Führen aus der Ferne: 4 Tipps wie es dir während des Lockdowns gelingt

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Führen aus der Ferne: 4 Tipps wie es dir während des Lockdowns gelingt
© Edward Jenner - pexels.com

Angesichts der großen Ängste und der prekären Situation für Beschäftigte hat es nie eine entscheidendere Zeit für eine starke Führung gegeben. Doch die Leitung, Beruhigung und Inspiration von getrennten Teams, denen ein Wandel aufgezwungen wurde, ist ohne Planung und Infrastruktur aus der Ferne nicht leicht zu bewerkstelligen.

Daher werden diejenigen, die gerade jetzt einen ungeplanten Crashkurs in Remote Leadership absolvieren, also Führung aus der Ferne, lernen, dass, wenn es um virtuelle Managementtechniken geht, es keine allgemeingültige Formel für alle gibt. Und sie müssen verstehen, dass die Auswirkungen der momentanen Situation verschiedene Menschen betrifft – mental, emotional und operativ – auf unterschiedliche Weise.

So könnten etwa extrovertierte Persönlichkeitstypen, die ihre Energie von Menschen erhalten, ohne die Lebhaftigkeit des Büros aufgrund der Isolation gerade mental am kämpfen sein. Auch diejenigen, die sich vor Veränderungen fürchten, tun sich eventuell mit Produktivität schwer, da sie neue Technologien erlernen und sich neue Routinen aneignen müssen.

Deine widerstandsfähigsten und agilsten Mitarbeiter sind unterdessen vielleicht auf dem Weg nach vorn, entschlossen, ihren Teil dazu beizutragen, das Unternehmen durch die Krise zu bringen – und setzen sich selbst möglicherweise einem erhöhten Burnout-Risiko aus.

1. Gefährdete Mitarbeiter identifizieren

Um die verschiedenen Persönlichkeitstypen durch Abschottung und Selbstisolierung in bessere Zeiten zu führen, musst du zunächst feststellen, wer die meiste Unterstützung benötigt.

Dr. Lucy English, Vizepräsidentin für Forschung und Wissenschaft bei meQuilibrium, dass Störungen am Arbeitsplatz für zwei Untergruppen von Mitarbeitern, die als „seelenvolle Leidende“ und „bemühten Superstars“ bezeichnet werden, am schädlichsten sein können.

  1. Die erste Gruppe, so sagt sie, ist sehr einfühlsam, was sie zu großartigen Mitarbeitern macht. Aber sie tragen auch eine erhöhte Stressanfälligkeit und ein höheres Risiko von Angst und Depressionen in sich, sodass sie anfällig für Burnout und Fehlzeiten sind. English empfiehlt, ihnen Unterstützung bei der Kontrolle von Emotionen anzubieten.
  2. Die zweite Gruppe sind die Draufgänger, die alles erledigen wollen. Sie sind zwar sehr agile und widerstandsfähige Menschen, die in einem Umfeld des Wandels und der Chancen gedeihen, aber sie weisen auch ein hohes Maß an Work-Life-Konflikten auf, die ihr volles Potenzial beeinträchtigen. English sagt: „Sie brauchen Hilfe, um die inneren Konflikte aufzudecken, die ihren Zeitmanagement-Stress schüren.“

Angesichts der Umstände dürfte der Konflikt zwischen Arbeit und Privatleben für die meisten Beschäftigten eine große Belastung darstellen. Wenn es das Budget erlaubt, solltest du es in Erwägung ziehen, Zugang zu Kursen auf einigen der vielen Schulungs- und E-Learning-Plattformen sowie zu Business-Coaching, Psychotherapie und Peer-Mentoring und Unterstützung anzubieten.

