Liebe am Arbeitsplatz: Was tun?

2074
Liebe am Arbeitsplatz: Was tun?
@ zinkevych - stock.adobe.com

Viele Menschen treffen ihre Partner bei der Arbeit. Und dennoch ist es oft verpönt, mit einem Kollegen auszugehen. Einige Unternehmen haben sogar explizite Richtlinien dagegen.

Was machst du also, wenn du mit einem Kollegen geflirtet hast und eine Beziehung in Erwägung ziehst? Sollte das, was aus beruflicher Sicht richtig ist, Vorrang vor dem haben, was für dein persönliches Leben am besten ist?

Es gibt durchaus gute Gründe, warum sich Mitarbeiter ineinander verlieben. Schließlich verbringt man sehr viel Zeit auf der Arbeit und mit den Kollegen. Je vertrauter Menschen miteinander werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass man sich zueinander hingezogen fühlt.

Falls du an einem Kollegen oder einer Kollegin Interesse zeigst, dann solltest du über Folgendes nachdenken:

1. Sei dir der Risiken bewusst

Am Anfang einer Liebelei ist alles ganz wundervoll. Aber natürlich besteht die Möglichkeit, dass die Beziehung nicht funktioniert und dass es auf einer oder beiden Seiten verletzte Gefühle gibt. Dann wird es schwierig, weiterhin als Kollegen miteinander zu arbeiten. Zudem könnte das Team unter dieser Situation leiden, falls es zu zwischenmenschlichen Spannungen kommt.

Es gibt auch potenzielle Interessenkonflikte. Wenn du mit einem Teamkollegen ausgehst, stellst du dann die Interessen des Teams oder des Einzelnen an erste Stelle? Einige Kollegen denken vielleicht, dass du den Partner deiner Wahl bevorzugt behandelst oder umgekehrt. Deine Professionalität könnte in Frage gestellt werden.

2. Die besten Absichten haben

Wenn du dir dieser Risiken bewusst bist und die Beziehung zu deinem Kollegen/deiner Kollegin dennoch intensivieren möchtest, sind deine Absichten von Bedeutung.

Immerhin spiegeln die Reaktionen deiner Kollegen das wider, was sie von deiner Romanze halten und darüber denken.

Wenn du eine Beziehung suchst, um in deinem Unternehmen voranzukommen bzw. deine Karriere zu fördern, wird das von deinen Kollegen als negativ empfunden.

Andererseits werden deine Kollegen Verständnis für deine Liebelei zeigen, wenn sie das Gefühl haben, dass du dich wirklich verliebt hast und ihr zwei gut zueinander passt.

3. Kenne die Politik deines Unternehmens

Viele Unternehmen verbieten ihren Mitarbeitern, sich mit Kollegen, Lieferanten, Kunden oder Zulieferern zu verabreden oder verlangen bestimmte Offenlegungen. Darüber musst du dich unbedingt informieren, bevor du eine Beziehung eingehst.

Auch wenn du die Gründe für bestehende Regelungen nicht verstehst, so kannst du sie dennoch nicht ignorieren. Wenn du bereits gegen eine Richtlinie verstoßen hast, solltest du so früh wie möglich die Wahrheit sagen. Je länger du wartest, desto schlimmer können die Konsequenzen sein.

Vorschriften können immer aufgehoben oder geändert werden. Manchmal entwickeln sich auch neue Regeln, wie durch die #MeToo-Bewegung.

Bei Facebook und Google wurden beispielsweise neue Richtlinien für die Beziehungen der Mitarbeiter untereinander festgelegt.

4. Halte dich von Chef und Mitarbeitern fern

Was auch immer passiert, lasse dich weder mit deinem Chef noch mit einem Mitarbeiter ein.

Hier sind die Interessenkonflikte am stärksten ausgeprägt. Deine Objektivität wird in Frage gestellt, wenn du deiner Beziehung eine Leistungsbewertung geben musst. Und im anderen Fall sollen die Leute nicht denken, dass du bevorzugt behandelt wird, weil du eine Liebelei mit deinem Vorgesetzten hast. Das kann das eigene Selbstvertrauen untergraben und die Moral des Teams verletzen.

