Fachliche Expertise auf dem Arbeitsmarkt: Warum sie so wichtig ist

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Niemand verfügt über Wissen zu jedem Themengebiet. Dennoch tummeln sich etliche „GeneralistInnen“ auf dem Arbeitsmarkt. Sie können eine Website erstellen, gestalten sie bei Bedarf auch gleich und bieten vielleicht sogar an, auch die Produktfotos zu schießen. So praktisch das klingen mag, derlei GeneralistInnen haben oft nur begrenzt Erfolg. Denn sie verfügen über keine wirkliche Expertise.

Was heißt „Expertise“ eigentlich?

Der Duden definiert den Begriff Expertise einerseits als „Gutachten eines Experten“, andererseits als „Fachkenntnis“ und „spezielles Wissen“. Um letztere beiden Definitionen soll es auch in diesem Beitrag gehen. In der Regel wird dann von Expertise gesprochen, wenn eine Person über deutlich mehr Wissen verfügt als der Durchschnitt. Aufgrund dessen kann die Person Probleme besser lösen oder mitunter Herausforderungen kreativer angehen.

Wenn es um branchenspezifische Probleme geht, ist oft Expertise gefragt. Nur, wer dann ExpertIn ist, sich Wissen angeeignet und viel Erfahrung sammeln konnte, wird diese Herausforderungen effizient und sicher meistern können.

Warum ist Expertise auf dem Arbeitsmarkt so wichtig?

Auf den ersten Blick scheint es – oder schien es zumindest in naher Vergangenheit –, als hätten GeneralistInnen am Arbeitsmarkt bessere Chancen. Sie setzten sich dabei gegen ExpertInnen durch, bei denen das eine Fachgebiet, PersonalerInnen oft als zu wenig vorkam.

Doch die Erfahrung lehrte Arbeitgeber, dass viele AllrounderInnen in einer Abteilung nicht gerade die effizienteste Art der Arbeit ermöglichen. Vielmehr ist im täglichen Einsatz an verschiedenen Stellen Expertenwissen gefragt.

Wenn nur GeneralistInnen sich der Sachen annehmen und sich damit vertraut machen müssen, verzögern sich Arbeitsprozesse.

Immerhin erkennen immer mehr Arbeitgeber, dass es das „Risiko“ wert ist, häufiger auf ExpertInnen zu setzen. Nicht nur deshalb wird es für Auszubildende und junge Arbeitssuchende auch immer interessanter, über Expertise zu verfügen und sich spezifisches Fachwissen anzueignen. Hierfür spricht vielmehr auch, dass sich sogenannte „HeadhunterInnen“ auf dem Arbeitsmarkt bevorzugt nach Spezialisten umschauen, die besondere Fähigkeiten mitbringen. Von solchen TalentsucherInnen entdeckt zu werden, kann ganz neue Karrieremöglichkeiten und Aufstiegschancen eröffnen.

Wie erkennt man Experten?

Die Frage, wie sich ExpertInnen erkennen lassen, ist nicht nur für erwähnte HeadhunterInnen und für Arbeitgeber, bzw. PersonalerInnen interessant, die nach ebenjenen auf der Suche sind. Vielmehr sollten auch Arbeitnehmer wissen, was einen Experten auszeichnet, um gegebenenfalls zu einem solchen werden zu können. Außerdem lässt sich so überprüfen, ob man vielleicht durch die Aus- und Weiterbildungen und den Lebenslauf über Expertise in einem bestimmten Bereich verfügt.

  • Expertenwissen besteht nie rein aus theoretischem oder praktischem Wissen, sondern immer aus einer Kombination von beidem. Wer beispielsweise das User Interface Design eines Webshops bemängelt und genau weiß, woran es hapert, sollte auch in der Lage sein, dieses zu optimieren. Schlägt sich dies nicht in erhöhtem Traffic nieder, ist an der Expertise mitunter zu zweifeln.
  • Spontan auftretende Probleme, die das Fachgebiet betreffen, in der ein vermeintlicher Experte heimisch ist, sollten von diesem spontan lösbar sein. Zumindest sollte ein Experte über die Fähigkeit verfügen, Probleme in seinem Fachbereich kreativ anzugehen und Lösungsvorschläge zu liefern, auf die andere vielleicht nicht gekommen sind.
  • Expertise erfordert immer Erfahrung über Zeit. Wer zum Beispiel einen oder vielleicht sogar zwei Onlineshops aufgebaut hat oder seit einigen Monaten immer wieder Produktfotos konzipiert und erstellt hat, ist noch lange kein Experte. Oft braucht es Jahre an Erfahrung und das Durchleben von Entwicklungen einer Branche, bis Expertenwissen entsteht und sich als solches festigt.

