Insolvenzverfahren eröffnet: Das unternehmerische Ende oder erst der Anfang?

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Insolvenzverfahren eröffnet: Das unternehmerische Ende oder erst der Anfang?
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Das Jahr 2021 wird große wirtschaftliche Umwälzungen nach sich ziehen. Es ist mit einer massiven Insolvenzwelle zu rechnen, die europaweit bis zu einem Fünftel aller Unternehmen die wirtschaftliche Existenz entziehen könnte. Doch Insolvenz muss nicht das Ende bedeuten, sondern könnte durchaus eine Chance für einen Neuanfang bieten.

Insolvenzverfahren eröffnet – ein Makel?

In der Vergangenheit war es so, dass ein Insolvenzverfahren automatisch ein Scheitern des Unternehmers oder der Unternehmerin und Unternehmens bedeutete. In den kommenden Jahren wird sich die Bewertung diesbezüglich enorm verändern, einfach deshalb, weil nicht wenige Unternehmen davon betroffen sein werden.

Doch auch schon heute gibt es sinnvolle und gangbare Wege, wie aus einem scheinbaren Horrorszenario noch ein Wunschszenario gemacht werden kann. Um als UnternehmerIn von einem Insolvenzverfahren sogar profitieren zu können, muss sich erstens das eigene Mindset ändern und zweitens einige wichtige Dinge gewusst werden, was das Insolvenzrecht betrifft.

Was ist eine Insolvenz?

Wenn ein Insolvenzverfahren eröffnet wird, ist dies nicht gleichbedeutend mit einem Scheitern des Unternehmens.

Es ist eine Neuausrichtung und damit eine Chance, sich neu zu strukturieren und erfolgreich zu agieren.

Die ersten drei Monate nach Insolvenzanmeldung wird ein Verwalter abgestellt, der die unternehmerische Situation analysiert und versucht, die Lage für die Gläubiger einzuschätzen. Der Verwalter folgt der Insolvenzverordnung und sorgt für Gläubigergleichbehandlung. Eine automatische Zerschlagung des Unternehmens ist nicht das vorrangige Ziel, sondern es können auch alternative Lösungswege gesucht werden, mittels Mechanismen und Tools, die den Unternehmen einen Neustart erlauben. Dies ist auch logisch, da so der Schaden für alle Beteiligten gering gehalten werden kann.

Eigenverwaltung als proaktiver Lösungsansatz

Eine elegante Möglichkeit, die Insolvenz als Chance zu sehen, ist, dass möglichst früh selbst der Insolvenzantrag eingebracht wird vom Unternehmer. Wenn das operative Geschäft funktioniert und dem Gericht ein sinnvolles Konzept vorgelegt werden kann, dann kann auch ein Antrag auf Eigenverwaltung gestellt werden, wo die Geschäftsführung in Händen des Unternehmers bleibt. Dann wird lediglich ein Sachwalter hinzugeschalten, der dafür sorgt, dass die Insolvenzstatuten eingehalten werden.

Dieser Antrag sollte dann eingebracht werden, wenn klar wird, dass man in Zukunft die eigenen Rechnungen nicht mehr begleichen kann. Je früher dies geschieht, desto besser und desto schneller kann man entgegensteuern.

3 Monate Zeit für Neuausrichtung

In den ersten 3 Monaten nach der Insolvenzeinreichung gibt es einige Spezialbedingungen. Dieser Zeitraum wird vom Sachwalter genutzt, um die Lage zu analysieren. Währenddessen wird das sogenannte Insolvenzgeld gezahlt. Dieses kann für die Bezahlung der eigenen MitarbeiterInnen verwendet werden und schafft dabei mehr Liquidität. Gleichzeitig können Verträge mit Lieferanten oder dergleichen gekündigt werden. Sogar die Kündigung sehr “belastender” Verträge wird einfacher und ermöglicht mehr Flexibilität, um wieder profitabel zu wirtschaften. In diesen drei Monaten wird außerdem der Insolvenzplan entworfen und den Gläubigern zur Abstimmung vorgelegt. All das kann dann wieder für Aufwind sorgen, den man vorher nicht für möglich gehalten hätte.

EXTRA: Scheitern als Chance für Entwicklung und Wachstum

Für welche Unternehmen sich diese Form der Insolvenz eignet

Diese Form der Insolvenz eignet sich besonders für Unternehmen, die sich gesundschrumpfen müssen, während der operative Teil des Unternehmens eigentlich solide ist, doch durch Klumpenrisiken oder externe Schocks negativ beeinflusst wurde. Auch diverse Filialisten können durch diese Form der Insolvenzverwaltung profitieren und ihr unternehmerisches Schiff auf Kurs bringen. 

Besser ist es natürlich, bereits im Vorhinein solche Situationen, durch beispielsweise die Implementierung eines professionellen Forderungsmanagements zu verhindern, sodass die eigene Liquidität geschont wird. Doch vor externen Schocks oder Spezialsituationen ist niemand gefeit.

Fazit

Wenn ein Insolvenzverfahren eröffnet wird, ist dies kein Makel und auch kein Zeichen von Scheitern.

Im Gegenteil: Dies kann maßgeblich dazu beitragen, das eigene Business wieder auf Schiene zu bringen. Wichtig ist die kaufmännisch vorsichtige Kalkulation und das schnelle Agieren bei finanzieller Schieflage. So kann dafür gesorgt werden, dass der unternehmerische Erfolg sich bald wieder einstellen kann.

Milan Milic
Milan Milic aus der Schweiz ist ein Experte im Bereich digitales Forderungsmanagement. Mit seinen mehr als 20 Jahren Erfahrung als Unternehmer revolutioniert Milan Milic die Forderungsmanagement Branche durch seine eigene neuartige und innovative Inkasso-Software.

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