Business in Indien: 5 Tipps für interkulturelle Kompetenz

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Business in Indien: 5 Tipps für interkulturelle Kompetenz
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Incredible India. So lautet der Slogan der indischen Tourismuszentrale. Sie hätten es nicht besser treffen können, denn Indien ist unglaublich. Mit mehr als 1,2 Milliarden EinwohnerInnen, 29 Bundesstaaten und 24 Amtssprachen ist Indien die größte Demokratie der Welt. Das Leben ist geprägt von Geschichte, Religion und einer reichhaltigen Kultur. Und es ist ein Land voller Gegensätze: Moderne trifft auf Tradition, Wohlstand/Reichtum vs. Armut, Wirtschaftsaufschwung trotz hoher Analphabetismus-Quote.

Interkulturelle Kompetenz ist wichtig

Im Rahmen der Globalisierung haben viele deutsche Unternehmen Niederlassungen in Indien, haben mit indischen KollegInnen oder potentiellen GeschäftspartnerInnen zu tun. Manchmal läuft die Zusammenarbeit reibungslos, manchmal stockt sie oder kommt gar nicht voran. Mit anderen Kulturen zu arbeiten, ist nicht immer leicht. Oft sind es kleine Dinge, die zu Missverständnissen und Problemen führen. Und man ist sich meistens nicht einmal bewusst, wie diese Differenzen zustande kommen.

  • Warum reagiert mein Gegenüber so?
  • Habe ich etwas Falsches gesagt oder gemacht?
  • Warum macht er nicht das, worum ich ihn gebeten habe?

Wenn man eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung mit indischen GeschäftspartnerInnen oder KollegInnen aufbauen möchte, ist es wichtig, sich mit der anderen Kultur zu beschäftigen. Es gelten andere Regeln als in Deutschland, die Unterschiede könnten manchmal nicht größer sein. Erst wenn ich die vorherrschenden Kulturstandards kenne und verstehe, kann ich mich entsprechend verhalten bzw. reagieren.

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5 Tipps für Business in Indien

Dieser Artikel zeigt dir 5 Praxis-Tipps für den Umgang mit InderInnen. Sie sollen dir helfen, einige wichtige Geschäftskulturen zu verstehen und so dein Business in Indien erleichtern.

1. Die Begrüßung – traditionell oder modern?

Mittlerweile ist es üblich, sowohl geschäftlich als auch privat zur Begrüßung die Hand zu geben. Älteren Menschen gibt man sich respektvoll gegenüber, auch oft mit einer „Namaste“-Geste. Hier werden die Hände vor der Brust zusammengelegt und der Kopf wird leicht gesenkt. Die Begrüßung von Frauen kann jedoch unterschiedlich sein. Wenn du dir nicht sicher bist, dann warte einfach ab, ob die Geschäftspartnerin per Handschlag oder mit traditioneller Geste auf dich zukommt.

2. Gesprächsthemen: Kultur ja, Kritik nein!

Konversation in Indien zu betreiben, ist meistens sehr leicht. InderInnen sind von Natur aus neugierig und stellen gerne Fragen. Sie sind interessiert an den Familienverhältnissen und ob es einem in Indien gefällt. Du kannst das Gespräch leicht intensivieren, wenn du nach der Kultur und den Traditionen fragst. Aber auch Themen wie Cricket oder Bollywood sind immer willkommen. Jedoch solltest du Kritik vermeiden. Skepsis über die arrangierte Ehe, Armut und Dreck auf der Straße oder dem Kastenwesen sind nicht erwünscht.

