Mut: Die Erfolgseigenschaft von Chefs

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Wer als Unternehmer erfolgreich sein will, braucht neben fachlicher Kompetenz und einer guten Idee mentale Stärke.

Mentale Stärke bedeutet, sich immer wieder zu beweisen, dass man am Ende stärker ist als jedes Problem. Auch in Zeiten einer Krise. Aktuell beherrscht ein Virus unser privates Leben und unsere Wirtschaft. Physisch und psychisch. Es bringt uns in Wellen psychologische Unsicherheit und Orientierungslosigkeit. Die Krise wirft uns auf uns selbst zurück, verdichtet Probleme und deckt auf, was oft schon lange im Argen liegt – sowohl privat als auch im Business. Was Unternehmer schon zu normalen Zeiten brauchen, wird in Krisenzeiten zu einer Erfolgskompetenz: Mut für die eigene Wahrheit.

Ob Krise oder stabile Wirtschaft: Jungunternehmer kämpfen oft mit ihren Zweifeln. Gleichzeitig spüren sie häufig von außen jede Menge Gegenwind: „Bist du verrückt? Das klappt doch nie!“ oder „Den ganzen Bereich aussparen? Alles nur noch online? Geh lieber auf Nummer sicher!“. Vor ein paar Jahren waren etwa die Digitalisierungs-Skeptiker noch in der Überzahl. Ganz aktuell zeigt sich, wie wichtig der damalige Mut war, sein Business digital aufzustellen. Gerade KMU und Start-ups müssen immer wieder mutig sein, Neuland erkunden und dürfen sich nicht vor den Großen im Markt einschüchtern lassen.

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Was bedeutet Mut?

Doch was bedeutet Mut genau? Zeugt es von Mut, seinen Besitz zu verkaufen und um die Welt zu reisen? Bedeutet es Mut, dem Chef die Meinung zu geigen? Den Job zu kündigen? Oder 5-Stunden-Tage einzuführen? Ist Mut viel größer oder kleiner? Mut bedeutet nicht die Abwesenheit von Angst, sondern das Gegenteil:

Seine eigenen Ängste erkennen, anerkennen und überwinden.

Aus diesem Grund ist er sehr subjektiv. Der eine braucht schon Mut, um im Supermarkt einzukaufen. Andere empfinden weder Achterbahn noch Fallschirmsprung als Mut-Beweis. Für die Auszubildende kann es Höchstleistung sein, ihre Meinung zu äußern. Für den Firmenchef ist genau das Alltag. In Wahrheit ist das Mutigste überhaupt, sich selbst auszuhalten: Sich immer besser zu erkennen und sich dabei treu zu bleiben. Auch in schwierigen Zeiten. Besonders wer sich als junger Unternehmer durchsetzen will, muss äußeren mentalen Programmierungen entsagen. Und den Mut haben, durch stetige Reflexion immer authentischer und wahrhaftiger zu werden.

Was leicht klingt, ist eine enorme Leistung. Angst und soziale Erwünschtheit bremsen einen aus. Die Welt gibt uns klar vor, was als „richtig“ und „gut“ angesehen wird. Viele Unternehmer fühlen sich gedrängt, diesem Bild zu folgen. Nur so bekommen Chefs, Mitarbeiter und Marken die Bestätigung von außen, die für viele so hohen Stellenwert hat. Der Haken an der Sache: Bestätigung von anderen hat nur eine sehr kurze Haltbarkeit und bringt Menschen und Unternehmen nicht weiter. Wir brauchen immer wieder Nachschub, um uns gut zu fühlen. Also sagen und tun wir immer wieder Dinge, die sozial erwünscht sind. Das macht abhängig vom Umfeld.

Gleichzeitig ist die Dynamik oft so hoch, dass Unternehmen kaum nachkommen. Was „gut“ ist, ändert sich oft sehr schnell. So war ein Mundschutz früher lächerlich und heute Ausdruck von Respekt. Der Diesel war mal ein Paradebeispiel eines zukunftsorientierten Motors. Und bei der Atomkraft waren wir sicher, dass sie unsere Energieprobleme löst. Wer hier mithalten will, macht sich zum Fähnchen im Wind, zum Getriebenen und ewigen Erfolgsnachläufer.

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Wahrhaftig und authentisch

Wem es hingegen gelingt, Energie aus dem inneren Bezugsrahmen zu schöpfen, ist frei – frei von eigenen Ängsten und fremden Erwartungen. Die Kunst als Start-up, Jungunternehmer und Gestalter liegt darin, genau zu erkennen, wohin man mit dem Business will. Und sich dieses Ziel auch nicht verfärben zu lassen:

  • Stammt der Impuls aus meinem Inneren oder wähle ich die scheinbar sichere Nummer?
  • Gehe ich frei und unabhängig auf bestimmte Dinge zu?
  • Oder habe ich den Impuls lediglich von außen aufgenommen?
  • Treibt mich wirklich dieses Ziel oder klingt es nur gut?

