Pop-Up Stores: Was steckt hinter dem temporären Ladenkonzept?

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Pop-Up Stores: Was steckt hinter dem temporären Ladenkonzept?
© Mike Petrucci - unsplash.com

Ein Pop-Up Store ist ein Weg für UnternehmerInnen, GründerInnen und Unternehmen jeder Größe und jedes Budgets, die Zehenspitzen ins kühle Nass des Einzelhandels zu stecken, bevor sie eine große Investition tätigen.

Wenn du schon einmal darüber nachgedacht hast, deine Geschäftsidee oder dein neues Produkt im stationären Handel zu testen, oder deinen Online-Shop um einen stationären Laden zu erweitern, aber von den Kosten und der Verpflichtung abgeschreckt wurdest, könnte ein Pop-Up Store die Lösung sein. Ein temporäres Geschäft ermöglicht es dir, deine KundInnen dort zu treffen, wo sie leben. Deine Produkte kannst du außerdem einer neuen Zielgruppe präsentieren. Gleichzeitig kannst du kurzfristig deine Absatzzahlen erhöhen, ohne mehr Geld in die Kundenakquise zu stecken.

Definition: Was ist ein Pop-Up Store?

Ein Pop-Up Store ist eine kurzfristige, temporäre Einzelhandelsfläche, in der große Marken, kleine sowie mittelständische Unternehmen und GründerInnen mit ihren KundInnen persönlich interagieren. So können sie ihre Botschaft an potenziell neue KundInnen kommunizieren. Pop-Up Stores können wie normale Ladengeschäfte aussehen, aber viele Marken nutzen sie, um ein einzigartiges, ansprechendes Einkaufserlebnis zu schaffen.

Reine Online-Marken nutzen Pop-Ups oft, um herauszufinden, ob die Welt des Offline-Verkaufs für ihr Unternehmen sinnvoll ist, ohne dass sie das finanzielle Risiko eines permanenten Ladengeschäfts eingehen müssen.

Wie funktioniert ein Pop-Up Store?

In der laufenden Neuerfindung des Einzelhandels beleben Pop-Up Läden nicht nur die Einkaufszentren und Einkaufsstraßen, sie florieren auch in kleinen Viertel und Seitenstraßen.

Pop-Up Stores hauchen den Städten neues Leben ein.

Pop-Up-Stores schaffen ein Erlebnis

Pop-Up Konzepte entstehen mit der Energie der Neuartigkeit. Sie machen sich die Kraft des Erlebnismarketings zunutze und schaffen eine Einzelhandelsumgebung mit einem gewissen Etwas. In den letzten Jahren haben KundInnen begonnen, weniger für Produkte auszugeben und leisten sich stattdessen Erlebnisse wie Kinobesuche oder Restaurantbesuche. Während dies für einige Einzelhändler schlecht war, hat es im Markt eine Lücke für Pop-Up Stores hinterlassen.

Pop-Up Stores sind auffällig

Pop-Up Stores strahlen, auch aufgrund ihres temporären Charakters, Einzigartigkeit und Exklusivität aus und profitieren von ihrer Unabhängigkeit. Ein ausgefallenes Setting kann das Erlebnis, das KundInnen haben, auf das nächste Level heben. Anders als viele der Einzelhandelsriesen müssen sich Pop-Ups nicht darum kümmern, dass ihre Marke in allen ihren Läden gleich aussieht. Das erlaubt ihnen einen gewissen Grad an Freiheit bei der Ausstattung ihrer Geschäfte. Bei KundInnen kommt es außerdem gut an, wenn ein Pop-Up etwas Neues ausprobiert oder nach dem Feedback der BesucherInnen fragt.

Pop-Up Stores sind agil

Pop-Up Läden profitieren davon, dass sie von UnternehmerInnen und GründerInnen eröffnet werden, die ihr Geschäft vorantreiben wollen. Daher müssen sie besonders kreativ sein müssen. Das macht Pop-Up Stores agil und innovativ. Das sieht man auch an ihrer Ausstattung, ihrem Design und oft auch an ihren Produkten.

