Warum Krise und Innovation zusammenpassen

72
Nicht der Typ für Feelgood Management? 4 Alternativen
© freshidea - stock.adobe.com

Seit Monaten hat uns die Corona Krise fest im Griff. Die Wirtschaftsleistung hat in ganz Europa einen schweren Einbruch erlitten. Durch Kurzarbeit und Überbrückungshilfen halten Unternehmen ihr Kerngeschäft aufrecht. Doch eigentlich sind es Innovationen, die den entscheidenden Wirtschaftsvorteil verschaffen. Wie lassen sich Krise und Innovation in Einklang bringen?

Komfortzone verlassen – Chancen nutzen

Wir alle sehen uns mit Veränderungen konfrontiert – ob gesellschaftlich oder wirtschaftlich, Corona sprengt die Ketten der Normalität. Damit einher geht auch ein Wandel in den Bedürfnissen und der Nachfrage. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und umgekehrt – so will es das Gesetz der freien Marktwirtschaft. Für Unternehmen bedeutet dies, dass die bisher bewährten Wege nicht mehr unbedingt zum Ziel führen. Es besteht die Gefahr mit den etablierten Konzepten weiter in die Krise abzurutschen, bis hin zur Existenzbedrohung. Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen entlasten kurzfristig, doch langfristig entsteht die Notwendigkeit zur Veränderung. Es heißt also:

Umdenken und die Komfortzone verlassen, die Gegebenheit nutzen und mit Innovationen das Unternehmen stärken und so die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Innovationsförderung nutzen

Wie kann es also gelingen, trotz Umsatzeinbußen, Innovationsprojekte erfolgreich umzusetzen und neue Produkte an den Markt zu bringen? Hier bieten Bund und Länder einige Förderprogramme, die die Kosten des Projektes bezuschussen. Im Gegensatz zu den Krediten handelt es sich dabei um Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Mit Innovations- oder Technologieförderung können MitarbeiterInnen weiterhin im Unternehmen in Innovationsprojekten beschäftigt werden. So werden die Kapazitäten umgeleitet und die Kosten dafür übernehmen die Förderprogramme.

EXTRA: Kostenloses Whitepaper: Corona-Soforthilfe & Kurzarbeitergeld

ZIM Förderung

Beispielsweise fördert ZIM, das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand, die Bruttopersonalkosten aus Forschungs- und Entwicklungsprojekten, vereinfacht gesprochen, mit Zuschüssen zwischen 50 und 120 Prozent. Dadurch minimieren Unternehmen nicht nur das finanzielle Risiko eines FuE-Projektes, sondern schaffen das Potenzial, sich mit neuen Produkten und Verfahren vom Wettbewerb abzusetzen.

Ein ZIM Projekt kann sowohl im Alleingang als auch in Kooperation mit weiteren Unternehmen oder Forschungseinrichtungen durchgeführt werden. Durch diese Kooperationen mit (internationalen) Partnern entstehen nicht nur Synergien, es eröffnen sich zudem zusätzliche Vertriebskanäle. Weiterhin fördert ZIM sowohl bei der Vorbereitung des Projektes, mit Hilfe der sog. ZIM Durchführbarkeitsstudien, als auch bei der Markteinführung.

Steuerliche Forschungsförderung mit der Forschungszulage

Neu seit Anfang des Jahres ist die Forschungszulage. Mit der steuerlichen Förderung werden die Personalkosten des Innovationsprojekts um 25 Prozent erstattet, in Form einer steuerlichen Rückzahlung am Ende des Wirtschaftsjahres. Es können maximal 1 Millionen Euro Förderung erreicht werden. Die Förderung ist ebenfalls technologie- und branchenoffen, auch Kooperationen und Unteraufträge können gefördert werden.

Die Forschungszulage ist für größere Unternehmen ab 500 MitarbeiterInnen deutlich attraktiver.

Kleinere und mittlere Unternehmen sind mit der ZIM Förderung besser bedient, dennoch ist die steuerliche Forschungsförderung auch für sie eine gute Ergänzungsmöglichkeit.

Mit Fördermittelberatung zur Innovation

Neben ZIM und der Forschungszulage gibt es zahlreiche weitere Förderprogramme, die Innovationsprojekte im Unternehmen bezuschussen. Das Portfolio an Förderungen ist so breit gefächert, dass es für viele Unternehmen schon eine Herausforderung ist, ein passendes Programm zu finden. Außerdem scheuen sich viele vor der oftmals umfangreichen Beantragung.

Beispielsweise umfasst ein ZIM-Antrag mit Anlagen und Erläuterungen bis zu 100 Seiten. Die Zuschüsse stehen dem Unternehmen bei Bewilligung dann aber im Projekt zur Verfügung und können derzeit monatlich abgerufen werden. Abhilfe schaffen können Berater, die bei der Auswahl und der Beantragung der Fördermittel unterstützen. Die Erfolgschancen eines Förderantrags steigen dadurch deutlich und Unternehmen können sich durch die Entlastung auf ihre Kerntätigkeit konzentrieren. Orientierungshilfen bei der Auswahl des Beraters können Qualitätsstandards bieten wie Zertifizierungen durch ISO 9001 oder Autorisierungen vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) im Programm go-inno.

Langfristige Chance statt Krise

Eine Änderung im Mindset ist zunächst Voraussetzung, um Innovation und Krise in Einklang zu bringen. Es geht nun darum, die Zusammenhänge langfristig zu betrachten. Eine Innovation bedarf der Planung und einer Innovationsstrategie, die fest im Unternehmen verankert ist und von den MitarbeiterInnen getragen wird. Sie dient weniger der kurzfristigen Liquiditätssicherung, vielmehr als Grundlage des zukünftigen Erfolgs und als Basis für neue Geschäftsfelder. Mit Innovationsförderung und den geeigneten Förderprogrammen können Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen, die eigene Position ausbauen – und gegebenenfalls den Markt völlig neu strukturieren.

Dr. Jörg Rupp
Jörg Rupp ist promovierter Ingenieur und Betriebswirt mit über 20 Jahren Erfahrung in Innovation, Technologie und Fördermitteln. Nach einer internationalen Laufbahn in Start-up, Mittelstand und Konzern gründete er 2011 die Firma DORUCON – DR. RUPP CONSULTING GmbH.

Kommentiere den Artikel

Bitte gib deinen Kommentar ein!
Bitte gib hier deinen Namen ein

Der Artikel hat dir gefallen? Gib uns einen Kaffee aus!