Angst im Change nutzen: 5 Tipps für Führungskräfte

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Angst im Change nutzen: 5 Tips für Führungskräfte
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In Veränderungen ist Angst der wichtigste Motor oder die schlimmste Bremse.

Angst ist immer mit im Spiel. Ob wir sie wahrnehmen oder nicht. Ob wir sie leugnen, wegdiskutieren, verspotten oder ignorieren. Angst zu erkennen und nutzen zu lernen, ist das Zünglein an der Waage.

Angst erschwert und verhindert Veränderungen

Ändert sich etwas, entsteht Angst. Immer. Beim einen mehr, beim anderen weniger. Auch, wenn sie nicht als solche gezeigt wird. Auch, wenn sie als solche nicht wahrgenommen wird. Manche sind gefühlt völlig angstfrei und freuen sich auf das Neue. Veränderungen bedeuten immer, Bekanntes hinter sich zu lassen und sich auf Unbekanntes einzulassen. Nicht jeder hat gelernt, mit dieser völlig natürlichen Dynamik des Lebens konstruktiv umzugehen.

Angst ist völlig normal und wichtig

Angst ist eine völlig normale menschliche Funktion wie das Atmen: Sie geschieht zumeist völlig automatisch, wir können sie beeinflussen und lenken, ihre Fallstricke erkennen und vermeiden. Doch wir können nicht ohne sie leben.

Deshalb verfolgen wir nicht länger das Ziel, keine oder weniger Angst zu haben, sondern wir werden ihre Vorzüge zu nutzen lernen.

Angst wird uns meist nur in bestimmten Situationen bewusst, wie etwa wenn es brenzlig wird, jemand an einer Angstform erkrankt ist, wir selbst oder bei anderen Panik erleben. Meist ist Angst gar nicht in unserem Sprachgebrauch vorhanden. Wir sagen eben „Ich bin nervös.”, „Mir ist mulmig.”, „Da kriege ich sooo einen Hals!” usw. Schon sind wir mitten in der Entstehung von Angst:

  • Angst ist normal, sie kann sich jedoch bis hin zur Erkrankung oder Überreaktion steigern.

Angst zu ignorieren, zu unterdrücken, tot zu reden oder sie zu verspotten, zeigt gerade mit Angst nicht umgehen zu können. Weder mit der eigenen, noch mit der Angst anderer. Doch wie entsteht eigentlich Angst?

Bewertung: die Weichenstellung hin zur Angst

Inneren oder äußeren Umständen zur Verstärkung von Angst sind wir alle permanent mehr oder weniger ausgesetzt. Jedoch haben wir den größten Hebel, ob Angst zum Motor oder zur Bremse wird, genauso permanent selbst in der Hand: Unsere Fähigkeit zu bewerten. Etwas ist gut oder schlecht, nützlich oder unnütz usw.

Dieses Bewerten ist Ergebnis unseres Erfahrungslernens. Es schützt uns davor bekannte Fehler zu wiederholen und hilft uns, Gefahren zu vermeiden und neue Erfahrungen zu machen. Reflektieren wir unser Denken und Empfinden nicht, bleiben wir unbemerkt in unserem Wahrnehmungstunnel und handeln nach geläufigen Mustern. Damit ändern sich unsere Erfahrungen und unser Leben kaum. Besser gesagt eher zufällig und wir nehmen uns nur zu leicht als Opfer wahr.

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Interessant, denn die Situationen und Umstände, die wir erleben, sind zunächst einfach nur wie sie sind. Erst unsere Bewertung macht sie zu dem, was wir letztlich bei ihnen fühlen.

  • Negative Bewertungen lassen eine destruktive Gedankenstrudel entstehen.

Bewerten wir daraus entstehende körperliche Reaktionen wie Nervosität, Zittern, beschleunigte Atmung, trockener Mund, schwitzende Hände, nervöser Darm, eingeengtes Denken usw. als Bestätigung der Gefährlichkeit der Situation, können wir Angst bis zur Panik steigern: Der Teufelskreis der Angst. Das läuft meist völlig unbewusst ab. Bei Traumatisierungen wird dies sogar zu einem Automatismus ohne Einflussmöglichkeit.

Wieso werden wir so leicht Opfer unserer Angst?

Angst entsteht aus den verschiedensten Gründen. Bestimmte Ängste oder allgemein Ängstlichkeit sind teilweise genetisch disponiert. Bewusste und unbewusste Lebenserfahrungen fördern allgemeine Ängstlichkeit, bestimmte Ängste oder wirken als gelernte Ängste. Ebenfalls dazu beitragen:

  • Krankheiten
  • der Konsum von Suchtstoffen und Stimulanzien
  • ein destruktiver Lebenswandel mit zu viel Disstress
  • zu wenig Erholung, Schlaf, Bewegung
  • ein negatives soziales Umfeld

Diese Angstförderer lassen sich verändern, wenn auch nicht von heute auf morgen.

Nutzen der Angst: Motor oder Bremse? Du entscheidest!

Auch wenn wir nur den geringsten Teil unserer Angst bewusst wahrnehmen, so können wir doch sehr deutlich entscheiden, wie wir uns mental Veränderungen stellen.

Angst als Motor

Angst schützt uns vor bekannten oder vermuteten Fehlern und macht uns kurzzeitig hochgradig leistungsfähig: körperlich wie geistig.

Als wichtige Stimulanz hilft uns Angst eine eindeutig erkennbare Gefahr gezielt abzuwenden. Immense Körperliche und geistige Kräfte werden in diesem Abwehr-Modus mobilisiert: Präsentationen oder ganze Projekte schließen wir haarscharf zur Deadline ab. Diese Motorwirkung ist extrem energieaufwendig und kann nur kurzfristig schadlos beansprucht werden.

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Angst als Bremse

Ist die Bedrohung zu global, zu diffus, ist sie nicht als Einzelereignis erkennbar, das mit gesteigertem Energieaufwand absehbar beseitigt werden kann?

Dann setzt sich, meist völlig unbewusst, das Gedankenkarussel der Schreckensszenarien in Gang.

Diese Fantasien bewirken ein Abschalten höherer geistiger Fähigkeiten und wir werden dümmer als wir sind. Ein über viele hundertausend Jahre entwickeltes Abwehrsystem aus Angriff, Flucht, Verteidigen oder Totstellen setzt sich in Gang. Wir fallen dann in alte Verhaltensmuster zurück, auch wenn wir es in entspanntem Zustand tatsächlich besser könnten: Schreien, Schimpfen, Beleidigen, Schweigen, Schmollen, Ausflüchte, Weinen usw.

Auf der nächsten Seite erfährst du 5 konkrete Tipps, um dich von der Angst nicht lähmen zu lassen.

Jörg Romstötter
Jörg Romstötter, Wirtschafts-Coach, verhilft Unternehmern, Führungskräften und Führungsteams natürlich und schlau zu führen. Er begleitet seine Kunden zu höherer Wirksamkeit und durch schwierige Zeiten. In Büchern und Blog bietet er praktische Lösungen für zeitlose Selbstführung und Führung. Psychologie, Philosophie und pragmatische Spiritualität, Selbsterfahrung und das Unterwegssein in der Natur nützt er für seine natürlich-erdige Kreativität.

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