik, Mitarbeitermobilität.

Zu den einzelnen Scopes werden Aktivitätsdaten gesammelt und über Cloud-basierte Software-Tools zu CO2-Äquivalenten umgerechnet. Dadurch sehen Firmen in Echtzeit, wie sich ihre CO2-Bilanz zusammensetzt und wie viele Emissionen in Einzelbereichen entstehen. In einem abschließenden Bericht identifiziert man dann die sinnvollsten Einsparpotenziale. Erst auf der Basis des CO2-Fußabdrucks entstehen so ganzheitliche Klimaschutzstrategien mit einer unternehmensspezifischen Zielfestlegung. Effektive und kosteneffiziente Reduktionsmaßnahmen entscheiden nicht nur über die Umweltbelastung. Zugleich beeinflussen sie auch das Management von Reputationsrisiken und ermöglichen einen besseren Umgang mit künftigen Vorschriften.

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CO2-Reduktionsmaßnahmen: Diese Schritte wirken kurz- und langfristig

Effiziente Maßnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen variieren abhängig von der jeweiligen Unternehmensgröße und Wertschöpfungskette. Eine unmittelbare Wirkung entfaltet sich vor allem innerhalb solcher Unternehmensbereiche, die Betriebe direkt beeinflussen können. Das gilt insbesondere für Wertschöpfungsteile, die auf der direkten Verbrennung fossiler Brennstoffe basieren. Auch indirekte Emissionen aus eingekaufter elektrischer und thermischer Energie lassen sich direkt adressieren. Im produzierenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor ist außerdem die CO2-Belastung bei der Nutzung verkaufter Produkte unmittelbar beeinflussbar. Durch optimiertes Produktdesign verbessert sich die Energieeffizienz – ein klarer Kaufvorteil für den Kunden. Für eine langfristig nachhaltige Klimaschutzstrategie sind gerade diese zukunftsorientierten Schritte unausweichlich. Zu den unmittelbar umsetzbaren Maßnahmen mit CO2-Reduktionseffekten zählen hiervon abgesehen:

Im Hinblick auf die Bürotechnik:

  • der Wechsel zu unabhängigen Ökostromanbietern oder die Selbstversorgung mit grünem Strom (vor allem Solar)
  • Steigerungen der Energieeffizienz durch Smart-Home-Konzepte
  • der effiziente Einsatz von Heizenergie und Klimaanlagen
  • energiesparende Beleuchtungsstrategien
  • Dämm- und andere Sanierungsmaßnahmen für Bürogebäude
  • Wechsel zu klimaneutralen Technik-Anbietern, beispielsweise bei der Cloud

Im Hinblick auf die Mobilität:

  • Online-Meetings statt Geschäftsreisen
  • Kompensation unvermeidbarer Flugzeugreisen
  • Einführung von Home-Office-Tagen
  • Nutzung betrieblicher Fahrräder
  • Mitarbeiterbezuschussung für Bus- und Bahntickets
  • Eröffnung einer Mitfahrgelegenheitsplattform für MitarbeiterInnen
  • Umstieg auf brennstoffeffiziente Dienstwagen oder E-Flotte

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Im Hinblick auf das Mitarbeiterengagement:

  • Schulungen zum Thema unternehmensinterner Klimaschutz
  • Ernennung eines Nachhaltigkeits-Boards
  • regelmäßige Besprechungen für Vorschläge zum Klimaschutz
  • Klimaschutzbeauftragte zur Überwachung beschlossener Schritte

Im Hinblick auf den Unternehmensalltag:

  • klimaschonende Verpflegung, beispielsweise vegane Kantinenangebote
  • Mülltrennung und Recycling
  • Anschaffung emissionsarmer Geräte und Anlagen
  • Umstieg auf Rohstoffe und Verarbeitungstechniken mit geringen Emissionen

Viele dieser Maßnahmen und Mechanismen lassen sich relativ schnell und kostensparend umsetzen. Einige verbessern nicht nur die betriebliche Klimabilanz, sondern führen auch langfristig zu Kostenersparnissen. Je strikter die firmeninterne Klimapolitik, desto besser sind Unternehmen gegen zunehmende Vorschriften durch die Politik gewappnet. Außerdem begegnen sie damit dem Druck, der schon heute seitens der KundInnen, möglicher InvestorInnen oder eigener MitarbeiterInnen besteht.

Etwas aufwendiger zu realisieren sind Klimaschutzmaßnahmen, die sich auf die Lieferkette beziehen. Mit dem dieses Jahr beschlossenen Lieferkettengesetz sind Unternehmen ab einer Größe von 1.000 MitarbeiterInnen 2024 dazu verpflichtet, auch von ihren Zulieferern ein den Umweltstandards angemessenes Verhalten zu fordern. Hierzu zählt die Einhaltung bestimmter Emissionsgrenzwerte. Transparenz ist hierbei das oberste Gebot. Betriebe müssen ihren Zulieferern Grenzwerte deutlich kommunizieren und ihnen idealerweise bei der Einhaltung helfen.

Nadin Hänisch
Nadin Hänisch schreibt über E-Health, Telemedizin und Nachhaltigkeit. Sie hat sich auf die Themenfelder Gesundheit und Technologie spezialisiert und schon auf anderen Gesundheitsportale geschrieben. Sie ist außerdem als Coach und Beraterin in den Bereichen nachhaltige Unternehmensentwicklung und Digitalisierung tätig.

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