Was du für dein Energiemanagement wissen musst

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Was du für dein Energiemanagement wissen musst
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Wir stressen uns zu sehr, Burnout ist in allen Medien präsent, und Unternehmen suchen nach den besten Rezepten, um ihre MitarbeiterInnen gesund zu erhalten – vom Email-Verbot am Abend bis hin zur Fitness am Arbeitsplatz. Aber ist es wirklich für alle gleichermaßen ideal, sich in die Ruhe des Hatha-Yoga zu begeben und sich Online-Abstinenz aufzuerlegen? Wenn wir die Hirnforschung und die Psychologie befragen, lautet die Antwort: Nein. Energiemanagement ist etwas, das mit der eigenen Persönlichkeit eng zusammenhängt und ihr entsprechen soll.

Es lohnt sich besonders, einmal auf den „kleinen Unterschied“ zwischen Intro- und Extrovertierten zu sehen: Für dein Energiemanagement kann es entscheidend sein, wenn du weißt, dass du als „Intro“ von anderen Maßnahmen profitierst als „Extros“, wenn du dich wirklich erholen willst. Wer da per Autopilot von allgemeinen Empfehlungen ausgeht, liegt rein rechnerisch in der Hälfte der Fälle ziemlich schief. Das hört sich dann so an:

  • „Seit ich meditiere, habe ich das Gefühl, der Wahnsinn kriecht in mir hoch.“ (Zitat einer Extrovertierten im Restaurant)
  • „Papa, für mich ist Fußball aber Stress.“ (Zitat unseres introvertierten Sohnes)

Der andere „kleine Unterschied“

Intros …

  • sind von vielen Eindrücken leicht überwältigt und mögen deshalb Überschaubares und Kalkulierbares.
  • schätzen Sicherheit/Berechenbarkeit.

Extros …

  • mögen viele verschiedene Eindrücke und deshalb den Wechsel zwischen unterschiedlichen Infos und Medien.
  • schätzen Belohnungen/reizvolle Ziele.

Diese beiden Unterschiede sind messbar – an Botenstoffen, Aktivitätszentren und elektrischen Strömen im Hirn. Sie haben eine wichtige Bedeutung für die Art und Weise, in der du als Intro oder Extro deine Batterien auflädst.

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Intro-Erholung

  • Gehe zum Erholen bewusst in eine stimulationsarme Situation, damit du die Eindrücke aus der Außenwelt in Ruhe verarbeiten und zu deiner Lebendigkeit zurückfinden kannst. Lasse Musik und andere Hintergrundbeschallung weg. Gut zum Erholen sind Bewegungen, bei denen du nicht viel nachdenken musst und über eine längere Zeit oder langsam durchführst. Oder einfach: nichts tun!
  • Sorge dafür, dass du dich in Zeiten der Erholung sicher und geborgen fühlst. Besonders hilfreich ist es, bestimmte Rituale zu pflegen – allein die Wiederholung sorgt für das Gefühl, festen Boden unter den Füßen zu haben.
  • Einige Beispiele: Schlafen, Meditation, Hatha-Yoga, Wandern, Jogging, Tai-Chi, Pilates, Kraftübungen allein

Extro-Erholung

  • Versorge dein Hirn auch in der Erholungsphase mit überschaubaren Eindrücken aus der Außenwelt – sie sorgen dafür, dass du dich lebendig fühlst. Dazu eignen sich Aktivitäten, die du mit netten Menschen gemeinsam verfolgst oder die dir angenehme Abwechslung verschaffen und Routinen vermeiden. Es strengt dich auch nicht übermäßig an, wenn du in Teams aktiv bist oder Musik im Hintergrund laufen lässt.
  • Gönne dir in Erholungsphasen kleine reizvolle Abschnitte spaßbesetzter Aktivität: Das kann Fußball mit FreundInnen sein oder auch Wettbewerbe mit anderen oder sich selbst (z.B. Fortschritte per App verfolgen)
  • Einige Beispiele: Bewegungsmeditation, Kundalini-Yoga, Team- und Kampfsportarten, Fitness-Kurse

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Last but not least: Wir sind alle Mischungen …

… aus intro- und extrovertierten Eigenschaften, meist mit einem mindestens leichten Übergewicht zu einer Seite. Berücksichtige deshalb deine ganz persönliche Mischung für dein Erholungsprogramm. Experimentiere mit verschiedenen Aktivitäten und finde heraus, was für dich besonders gut passt. Unser Sohn betreibt zum Beispiel als Intro begeistert Aikido für sein Energiemanagement – was aus der Extro-Dame aus dem Eingangszitat geworden ist, weiß ich allerdings nicht.

Dr. Sylvia Löhken
Dr. Sylvia Löhken ist Expertin für intro- und extrovertierte Kommunikation. Nach über einem Jahrzehnt in "Intro-Biotopen" zeigt sie heute, wie der "kleine Unterschied" zwischen Intro- und Extrovertierten aussieht – und wie beide Persönlichkeitstypen gut zusammen leben. Ihr Buch "Leise Menschen – starke Wirkung" wurde zum Bestseller. Sie wurde als Vortragsrednerin des Jahres 2012 ausgezeichnet. Über die Pink University ist ihr Videotraining "Introvertiert – und erfolgreich im Beruf" erhältlich.

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