Small Talk: Sylvia Löhken & Tom Peters im Experten-Interview

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Small Talk: Sylvia Löhken & Tom Peters im Experten-Interview

Wie aus Small Talk echte Begegnungen und ein belastbares berufliches Netzwerk wird, verraten die Autoren Sylvia Löhken und Tom Peters, Experte für Körpersprache, im exklusiven Interview.

Welche Rolle spielt Small Talk beim Networking?

Sylvia Löhken & Tom Peters: Eine entscheidende, denn: Small Talk ist Networking. In einem kurzen und immer spontanen Zeitmoment prüfen wir, was wir von unserem Gegenüber erwarten dürfen (und er von uns):

  • Kann ich ihr oder ihm vertrauen?
  • Was könnten wir zusammen vielleicht unternehmen?
  • Darf ich auch vorkommen, bzw. bin auch ich erwünscht?

Ein Beispiel:
A: „Oh, das sieht aber lecker aus.“
B: „Ja, das stimmt. Ob das vegan ist?“

Beide Gesprächspartner haben hier die Chance, ihre Gemeinsamkeiten zu entdecken und darauf aufzubauen, stellvertretend für das, worauf sie vielleicht in Zukunft miteinander Lust hätten. Der konkrete Inhalt ist beim Small Talk also zweitrangig. Er ist nur für den Anlass des Miteinanders wichtig. Umgekehrt gilt: Wer den Small Talk nur benutzt, um sein Wissen zur Schau zu stellen, wird sozial verlieren. Er oder sie hat das Spiel nicht verstanden.

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Kann man Small Talk gezielt trainieren? Wenn ja, wie?

Sylvia Löhken & Tom Peters: Ja, sogar sehr gut. Ob er gelingt, hängt im Wesentlichen von der Grundhaltung ab, mit der wir durchs Leben laufen. Small Talk ist wie Improvisations-Theater. Man kann ihn einfach nicht vorbereiten. Aber eine grundsätzliche körpersprachliche und innere Offenheit und Menschenfreundlichkeit sind sehr nützlich. Sie verhindern, dass wir mehr als die Hälfte des Gesprächsraums besetzen. Und sie machen uns zu einer einladenden Persönlichkeit.

Spontaneität muss dabei nicht unbedingt zum Kern unserer Persönlichkeit gehören. Aber wir können sie trainieren, zum Beispiel in einem Theaterworkshop oder in einem Coaching. Wer mit sich allein trainieren will, stellt sich am besten vor: Dieses Gespräch ist ein Spiel. Ich habe verschiedene Möglichkeiten, wie ich die Spielzüge gestalte.

Echte, interessierte Fragen sind tolle Türöffner, beispielsweise: „Haben Sie schon einmal diese neuen veganen Bowls probiert?“ Der Austausch gelingt, wenn ich mein Gegenüber dazu einlade, etwas von sich preiszugeben – und wenn ich selbst ebenfalls dazu bereit bin. Ein freundlicher Blickkontakt wirkt ebenfalls Wunder. Er signalisiert den notwendigen Vorschuss an Zutrauen: Ich freue mich, Sie hier zu treffen, und ich bin an Ihnen interessiert.

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Was sind Ihrer Meinung nach absolute No-Gos beim Small Talk?

Sylvia Löhken & Tom Peters: Sage den Leuten, wie genial sie sind, und sie reden sich in den nächsten zehn Minuten um Kopf und Kragen. Wer das Wort beherrscht, hat auch Macht über sein Gegenüber. Für uns ist es ein No-Go, jemanden mit Hilfe seiner Eitelkeit zu Fall zu bringen. Ein guter Small Talk gibt dem Gegenüber Raum – aber bitte einen geschützten ohne Falltiefe.

Menschenwürde mag kulturell verschieden interpretiert werden. Aber wir halten es für selbstverständlich, nicht abfällig über Abwesende zu sprechen. Gleiches gilt für politische oder ideologische Haltungen: Die Bewertung polarisiert und nimmt die wertvolle Währung, die in einem gelungenen Small Talk entsteht: das Vertrauen.

Ebenso ist der gesamte Bereich persönlicher Glaubenssätze im Small Talk eher unangebracht. Denn er verhindert, dass wir unserem Gegenüber Raum geben. Bewertung führt oft zu einer negativen Haltung und Stimmung: „Also mit diesem ganzen veganen Hype kann ich ja gar nichts anfangen.“ Und last but not least: Small Talk soll verbinden, nicht trennen. Luxusvilla, Yacht und Privatjet bleiben als Themen also am besten im Country Club.

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