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2. Sei sensibel für die Angst vor Veränderungen

Dr. Terrell Strayhorn, der Präsident von Do Good Work, sieht die Bedrohung durch den Wandel vor allem für Arbeitnehmer des Typs A – definiert als zielorientiert und kontrollierend – und des Typs C, die rational und vorbereitet sind und Stabilität bevorzugen. Strayhorn sagt:

„Es ist nicht die Veränderung selbst, die die Arbeitnehmer fürchten, sondern wie sie sich dabei fühlen.“

Der Wandel aktiviert einen Bedrohungskreislauf in unseren Köpfen, und Gefühle der Unsicherheit und „das Unbekannte“ legen die Sorge um Versagen, Ablehnung oder Kritik offen. Hilf deinen Mitarbeitern dabei, diese Kernemotionen zu identifizieren und zu erkennen, so Strayhorn.

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Studien zeigen, dass der Einzelne mit Veränderungen besser zurechtkommt, wenn er sich über den Wert, den sie mit sich bringen, im Klaren ist. Deshalb müssen Führungskräfte, die lange Zeit der Fernarbeit misstrauisch gegenüberstanden, etwas anderes tun: Ihre Bedenken für sich behalten und für die Vorteile von Homeoffice werben, sowie die Mitarbeiter daran erinnern, warum es notwendig ist, drinnen zu bleiben und die Gesundheit ihrer Nachbarn und Angehörigen zu schützen.

3. Kommunikation fördern

Im Augenblick werden die meisten von uns unsere tief verwurzelten Sehnsüchte nach einer echten und bedeutungsvollen menschlichen Verbindung sehr stark spüren. Und Extrovertierte, die ihre Energie aus dem menschlichen Miteinander ziehen, haben vielleicht mehr zu kämpfen als deine introvertierten Mitarbeiter. Unternehmen müssen die Auswirkungen von Distanz und Isolation für diejenigen Mitglieder der Belegschaft ernsthaft überdenken, die eher extrovertiert sind.

Ziehe es in Betracht, auf Videokommunikation zu setzen, die die sozialen Anreize, die Extrovertierten im Gespräch zur Verfügung stehen, erhöht. Eine englische Studie aus dem Jahr 2011 ergab, dass Gesichter für diese Personengruppe eine wichtige motivierende Bedeutung haben.

Verstehe aber auch, dass verschiedene Menschen unterschiedliche Kommunikationspräferenzen haben werden. Bring deine Mitarbeiter dazu, dir das zu signalisieren und reagiere entsprechend – sei kompromissbereit.

4. Sei menschlich und verfügbar

Das Mächtigste, was eine Führungskraft in einer Krise tun kann, ist Menschlichkeit zu zeigen. Tu genau das, indem du dich über mehrere Kommunikationsplattformen hinweg zur Verfügung stellst und den Stand der Dinge transparent machst. Veranstalte Live-Q&As auf deinem internen Social-Media-Feed, schreibe Beiträge und nimm kurze Videos zur internen Veröffentlichung an deinem digitalen Arbeitsplatz auf, ermutige zu nicht geschäftlichem Geplauder und beteilige dich daran.

Nimm an der einen oder anderen virtuellen sozialen Aktivität teil, die deine Mitarbeiter organisieren, um die Arbeitsmoral zu verbessern.

Es gibt ein virtuelles Äquivalent zu einer „Politik der offenen Tür“. Mach deinen Kalender öffentlich und lade deine Mitarbeiter ein, Zeitnischen zu buchen, damit sie Fragen stellen können. So findest du heraus, wie gut deine Mitarbeiter wirklich zurechtkommen. Führungskräfte aus der Ferne müssen sich weit mehr auf ihre Intuition verlassen als solche, die solche, die sich in der Nähe ihrer Mitarbeiter aufhalten.

Dieser Artikel wurde von Nigel Davies auf Englisch verfasst und am 07.04.2020 auf www.forbes.com veröffentlicht. Wir haben ihn für euch übersetzt, damit wir uns mit unseren Lesern zu relevanten Themen austauschen können!

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