3. Konfliktpotential: Die liebe Zeit

Unterschiedliche Wahrnehmungen von Zeit können oft zu Spannungen führen. Die Deutschen sind für ihre Pünktlichkeit bekannt. Sie setzen Prioritäten, halten Termine ein und finden sich meist vor Beginn eines Meetings im Besprechungsraum ein. Anders die InderInnen. Im Hindi gibt es für „gestern“, „heute“ und „morgen“ nur ein Wort: „kal“! Dies lässt bereits erahnen, dass Stunden und Minuten als relativ angesehen werden. Die Auffassung von Zeit ist in Indien sehr stark durch den Hinduismus geprägt:

Alles, was sich in diesem Leben nicht erledigen lässt, wird im nächsten umgesetzt.

Von daher haben sie einfach Zeit. Wenn du also eine geschäftliche Besprechung in Indien hast, dann lasse dir den Termin vorher mehrmals bestätigen. Und versuche es gelassen zu sehen, wenn das Meeting nicht pünktlich beginnt bzw. einige GeschäftspartnerInnen später erscheinen. Das ist nicht ungewöhnlich und vor allem nichts Persönliches.

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4. Eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung entwickeln

Wie sieht eigentlich eine deutsche Geschäftsbeziehung aus? Wir konzentrieren uns darauf, innerhalb kürzester Zeit ein positives Ergebnis zu erzielen. Dabei stehen analytische Fakten, rationale Argumente und pragmatische Lösungen im Vordergrund. Und die InderInnen? Sie legen Wert auf eine persönliche Beziehung! Eine Geschäftsbeziehung entsteht für sie nicht durch erfolgreich getätigte Geschäfte, sondern durch Vertrauen, welches sich im Laufe der Zeit entwickelt. Dabei ist es wichtig, über die Familie zu reden und sie auch kennen zu lernen.

Um eine Beziehung zu indischen KollegInnen oder GeschäftspartnerInnen aufzubauen, sollte man über Persönliches sprechen. Frage nach der Familie und (Enkel-)Kindern. Interessiere dich für deren Namen und Bedeutungen. Sie werden merken, dass dein indischer Gesprächspartner oder Gesprächspartnerin dankbar für das Interesse ist. So wirst du im Laufe der Zeit eine wertvolle und hoffentlich sehr erfolgreiche Beziehung zueinander aufbauen.

5. Kommunikation: Das Wort „nein“!

In Deutschland gehen wir sehr direkt miteinander um und haben ein eindeutiges Verständnis von den Worten „ja“ und „nein“. In Indien wird das Wort „nein“ dagegen als unhöflich empfunden und vermieden. Wenn InderInnen nicht zustimmen, werden sie das indirekt zum Ausdruck bringen. Sie werden mit „vielleicht“ antworten oder mit einer Gegenfrage oder die Frage einfach ignorieren.

Es liegt an dir, zwischen den Zeilen zu lesen und zu erkennen, ob die Frage nun bejaht oder verneint wurde. Das ist oft schwer, wird im Laufe der Zeit und der zunehmenden Intensität der Geschäftsbeziehung jedoch leichter. Übrigens ist das indische Kopfwackeln nicht mit dem europäischen Kopfschütteln, welches ein „nein“ signalisiert, zu verwechseln. Das indische Kopfwackeln bedeutet so viel wie „ich habe verstanden“ oder auch nur „ich bin aufmerksam“.

Diese Praxistipps für dein Business in Indien haben dir kleine, aber wichtige Einblicke in die indische Kultur gegeben. Es ist sehr spannend, eine andere Kultur kennenzulernen und einen Weg zu finden, Vertrauen aufzubauen bzw. gut miteinander zu arbeiten. Wenn du Missverständnisse durch ein kulturelles Know-How vermeiden möchtest, dann minimiere auch Misserfolge. Nehme die Herausforderung an, deine indischen KollegInnen oder GeschäftspartnerInnen werden dir dankbar sein!

Katja Bäumel
Katja Bäumel startete 2013 bei unternehmer.de und ist seit 2018 Projektleitung. In den Jahren zuvor war sie, neben diversen Auslandsaufenthalten, u. a. für die Volkswagen AG, Deutsche Bank AG und Russell Hobbs im Marketing tätig.

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