In manchen Unternehmen ist die Unternehmenspolitik ganz klar geregelt. Wer sich auf eine Romanze mit einer dienstlich untergestellten Person am Arbeitsplatz einlässt, muss gehen. Das zeigt das Beispiel vom ehemaligen McDonald’s Chef Steve Easterbrook.

Eine Chef-Angestellten-Romanze kann aber durchaus vorkommen und manchmal funktionieren diese Beziehungen auch. Falls du das in Betracht ziehst, solltest du sofort Maßnahmen ergreifen: Entweder du wechselst den Chef oder du leitest ein anderes Team.

5. Verstecke dich nicht

Es ist wichtig, offen über deine Beziehung mit Kollegen und dem Chef zu reden. Wenn du in die Offensive gehst und alle direkt ansprichst, dann wird es zu keiner unangenehmen Situation kommen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich deine Kollegen für dich freuen. Aber wenn du es verheimlichst, werden sie es trotzdem erfahren und hinter deinem Rücken tuscheln.

Halte deine Enthüllung einfach und unkompliziert. Du könntest so etwas sagen wie: „Wir hatten ein paar Verabredungen, aber ich bin nicht sicher, ob und was darauf wird. Sie verstehen sicherlich, dass ich nicht näher auf unser Privatleben eingehen möchte.“

Achte darauf, dass du zuerst mit deinem Vorgesetzten über die Beziehung sprichst. Dann kann der Chef entscheiden, wie es dem Team gesagt wird und ob du weiterhin mit deiner Liebelei in einem Team zusammen arbeiten kannst.

Ob die Personalabteilung davon in Kenntnis gesetzt wird oder nicht hängt von der Unternehmenspolitik ab.

6. Setze Grenzen

Wenn du weiterhin mit deinem Partner in einer Abteilung arbeitest, musst du unbedingt professionell bleiben. Setze gemeinsam mit deinem Partner Grenzen und verzichtet auf Zuneigungen auf der Arbeit. So unangenehm und unromantisch dieses Gespräch auch sein mag, ihr müsst darüber reden, wie ihr den Umgang im Job miteinander meistern könnt.

Die Spannungen auf der Arbeit oder in der Beziehung sollen sich schließlich nicht auf eure Professionalität auswirken.

7. Wenn ihr euch trennt

Es kann nicht jede Beziehung funktionieren. Und wenn ihr euch zu einer Trennung entschließt, solltet ihr vorbereitet sein.

Auch hier musst du dich nicht verstecken. Geh lieber in die Offensive und sprich mit dem Team offen über die Trennung. Mach aber deutlich, dass du nicht weiter über deine Privatsphäre reden willst.

Nach einer Trennung versuche auf der Arbeit so professionell und objektiv wie möglich sein. Vermeide es, negativ über deine Beziehung zu sprechen, sonst fällt ein schlechtes Licht auf dich.

Dieser Artikel wurde auf Englisch verfasst und am 14.02.2019 von Ami Gallo auf hbr.org veröffentlicht. Wir haben ihn für euch übersetzt, damit wir uns mit unseren Lesern zu relevanten Themen austauschen können!

Du willst nichts mehr verpassen?

Newsletter & ePaper

  • die besten Artikel in dein Postfach
  • unser ePaper - alle 2 Monate gratis
  • Rabattaktionen & Gewinnspiele
  • kostenlos & jederzeit abbestellbar
unternehmer.de
unternehmer.de ist das Wissensportal für Fach- und Führungskräfte im Mittelstand, Selbständige, Freiberufler und Existenzgründer.

Kommentiere den Artikel

Bitte gib deinen Kommentar ein!
Bitte gib hier deinen Namen ein

Der Artikel hat dir gefallen? Gib uns einen Kaffee aus!