Startup-Interview mit Marc, Katharina und Christian, den Foundern von Boomerang - Quelle: ©Boomerang
Startup-Interview mit Marc, Katharina und Christian, den Foundern von Boomerang - Quelle: ©Boomerang

Hi! Wir sind Christian, Katharina und Marc vom Hamburger Green-Tech-StartUp Boomerang. Unsere Mehrwegverpackungen befreien den Onlinehandel vom Verpackungsmüll, indem wir sie bis zu 50-Mal wiederverwenden können. Onlinekundinnen können zukünftig dann im Onlineshop eine „Mehrwegverpackung“ als Option anklicken, hinterlegen ein Pfand von 3,- EUR und können die leere Verpackung kostenlos über jeden Briefkasten an uns zurücksenden. Wie jedes Unternehmen haben auch wir eine Gründungsgeschichte, die wir euch heute näher bringen wollen.

Anders als andere GründerInnen kanntet ihr euch vor der Gründung noch nicht so wirklich, richtig? Wie habt ihr euch denn kennengelernt?

Das stimmt. Als Team haben wir uns via Onlinedating für Gründer kennengelernt. Marc hatte die Geschäftsidee zu Boomerang auf Founderio.com eingestellt und Katharina sowie Christian sofort begeistert. Beide haben Ihre Wohnungen und Jobs in Bayern gekündigt und sind zwei Monate später für Boomerang nach Hamburg gezogen.

Seit Mitte dieses Jahres haben wir eine Pre-Seed Finanzierung über einen hohen 6-stelligen Betrag abgeschlossen, externe Investoren gewonnen und ein Team aus zwölf Leuten aufgebaut.

Weshalb habt ihr euch gegründet und wie ist eure Idee entstanden?

Die Grundidee zu Boomerang entstand in Marcs Müllkeller. Nachdem die drei großen Papiertonnen dort immer voll waren und der ganze Müll ständig daneben lag, entstand die erste Idee einer Mehrwegverpackung für Onlinebestellungen. Die Alternative wäre, dass in Marcs Müllkeller und in denen Millionen weiterer Menschen, immer wieder neue Mülltonnen aufgestellt werden müssen, denn der Onlinehandel wächst rasant. Das wollten wir so nicht hinnehmen und haben den Boomerang Pack entwickelt.

Was können potenzielle Online-KundInnen bei euch finden?

Wir bieten eine Mehrwegverpackung sowie ein intelligentes Pfand- und IT System an. Ziel ist es, dass Endkundinnen und Kunden im Onlineshop immer die Wahl zwischen Einwegverpackung und Mehrwegverpackung erhalten, also freiwillig und kostenlos eine nachhaltigere Alternative anklicken können. Dabei wird lediglich ein Pfand von 3,- EUR fällig, das sofort zurückerstattet wird, sobald die leere Verpackung via Briefkästen wieder bei uns ankommt. Zudem kann unsere Verpackung in der Größe verstellt werden, sodass der Leeranteil im Paket minimiert wird und wir weniger Luft quer durch Deutschland schicken.

Mit Boomerang Packs die Welt ein Stück besser gestalten - Quelle: ©Boomerang
Mit Boomerang Packs die Welt ein Stück besser gestalten – Quelle: ©Boomerang

Was ist euer Ziel und Vision?

Die Vision hinter Boomerang ist keine weniger, als das globale E-Commerce nachhaltiger zu gestalten. Wir wollen und werden Onlineshopping nicht verhindern oder reduzieren können, aber wir können ihn nachhaltiger gestalten und das national, kontinental und global.

Vier Fragen zur Vergangenheit

1. Was war eure bisher größte Herausforderung, die ihr auf dem Weg zum Unternehmertum meistern musstet?

Als junge Unternehmer, die zum ersten bzw. zweiten Mal ein Unternehmen aufbauen, standen wir vor vielen Herausforderungen und vor einer sehr steilen Lernkurve. Sei es die Einarbeitung in Materialthematiken, der Aufbau eines digitalen Pfandsystems, Verpackungsgestaltung und die Investorensuche – für uns mit BWL- und Marketing-Background eine große, aber super spannende Herausforderung.

2. Worauf seid ihr besonders stolz?

Der Abschluss unserer Finanzierungsrunde, ohne böse Überraschungen, mit tollen Business-Angels war sicherlich der beeindruckendste Moment.

„Spätestens dann war auch unseren Eltern klar, dass Boomerang jetzt kein kleines Projekt mehr ist, sondern ein richtiges Unternehmen mit enormen Wachstumspotenzial.“

Jetzt haben wir die finanziellen Mittel, um Boomerang auf die nächste Stufe zu heben.

3. Haben eure Ausbildungen und euer bisheriger beruflicher Weg euch bei eurer Gründung weitergeholfen bzw. darauf vorbereitet?

Marc hat Journalismus studiert, Katharina kommt aus dem Handel und Christian hat einen Master in Entrepreneurship. Somit kommen wir alle eher aus der BWL-Richtung und nicht direkt aus der technischen.

Wir haben aber schnell gemerkt, dass man sich in die meisten Themen super gut einarbeiten kann, wenn die Motivation nur groß genug ist.

Habt ihr auch Bereiche, die ihr in andere Hände legt?

Ja, natürlich. Für diejenigen Bereiche, die wir nicht so gut können, haben wir uns Leute ins Team geholt, die besser sind als wir. Vertrauen in die Expertise anderer Menschen ist wichtig. Denn nur so kann man als Unternehmen wachsen.