Viele Menschen glauben, sie würden sich frei für etwas entscheiden. In Wahrheit weichen sie oft nur aus – und zwar sich selbst.

Mutig ist der, der sich traut, sich auch gegen das Umfeld zu positionieren – und das nicht aus reiner Negation und Lust am Protest, sondern aus Authentizität und Wahrhaftigkeit. Sich der Programmierung von außen bewusst zu sein und sich im Zweifelsfall gegen sie zu stellen, erfordert extrem viel Klarheit. Bin ich vom Klimawandel überzeugt, ist es zwar mutig, aber fällt auch leicht, nachhaltige Produkte zu entwickeln. Mein innerer Antrieb überschneidet sich mit der sozialen Erwünschtheit. Sich wirklich dem eigenen Bild zu stellen, bedeutet aber auch, seine dunklen Seiten auszuhalten: Wut, Aggression, Eifersucht, Angst vor Ablehnung, Ungeduld, Neid … Sich mit diesen negativen Emotionen auseinandersetzen, zeugt von viel größerem Mut. Wer derartige Gefühle ignoriert oder verleugnet, führt sich selbst und damit sein Geschäft in Bedrängnis und Abhängigkeit: Menschen handeln aus Angst, lügen und manipulieren.

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Frei und offen sprechen – Wert geben

Mutige Menschen sagen, was sie für richtig halten und was an bestimmten Stellen gesagt werden sollte. Sie formulieren nicht nur, was andere hören wollen. Doch kann ein Mitarbeiter bei seinem Chef Protest einlegen? Ist es immer klug, seinem Kunden mutige Wahrheiten zu offenbaren? Ein Zögern ist nachvollziehbar. Mitarbeiter und Unternehmen befinden sich in einer finanziellen Abhängigkeit.

Wer sich jedoch selbst erlaubt, mutig zu sein, wird zu einem immer wertvolleren Ratgeber.

Für sich und andere. Ehrlich sein bedeutet, der eigenen Einschätzung als Experte extrem hohen Wert zu geben. Weil sie aus freiem Geiste gesprochen ist. Wer noch nicht frei ist, sollte sich dieser Tatsache bewusst sein. Keine Antwort kann ebenfalls eine mutige Antwort sein. Das Gegenüber hat dann die Wahl, ob es darauf mit Anklage oder Respekt reagiert.

Wer frei spricht, wird manchmal unbequem. Er hält anderen den Spiegel vor oder kommuniziert neue Werte. Der Chef fühlt sich gekränkt. Kollegen fürchten das Feedback und Kunden wechseln vielleicht zum Wettbewerb. Doch oft würde Mut viele Probleme lösen oder vermeiden – Missstände in Unternehmen, unzufriedene Kunden oder Abgasskandale. Dabei ist es immer leicht, andere anzuklagen – oder zu bewundern. Viele bestaunen den Innovations-Spirit von Apple, Spotify oder Netflix, zögern aber trotzdem vor eigenen Ideen. Zum wahren Mut-Paket gehört, bei sich selbst anzufangen. Seine Energie nicht damit zu verschwenden, andere zu erwischen, wie konformistisch sie sind. Schwächen bei anderen erkennen, ist leicht. Seine eigenen erkennen und überwinden, ist sehr viel schwerer. Mutig ist nicht der, der Dinge tut, die mutig erscheinen, sondern der, der seine eigenen Limitierungen überwindet.

Ohne Mut kein Wachstum

Nur wenn das gelingt, kann ein Business langfristig erfolgreich sein. Die Welt ist so schnelllebig und komplex geworden, dass Betriebe sich in immer kürzeren Zyklen infrage stellen müssen, um nicht abgehängt zu werden. Nur so können Menschen und Unternehmen wachsen. Der Impuls zur Änderung und dessen Fahrtrichtung muss aus dem Inneren kommen. Dafür braucht es Mut, sich selbst ins Auge zu sehen, jedes Mal aufs Neue. Mut bedeutet für die Wahrhaftigkeit, die man heute erkannt hat, einzustehen. Ändert sich die eigene Wahrheit, ist es doppelt mutig, die neue Route zu akzeptieren. So wie Gandhi, der sagte: „Ich bin der Wahrheit verpflichtet, wie ich sie jeden Tag erkenne, und nicht der Beständigkeit.“

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Boris Grundl
Seit 20 Jahren forscht und lehrt Boris Grundl als Managementtrainer, Redner, Unternehmer und Autor zur menschlichen Entwicklung. Seit über einem Jahrzehnt gehört er zu Europas Trainerelite. Inzwischen hat sich sein ganzes Denken und Handeln in einem Wort verdichtet: Verantwortung – sein Lebensthema, die zwingende und logische Konsequenz seines Seins. Seit 30 Jahren ist er vom Hals abwärts gelähmt. Heute lebt der glückliche Familienvater ein selbstbestimmtes und finanziell freies Leben.

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