Interview: Aus dem Leben eines Unternehmers

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Interview: Aus dem Leben eines Unternehmers
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Mit 53 in den Vorruhestand? Diese Vorstellung klingt für viele UnternehmerInnen zu schön, um wahr zu sein. Im heutigen Interview wollen wir einen Mann vorstellen, der genau das geschafft hat. Stefan Schneider hat als ein Einmannbetrieb in einer Garage angefangen. Heute umfasst sein Erfolg zwei Betriebe, 1.000 Quadratmeter und 25 MitarbeiterInnen.

In diesem Erfahrungsbericht kannst du nachlesen, was es bedeutet, viel Herzblut in die eigene Firma zu investieren und wie diese Erfahrung eine Person verändern kann.

Könnten Sie sich und den Betrieb bitte zunächst vorstellen:

Stefan Schneider: „Ich heiße Stefan Schneider, bin 53 Jahre alt und seit 1994 selbstständig. Ich bin gelernter Karosserie- und Fahrzeugbaumeister, Lackierer und KFZ-Mechaniker und hatte einen Betrieb in dieser Branche. Die Firma habe ich letztes Jahr anteilig verkauft, da ich in den Vorruhestand gegangen bin. Insgesamt habe ich den Betrieb 27 Jahre geführt.“

Warum sind Sie in den Vorruhestand gegangen?

Stefan Schneider: „Nach verschiedenen Lebensereignissen und einigen Schicksalsschlägen war nun der richtige Zeitpunkt, sich etwas zurück zu nehmen. Herr Lehmann, Lackierer, welcher bereits seit acht Jahren in meinem Betrieb tätig ist, hat die Firma übernommen. Er denkt äußerst fortschrittlich und für den Betrieb. Irgendwann kam zur Sprache, ob es für mich in Betracht käme, den Betrieb an ihn abzugeben. Diese Chance habe ich genutzt, denn normalerweise ist es sehr schwierig im Handwerk einen Nachfolger zu bekommen. Daraufhin haben wir eine GbR gegründet und im Zuge dieser Veränderung außerdem die Möglichkeit genutzt und eine Zweigstelle eröffnet.“

Wie kam es zu der Gründung Ihres Betriebs und wie waren die Anfänge?

Stefan Schneider: „Die Anfänge waren nicht einfach. Durch Hochkonjunktur und eine schwierige Steuerpolitik gab es Zinsen von 10 Prozent. Durch bestimmte Vorkehrungen, welche ich bereits in Ausbildungszeiten getroffen hatte, hatte ich gewisse Sicherheiten. Diese haben mir den Schritt in die Selbstständigkeit ermöglicht. Angefangen hat dann alles in einer kleinen Garage als Einmannbetrieb. Schließlich habe ich mich langsam hochgearbeitet. Zuerst kam ein Geselle, dann ein zweiter, ein dritter. Irgendwann habe ich größere Räume angemietet und aktuell beschäftigen wir mittlerweile 25 Personen in zwei Betrieben. Ohne die Corona-Pandemie hätte es kein Jahr gegeben, in dem wir keine Steigerung erzielt hätten. Finanzieller Natur und umsatztechnisch ging es über 27 Jahre hinweg nur nach oben. Damit scheine ich also vieles richtig gemacht zu haben.“

Was hat Sie zur Selbstständigkeit motiviert?

Stefan Schneider: „Ich wollte meine Arbeit selbstbestimmt machen und eigene Vorstellungen verwirklichen. In meinem Lehrbetrieb gab es einen älteren Ausbilder, welcher sehr verbohrt gegenüber neuen Entwicklungen oder Gesundheitsschutz war. Das wollte ich anders machen und habe mich daraufhin selbständig gemacht.“

Welchen Vorteil haben Sie in der Selbstständigkeit gesehen?

Stefan Schneider: „Den Erfolg des Betriebes habe ich mir mit eigenen Händen erarbeitet. Ich habe nie Geld von irgendjemanden erhalten und das war mein großer Vorteil. Somit konnte ich ganz anders agieren. Ich stand immer im Wettbewerb mit meinen Kollegen und war immer stolz darauf.“

Welche Herausforderungen haben sich in den 27 Jahren ergeben?

Stefan Schneider: „Etwa ein Jahr nach der Gründung, mitten in der Aufbauphase, erkrankte ich schwer. In dieser Zeit war der Betrieb das Licht am Horizont für mich, um weiter zu machen. Die Tatsache, dass ich mich um den Betrieb kümmern musste, gab mir Kraft, über die Krankheit hinwegzukommen. Diese Denkweise hat mich aus meinem persönlich schlimmsten Tief gerettet. Mit der Arbeit konnte ich mein Leben neu aufbauen, sie war immer eine Triebfeder für mich.“

Wie hat Sie dieser Schicksalsschlag verändert?

Stefan Schneider: „In dieser schwierigen Zeit war die Arbeit und das Vorankommen mein Glaube. Daran habe ich mich festhalten können. Außerdem hatte ich das Glück, für mich wertvolle Menschen an meiner Seite zu haben, was mit ausschlaggebend für meinen Erfolg war.“

Wurden Sie durch die Krankheit demütiger?

Stefan Schneider: „Schlimm ist, dass erst etwas Schlimmes passieren muss, damit man merkt, wie gut es einem eigentlich geht. Diese grundsätzliche Einstellung, die ich mein Leben lang durchgezogen habe, hat den Erfolg gebracht. Nur was du ausstrahlst, kommt auch wieder zu dir zurück.“

Frederike Engelhardt
Frederike Engelhardt absolviert ein duales Studium bei unternehmer.de

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