Darüber hinaus sind Pop Ups auch räumlich agil. Die Einheiten werden nur für eine begrenzte Zeit gemietet. Wenn also ein Standort nicht funktioniert, wird einfach ein neuer Standort gewählt.

Pop-Up Stores sind kurzlebig

„Heute hier, morgen weg“, das ist der Kern von jedem Pop-Up Store. Diese Taktik der künstlichen Verknappung ist eine uralte Kamelle. Wenn du schon einmal ein Auto in einer großen Autowerkstatt gekauft hast, hast du bestimmt auch schon mal gehört, dass du heute eine Anzahlung leisten musst, weil es noch jemanden gibt, der sich für genau das gleiche Auto interessiert. Ausgerechnet heute will jemand anderes das gleiche Auto?! Bei einem Pop-up ist dies nicht nur eine Taktik, sondern das Angebot ist tatsächlich nur temporär.

Was sind die Vorteile von Pop-Up Stores?

Der gesteigerte Umsatz ist nur einer der Vorteile der Eröffnung eines Pop-Up Geschäfts, wenn auch ein wichtiger. Gerade temporäre Stores ermöglichen es, KundInnen auf einer persönlichen Ebene zu begegnen und sie zu binden. Technologie mag den Einkauf wirtschaftlicher und bequemer machen, aber es gibt keinen Ersatz für den persönlichen Service und ein intensives Einkaufserlebnis vor Ort.

Auch die Ergänzung deines etablierten Online-Shops durch ein kurzfristiges Offline-Erlebnis ist eine hervorragende Möglichkeit, einen Stamm von loyalen und engagierten KäuferInnen aufzubauen. Exklusivität und Knappheit sind eine bewährte Verkaufstaktik, bei der KundInnen durch den Wunsch nach exklusiven oder anderweitig begrenzten Produkten zum Kauf angeregt werden.

Ein temporärer Pop-Up Store mit einem Enddatum ermutigt die KundInnen dazu ihn zu besuchen, bevor sie etwas verpassen.

Diese Methode funktioniert besonders gut, wenn neue Produkte oder Kollektionen beworben werden, eine große Kampagne gestartet wird oder einfach nur die allgemeine Bekanntheit der Marke gesteigert werden soll. 

Umsatz steigern

Black Friday, Cyber Monday und andere Spitzenverkaufszeiten sind ausgezeichnete Zeiten, um ein Pop-Up zu eröffnen. Es ist ein schlauer Schachzug deinen Pop-Up Store während der Vorweihnachtszeit umzusetzen. Ein Pop-up kann die Kundenbindung noch lange nach Weihnachten und der Schließung deines Ladens fördern, indem du saisonale BesucherInnen in lebenslange KundInnen verwandelst. Wenn du regelmäßig saisonale Pop-Ups veranstaltest, baust du bei deinen treusten KundInnen ein Gefühl der Vorfreude auf und erhöhst zusätzlich deinen Umsatz.

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Neue Märkte testen

Die Herstellung einer kleinen Charge von Waren, um sie in einem Pop-Up zu testen, ist eine Möglichkeit, die Kundennachfrage zu prüfen, bevor du in eine große Stückzahl investierst. Wenn du zum Beispiel eine Idee für eine neue Kollektion oder Produktlinie hast, solltest du mit nur einem oder zwei Artikeln beginnen, um zu sehen, ob sie Anklang finden. Eines der wichtigsten Dinge, die ein neues Unternehmen tun sollte, ist, die Nachfrage nach seinen Produkten zu prüfen. Dabei finden eine echte Produktprüfung nur statt, wenn Geld den Besitzer wechselt.

