AÜG-Reform: So hat sich die Zeitarbeit seitdem entwickelt

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AÜG-Reform: So hat sich die Zeitarbeit seitdem entwickelt

Neben dem nun zweijährigen Bestand der AÜG-Reform am 1. April 2019, hat die Bundesagentur für Arbeit die neuesten statistischen Zahlen zur Zeitarbeitsbranche veröffentlicht. Die Änderungen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes und die Entwicklung der Zeitarbeit geben Anlass zur genauen Betrachtung.

Welche Konsequenzen haben sich für den Arbeitsmarkt ergeben?

Dem Bericht der Bundesagentur für Arbeit aus Januar 2019 zur „aktuellen Entwicklung in der Zeitarbeit“ kann entnommen werden, dass im ersten Halbjahr 2018 die Eintritte und Austritte in und aus der Zeitarbeitsbranche nahezu identisch waren.

Von 777.000 eingegangenen Beschäftigungsverhältnissen wurden 776.000 wieder beendet.

Dies entspricht im Vergleich zu 2017 einer Steigerung von 17 Prozent mehr Ein- und Austritten.

Somit betreiben die Zeitarbeitsunternehmen einen hohen Aufwand für die Rekrutierung, Betreuung, sowie Administration. Seit dem erstmaligen Eintreten der Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten zum 01.10.2018, hat dieser Trend an Dynamik weiter zugenommen.

Chancen durch Zeitarbeit

Die Zeitarbeit ist auch der verlängerte Arm für die Bundesagentur für Arbeit. Die IT- Fachkräfte des Personaldienstleisters wu personal kommen beispielsweise zu 95 Prozent aus dem zweiten Arbeitsmarkt und sind durchschnittlich knapp zwölf Monate im Einsatz.

  • Etwa 20 Prozent der Fachkräfte werden vom Einsatzunternehmen übernommen
  • 15 Prozent werden in wechselnden Projekten eingesetzt
  • Zwei Drittel fließen wieder in den zweiten Arbeitsmarkt zurück

Genauer betrachtet haben 60 Prozent der Arbeitnehmer, welche ihre Beschäftigung in der Zeitarbeit aufnehmen, vor ihrer Anstellung Arbeitslosengeld I bezogen. Eine viel bedeutendere Rolle spielt die Personaldienstleistung aber für die arbeitslos Gemeldeten, die vor Ihrer Tätigkeitsaufnahme lediglich die Grundsicherung (Arbeitslosengeld II) bezogen haben. Jede vierte Beschäftigungsaufnahme aus diesem Personenkreis erfolgt in der Zeitarbeit.

Ähnlich verhält es sich mit geflüchteten Personen aus den Hauptasylherkunftsländern. Ein Drittel aller gemeldeter Arbeitslosen aus diesen Ländern erhielten in der Zeitarbeit ein Anstellungsverhältnis.

Über 90 Prozent der Zeitarbeitnehmer werden aus dem zweiten Arbeitsmarkt rekrutiert.

Kurz gesagt: die Zeitarbeitsbranche bringt den „zweiten Arbeitsmarkt“ in „Lohn und Brot“, steht aber auch in starker Abhängigkeit zu diesem und der konjunkturellen Entwicklung.

Unsichere Zukunft der Branche

Aufgrund des derzeitigen Fachkräftemangels auf der einen Seite und der sich aus der Konjunktur ergebende hohe Bedarf an Arbeitskräften auf der anderen Seite, birgt die Zeitarbeitsbranche Chancen für den zweiten Arbeitsmarkt.

Neben der großen Chance auf Integration ins Arbeitsleben, aber auch dem hohen Aufwand durch die sich steigernde Dynamik für alle Beteiligten, bleibt die Frage nach der Perspektive und der Wirtschaftlichkeit der Zeitarbeitsunternehmen.

Sollte sich die konjunkturelle Lage eintrüben, wären der zweite Arbeitsmarkt und die Branche stark betroffen. Die AÜG-Reform, mit allen Änderungen und Neuerungen, verliert in diesem Szenario an Wirkung und könnte sich sogar gegen die Arbeitnehmer aus dem zweiten Arbeitsmarkt richten. Die Zahl der beendeten Arbeitsverhältnissen nach 18 Monaten könnte sich um ein Vielfaches erhöhen, denn wenn Firmen nicht selbst einstellen, übernehmen sie auch keine Zeitarbeitskräfte.

EXTRA: Zeitarbeit: Die Pros und Contras und was man darüber wissen sollte

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