Wie spare ich einen finanziellen Notgroschen an?

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Wie spare ich einen finanziellen Notgroschen an?
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Die zahlreichen Jobverluste und Unternehmensschließungen in Folge der Corona-Pandemie dürften vielen von uns wieder vor Augen geführt haben, wie wichtig eine ausreichende finanzielle Rücklage sein kann. Dabei können bereits Alltagsereignisse wie ein Schaden am Auto, eine defekte Waschmaschine oder ein verlorenes Smartphone dafür sorgen, dass kurzfristig liquide Mittel vorhanden sein müssen. Auf der Gegenseite können aber auch schöne Ereignisse wie eine Hochzeit oder ein dringend benötigter Kurzurlaub dafür sorgen, dass Geld gebraucht wird, das ursprünglich nicht für den Monat (oder das Jahr) eingeplant war. Zwar besteht immer die Möglichkeit, im Ernstfall auf einen schnellen Kredit zurückzugreifen – einfacher kann es jedoch sein, frühzeitig selbst für die finanzielle Flexibilität zu sorgen und einen Notgroschen anzusparen.

Wie groß sollte der Notgroschen sein?

Vermutlich bist du schon mal über die Faustformel gestolpert, dass jeder Mensch versuchen sollte, Rücklagen in der Höhe von mindestens 3 Monatsgehältern zu bilden. Dieser Wert ist zwar kein schlechter Startpunkt, sollte jedoch nicht unbedingt als Standardlösung verstanden werden.

Ausschlaggebend für die Höhe des Notgroschens ist vor allem die persönliche Lebenssituation.

Während beispielsweise ein Beamter auch während einer längeren Krankheitsphase vollständig weiter bezahlt wird, müssen Selbstständige und Freiberufler wesentlich weitsichtiger planen und am besten Fall ein Ziel von circa 6 Monatsgehältern für den Notgroschen im Blick behalten. Auch die eigenen Ansprüche und die Verantwortung gegenüber anderen können eine wichtige Rolle spielen. Einem Single- oder Studentenhaushalt dürfe es verhältnismäßig leicht fallen, im Ernstfall den Lebensstandard etwas an die finanzielle Situation anzupassen. Wer Kinder hat oder auch die Familie (zum Beispiel Großeltern) mitversorgen muss, weiß aber selbst, dass sich dieser Ansatz meist nur bedingt umsetzen lässt. Das Wichtigste:

(Finanzielle) Sicherheit hat immer viel mit dem eigenen Bauchgefühl zu tun.

Selbstverständlich ist es sinnvoll, alle monatlichen Ausgaben zusammenzurechnen und so schwarz auf weiß einen detaillierten finanziellen Notfallplan parat zu haben. Letztendlich muss man jedoch für sich selbst entscheiden, mit welcher Summe man sich wohl beziehungsweise sicher fühlt. Das können für den einen 10.000 €, für andere aber auch bereits 5.000 € oder erst 25.000 € sein.

EXTRA: Finanzielle Sicherheit: Lieber reich als glücklich? [Infografik]

Wie baue ich den Notgroschen am besten auf?

Am einfachsten gestaltet sich die Rücklagenbildung natürlich, wenn du sie als Langzeitprojekt ansiehst. Innerhalb weniger Monat einen Notgroschen von 10.000 € oder mehr aufzubauen, dürfte für die meisten kaum möglich sein – oft helfen aber schon ein paar kleine Verzichte dabei, am Ende des Monats 100 – 250 € übrig zu haben, die auch mit gutem Gewissen in die Rücklage wandern können. Ein solcher Betrag mag auf den ersten Blick vielleicht nicht allzu viel erscheinen, bereits nach einigen Monaten entsteht so aber eine Summe, die im Ernstfall einen wichtigen Unterschied machen kann.

Wer nicht beim Lotto gewinnt, große Gehalts-Boni bekommt oder alte Sammelgegenstände gegen gutes Geld verkaufen kann, wird wohl oder übel dazu gezwungen sein, auf ein bisschen Luxus zu verzichten, um regelmäßig Geld zurücklegen zu können. Das sichere Gefühl, das der Notgroschen mit sich bringt, wird das aber bestimmt nachträglich ausgleichen.

Wie sollte ich den Notgroschen anlegen?

Die einfachste Antwort: am besten gar nicht. Wir raten dir dazu, deine Rücklagen nicht in Gold, Aktien oder Wertpapiere zu investieren, sondern stattdessen den direkten Weg über ein kostenloses Giro- oder Tagesgeldkonto zu gehen. Der Grund: In den meisten Fällen wirst du den Notgroschen in Situationen benötigen, in denen es vor allem darauf ankommt, dass das Geld möglichst schnell zur Verfügung steht. Zwar bestehen vor allem bei Aktien immer gewisse Chancen, das Geld zu vermehren – nicht ohne Grund lautet die Faustregel hier aber, dass man nur Geld investieren sollte, das man nicht zum Leben braucht.

Der Vorteil des Tagesgeldkontos gegenüber einem Sparbuch oder einem gewöhnlichen Girokonto: Das Geld ist jederzeit verfügbar, sicher und die Zinsen liegen zumeist in einer Höhe, die bei einer Rücklage von 10.000 Euro zumindest einen Zuwachs zwischen 40 und 120 Euro jährlich bringt. Aber warum sollte man den Notgroschen nicht einfach mit auf das Hauptkonto einzahlen? Wir raten dir davon aus zwei unterschiedlichen Gründen ab:

  • Auf der einen Seite kommst du mit einem separaten Konto nicht in Versuchung, den Notgroschen doch mal für ein neues Smartphone oder einen Wochenendausflug anzubrechen.
  • Andererseits verlierst du auch nicht die finanzielle Übersicht und hast immer ein besseres Gefühl dafür, wie sich dein Kontostand verändert.

Die Alternative: Viele moderne online-basierte Banken bieten Unterkonten für das Girokonto an. Meistens lässt sich dabei ganz einfach via App ein Betrag vom Konto auf das virtuelle Unterkonto ziehen. So ist der Betrag zwar schnell verfügbar und es muss kein neues Konto angelegt werden, auf Wunsch ist er in der Kontoübersicht aber weitestgehend versteckt und kommt nur auf Wunsch zum Vorschein.

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Nicklas Hoffmann hat Medienkommunikation studiert und ist seit 2013 als freiberuflicher Texter und Blogger in Berlin unterwegs. Zu seinen Lieblingsthemen gehören vor allem die Finanzbranche, modernes Marketing und alle Neuigkeiten, die die Technikwelt zu bieten hat.

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