Expertise erlangen – So kann es funktionieren

Wer selbst Expertise erlangen möchte, aber ein wenig überfragt ist, wie das funktioniert, sollte sich einige Schritte vergegenwärtigen, die eine grobe Struktur des Prozesses geben. Natürlich wird jeder auf andere Art und Weise ExpertIn auf seinem Gebiet. Doch ein etwaiger Ablauf findet für gewöhnlich immer ähnlich statt.

1. Das Expertengebiet eingrenzen

Das Expertengebiet zu bestimmen ist der wichtigste Schritt. Schließlich sollte die zukünftige Arbeit Spaß machen und einem nicht zu schwerfallen. Nicht jedes Gebiet eignet sich für jeden.

Ein gewisses Talent und die Leidenschaft für eine Sache müssen vorhanden sein, um ExpertIn werden zu können.

Es gilt daher, sich zunächst die eigenen Kompetenzen zu vergegenwärtigen und dabei ehrlich mit sich zu sein. Dadurch ergeben sich oft von selbst die möglichen Richtungen.

2. Wissen aneignen und Weiterbildung

Als ExpertIn gilt nur, wer in einem ausgewählten Bereich über vertieftes Wissen verfügt und sich auch stets auf seinem Gebiet weiterbildet. ExpertInnen kennen alle Trends, den Markt sowie die wichtigsten und besten Quellen für relevante Informationen auf ihrem individuellen Fachgebiet.

3. Kontakte aufbauen

Nicht jeder Experte wird von einem Headhunter entdeckt. Gerade bei der Fülle von MitbewerberInnen geht es heute darum, selbstständig Kontakte herzustellen und von sich Reden zu machen. Selbstmarketing, bei dem die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten extrapoliert werden, gehört dazu. Durch den Kontakt mit Gleichgesinnten, Interessenten und der Konkurrenz vergrößert sich außerdem auch der Wissensschatz.

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4. Einen Ruf erlangen und ihm gerecht werden

Wer mit speziellen Fähigkeiten wirbt, muss diese gekonnt einsetzen. Dadurch lässt sich ein Expertenstatus erlangen. ExpertInnen, die sich auf ein Gebiet konzentrieren, dürfen in diesem nicht versagen.

5. Das Wissen teilen

Manch ein Experte ruht sich irgendwann auf seinem Wissen aus. Außerdem halten sich viele zurück, wenn es darum geht, ebenjenes mit anderen zu teilen. Groß ist die Angst, somit den Expertenstatus zu verlieren, weil die anderen dann das gleiche Wissen haben. Diese Angst ist unbegründet, denn die Tiefe an Wissen, die ein Experte hat, erreicht eben nur, wer ebenfalls jahrelange Erfahrungen sammelt. Außerdem sorgt das Teilen der Expertise und eventuell öffentliche Präsentieren dieser – etwa in Fachmagazinen, Interviews oder gar eigenen Büchern – dafür, dass der Expertenstatus zementiert wird. Dadurch entsteht höchstwahrscheinlich neues Interesse und es werden mehr potenzielle KundInnen aufmerksam.

6. Expertise nutzen, ohne zu prahlen

Echte ExpertInnen prahlen selten mit ihrer Kompetenz.

Die Praxis beweist sowieso, ob Expertise vorhanden ist, sodass man sich mit falschen Versprechungen nur selbst ins Aus manövriert. Sachlich argumentativ zu erörtern, warum man für eine Stelle oder bestimmte Aufgaben allerdings besser geeignet ist als ein Allrounder, kann hingegen nicht schaden.

Stefanie Walter ist als Beraterin für diverse Unternehmen in den Bereichen Finanz, Management und Marketing tätig. Ihr Fachwissen teilt sie gerne mit kleinen und mittelständischen Betrieben.

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