Neue Ideen testen

Ein erfolgreicher Pop-Up Store kann ein guter Hinweis darauf sein, ob deine Idee oder dein Unternehmen ein Kandidat für eine Expansion in den stationären Einzelhandel ist. Wenn dein Pop-Up Geschäft nicht so erfolgreich ist, wie du dir erhofft hattest, solltest du dir vielleicht eine neue Strategie überlegen und einen Weg finden, um deine Idee oder dein Produkt salonfähig zu machen. Pop-Ups erfordern nur geringe Vorabinvestitionen, was sie zu einem großartigen Testfeld macht.

Der Verkauf vor Ort hat den zusätzlich den Vorteil, dass du direktes und ungefiltertes Feedback von deinen KundInnen erhältst, indem du ihre erste Reaktion sehen und so herausfinden kannst, ob sie bereit sind Geld für deine Produkte auszugeben.

Welche Branchen können einen Pop-Up Store eröffnen?

Wenn du dich fragst, wer einen Pop-Up Store eröffnen kann, ist die Antwort ganz einfach: Jeder, der ein Gewerbe angemeldet hat. Das liegt vor allem daran, dass das Konzept „Pop-Up Store“ auf viele unterschiedliche Bedingungen angepasst werden kann.

Hier ist eine Liste der Branchen, die die meisten Pop-Up Stores eröffnen:

  • Einzelhandel
  • Gastronomie
  • Online-Shops
  • BlogerInnen
  • KünstlerInnen (Bildende Künste und MusikerInnen)
  • Automobilindustrie
  • Lebensmittelindustrie
  • Non-Profit Organisationen

Wie viel kostet ein Pop-Up Store?

Standort, Dauer und Größe sind nur einige der Faktoren, die die Gesamtkosten für einen Pop-Up Store bestimmen können. Nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt, aber ein kurzfristigen Pop-Up kann auch schon für 1.500 € realisieren werden.

Wie findest du die richtige Location?

Es ist wichtig, den richtigen Ort für dein Pop-Up zu finden. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die zu berücksichtigen sind. Du solltest entscheiden:

  • wo du dein Pop-Up eröffnen möchtest,
  • welche Räumlichkeiten am besten sind
  • und welche Ausstattung du benötigst.

Eine wichtige Überlegung ist außerdem die Fußgängerdichte:

  • Ist das Viertel oder die Straße, die du ins Auge fasst, eine stark frequentierte Gegend?
  • Gehen viele Menschen an dem Laden vorbei, den du auskundschaftest?
  • Sind diese Menschen deine Zielgruppe?

Haben Pop-Up Stores eine Zukunft im stationären Handel?

Die fortschreitende Digitalisierung ist zum einen die Bürde des starken, stationären Handels in Deutschland, aber zum anderen eine Chance. KundInnen sehnen sich längst nicht mehr nach einer reihenweisen Abfertigung an der Verkaufstheke, sondern nach außergewöhnlichen Einkaufserfahrungen, dem Erlebnis etwas zu entdecken und davon zu erzählen. Da kommen Pop-Ups gerade zur rechten Zeit von der Südküste Amerikas oder Asien nach Europa rüber geschwappt. Pop-Up Stores werden weiter aufpoppen und die Lücken im Erlebnis- und Einzelhandelsmarketing nutzen.

Pop-Up Stores bieten nicht nur die Möglichkeit schnelle Umsätze zu generieren, sie können Teil einer gesamten Marketingstrategie sein. Sie sind ein leistungsfähiges Instrument zur Kundengewinnung und -bindung sowie ein Weg, um Ideen zu testen und Daten zu sammeln.

Leon Schmid
Leon Schmid ist Geschäftsführer des Start-Ups Pop-Up Boulevard, dem Marktplatz für außergewöhnliche Pop-Up Locations. Ursprünglich in der Gastronomie beheimatet, liebt er veganes Essen, lange Spaziergänge und sonnige Tage. Mit Pop-Up Boulevard möchte er zeitweise ungenutzte Flächen für temporäre Verkaufskonzepte effizienter nutzbar machen.

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