4. Was über das Gründer-Dasein hättet ihr gerne vor der Gründung gewusst?

„Der lange Atem ist schon herausfordernd. Monate oder Jahre kein bzw. wenig Geld zu verdienen, trotzdem aber 60/70 Stunden die Woche zu arbeiten ist hart.“

Wenn Boomerang aber national und international erfolgreich ist, hat sich dieser Weg mehr als gelohnt.

Drei Fragen zur Gegenwart

1. Wie sieht euer Arbeitsalltag aus?

Typisch StartUp: Chaotisch!

Nicht weil wir nicht organisiert sind, sondern weil so viele Themen gleichzeitig auf dem Tisch liegen. Mit regelmäßigen Team-Meetings haben wir dieses Chaos ganz gut eindämmen können, aber das Arbeitspensum ist hoch. Wir haben also keinen wirklichen Tagesablauf außer die regelmäßigen Meetings. Die meiste Zeit arbeiten wir unsere To-do-Listen ab, die wir in den Meetings erstellt haben. Aber das gehört in einem StartUp auch einfach dazu.

2. Wie sorgt ihr für positive Stimmung und Zusammenhalt?

Wir versuchen da verschiedene Ansätze. Zum einen veranstalten wir regelmäßig Teamevents, wo alle zwölf Teammitglieder ein Wochenende in ein Haus eingeladen werden. Neben ein paar Workshops geht vor allem, um den Zusammenhalt und darum, eine schöne Zeit zusammen zu haben.

„Denn das Wichtigste am Anfang ist ein starkes Team, dass an die Vision glaubt und motiviert ist, besonders wenn man keine dicken Gehälter zahlen kann.“

Außerdem bieten wir unseren festangestellten Mitarbeitern unbegrenzt viele Urlaubstage, damit sich jeder immer die Erholung nehmen kann, wenn er sie braucht. 

Kennenlernen, Energie tanken und gegenseitig inspirieren -unser Boomerang-Team während eines gemeinsamen Teamevents - Quelle: ©Boomerang
Kennenlernen, Energie tanken und gegenseitig inspirieren – unser Boomerang-Team während eines gemeinsamen Teamevents – Quelle: ©Boomerang

3. Welche Eigenschaften wünscht ihr euch von potenziellen MitarbeiterInnen?

Loyalität und Motivation stehen ganz weit oben. Wir suchen keine klassischen Arbeitnehmer, die ihre Zeit bei uns absitzen und sich freuen, wenn die Arbeitswoche endlich wieder rum ist. Wir freuen uns auch auf das Wochenende, aber wir haben auch alle trotzdem viel Spaß bei der Arbeit.

Zwei Fragen in die Zukunft

1. Wo seht ihr euch in den nächsten fünf Jahren?

In fünf Jahren sind wir in mehreren europäischen Ländern aktiv und haben vermutlich 100+ Mitarbeiter. Boomerang wird dann in den größten Onlineshops als nachhaltige Verpackungsalternative angeboten und wir werden ein flächendeckendes Abgabesystem aufgebaut haben.

2. Was würdet ihr zukünftigen GründerInnen mit auf dem Weg geben?

Habe den Mut, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen!

„Eigentlich hat man nichts zu verlieren. Selbst wenn das StartUp scheitert oder ein Team auseinanderbricht, ist man um so viele Erfahrungen reicher. Diese Erfahrungen helfen dir dann bei einem zweiten StartUp, sodass man schon deutlich bessere Erfolgschancen hat.“

Also Mut zur Gründung und dann auch All-In. Keine halben Sachen wie Teilzeitgründungen etc. Setzt euch eine zeitliche Deadline, z.B. sechs bis zwölf Monate und arbeitet Vollzeit an eurer Idee. In dieser Zeit kann man wirklich sehr viel schaffen (wir sind das beste Beispiel dafür).

Und vier Herzensfragen an euch

1. Was würdet ihr eurem Ich vor einem Jahr ans Herz legen?

Das sich die Strapazen bald auszahlen werden und man nur den Biss haben muss, durchzuhalten.

2. Gab es für euch eine Inspiration bzw. ein Vorbild?

Sendungen wie Die Höhle der Löwen haben uns schon stark inspiriert, besonders wenn dort Solo-GründerInnen waren, die ohne Vorerfahrung und wenig Hilfe ein richtig tolles StartUp aufgebaut haben. So etwas motiviert einen ungemein!

3. Welches Motto hat euch und eure Gründungsphase geprägt bzw. prägt es bis heute?

Nicht zu viel Over-Engineering.

Man hat immer einen sehr hohen Anspruch bei vielen Dingen und nimmt sich große Firmen als Vorbilder. Oft ist der schlanke Fuß die bessere Wahl und manche Risiken muss man einfach eingehen. Also nicht zu ängstlich und zurückhaltend sein.

4. Wenn ihr euch etwas wünschen könntet, was wäre es?

Dass die EU die Mehrwegangebotspflicht auf den Onlinehandel erweitert, sodass wir Millionen Tonnen Verpackungsmüll jedes Jahr sparen können. 

Ein fantastischer Wunsch, dem wir uns gern anschließen. Danke für eure Zeit und die Chance, euch interviewen zu dürfen. Und auch vielen Dank für euren Beitrag für die Umwelt!

Ebenfalls vielen Dank für die Möglichkeit, euch und euren LeserInnen uns vorstellen zu können.

Beste Grüße, Christian, Katharina und Marc von Boomerang

Zum neuen Interview-Format

Mit diesem Format wollen wir unseren LeserInnen durch ein schriftliches Interview einen Einblick in die Gründungsgeschichte und den Businessalltag erfolgreicher Gründer und Unternehmer geben und diese zu informieren und auch zu motivieren, selbst diesen Schritt zu gehen. Denn jede Gründungsgeschichte ist einzigartig und jede Herausforderungen bringen andere Lösungen zu Vorschein. 

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