Authentizität im Marketing – wie viel Privatleben muss es sein?

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Authentizität im Marketing – wie viel Privatleben muss es sein
© Robert Kneschke - stock.adobe.com

Autós und óntos – selbst und sein. Diesen beiden griechischen Begriffen verdankt man einen Zungenbrecher, um den man weder im Privatleben noch im Business herumkommt: „Authentizität”. Man soll authentisch sein, das heißt ehrlich, glaubwürdig zuverlässig – und vor allem ganz „man selbst“. Auch im Marketing und ganz besonders beim Personal Branding. Aber was bedeutet das für einen? Wie viel Privatleben muss man preisgeben, um authentisch zu sein? Und wie viel authentisch ist zu viel?

Persönlich oder privat – der feine Unterschied

Die gute Nachricht zuerst: Ehrlich, glaubwürdig zuverlässig – das alles kann ich sein, ohne für mein Unternehmen oder meine Personenmarke mein Innerstes nach außen zu stülpen. Anders ausgedrückt: Persönlich werden ist gut, zu privat nicht nötig.

Ein Beispiel, um den Unterschied zu verdeutlichen: Wenn ich Frauen mit Kind oder mit Kinderwunsch auf ihrem Weg in die Selbständigkeit berate, dann ist es für sie von Interesse, wie ich selbst als Selbständige meinen Alltag mit Kind organisiere. Ob ich aber über weiteren Nachwuchs nachdenke, das geht nur mich und meinen Partner etwas an. Für meine Kundinnen ist das nicht relevant und deshalb bleiben meine Gedanken dazu privat.

Eine Unternehmerin dagegen, die sich mit Familienmanagement beschäftigt, wird das Nachdenken über ein weiteres Kind vielleicht zum öffentlichen Thema machen. Die Argumente, die für oder gegen ein zweites oder drittes Kind sprechen, passen zum Inhalt ihres Angebotes, bringen ihrer Klientel also Mehrwert. Berichtet sie aus eigener Erfahrung, ist das umso authentischer.

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Der spezifische Personality-Mix

Die Grenze zwischen persönlich und privat ist also nicht starr. Wir selbst müssen sie ziehen und dabei unserem Gefühl folgen. Und wenn in Kommentaren und Postings mehr Privates von uns gewünscht wird, als wir zu zeigen bereit sind, dann dürfen und sollten wir uns davon nicht verunsichern lassen. Mit wie viel Einblick in unser Privatleben wir den Begriff „authentisch“ füllen, ist und bleibt allein unsere Sache.

Aber warum überhaupt auf den Zug Authentizität aufspringen? Es ging früher doch auch ohne. Ganz einfach: Durch authentisches Marketing werden wir attraktiv, weil wir uns als Menschen zeigen. Deshalb ist es gerade beim Aufbau einer Personenmarke sinnvoll, ein stimmiges Bild der Persönlichkeit zu zeichnen. Wir lassen unsere Follower sehen, wie wir ticken, in dem wir uns zum Beispiel ruhig und zurückhaltend, sanft und humorvoll oder laut, rebellisch, frech und lustig präsentieren. Wir zeigen unseren spezifischen, stimmigen Personality-Mix. Das mögen die Menschen.

Ein weiterer Vorteil ist das extrem große Potential zur Differenzierung in immer stärker wachsenden Märkten. Denn so individuell wie wir Menschen sind, so viele unterschiedliche Markenpersönlichkeiten können letztendlich entstehen. Auch auf einem riesigen Markt kann ich mich mit meiner Eigenart von anderen abheben, bin unverwechselbar. Wenn hundert Unternehmen ein ähnliches Angebot machen wie ich, werden Menschen sich dann für mich und mein Business entscheiden, wenn ihnen meine Persönlichkeit gefällt.

Marketing leicht gemacht

Und es ist so leicht. Wir müssen uns keine Werbestrategien mehr ausdenken, kein Image künstlich aufbauen, sondern nur von unserem Leben und unserer Arbeit erzählen – innerhalb der von uns festgesetzten Grenzen. Wir dürfen (und sollten) sogar Schwächen zeigen, von unseren Fails und unseren Gefühlen dazu posten. Mit Ehrlichkeit im Hinblick auf eigene Fehler und Schwächen zeigen wir Stärke. Genauso werden sich natürlich Erfolge und Wachstumssprünge in unserem authentischen Marketing spiegeln. All unsere inneren und äußeren Entwicklungen als Unternehmer:innen bieten natürliche Anknüpfungspunkte.

Durch Social Media und seine vielen Möglichkeiten der Darstellung ist es besonders leicht, unsere Persönlichkeit zu zeigen:  

  • Du regst dich über einen Trend in deiner Branche auf, hältst die Entwicklung für völlig falsch: Lass deine Wut und Sorge in einem Live-Stream raus.
  • Du hast eine riesengroße Erkenntnis in deinem Business gehabt – schreib in deinem Blog darüber.
  • Du hast einen neuen Ansatz entwickelt, mit dem sich endlich ein Problem bewältigen lässt, mit dem du Jahre gekämpft hast? Diese persönliche Erfolgsstory ist die perfekte Basis für einen Onlinekurs.

„Die gute Nachricht zuerst: Ehrlich, glaubwürdig zuverlässig – das alles kann ich sein, ohne für mein Unternehmen oder meine Personenmarke mein Innerstes nach außen zu stülpen.“

Mit diesem Satz habe ich diesen Beitrag begonnen. Und was ist nun die schlechte Nachricht? Es gibt keine. Authentizität im Marketing ist völlig zu Recht im Trend. Richtig verstanden und mit Bedacht eingesetzt ist Authentizität im Marketing für Unternehmerinnen und Unternehmen ein wunderbares Mittel der Präsentation.

Kristin Woltmann
Mit ihrem ganzheitlichen Ansatz als Holistic Business Coach hat Kristin Woltmann seit 2019 über 1.000 Frauen auf dem Weg zu ihrem eigenen Business begleitet. Vor ihrer Selbständigkeit absolvierte Woltmann eine Banklehre und studiere BWL, während sie gleichzeitig in einem Finanzkonzern schnell Karriere machte. Ihre Leidenschaft für gesunde Lebensweise und Spiritualität lebte sie anfangs als Yoga-Lehrerin, erfolgreiche Bloggerin und Buch-Autorin aus und folgt heute als ganzheitlicher Business Coach ihrer eigentlichen Berufung. Der Erfolg gibt ihr Recht. Allein 2021 lag ihr Umsatz bei 1,5 Millionen Euro. Foto: Lukas P. Schmidt

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