Young Leadership: Hilfe, ich muss 400 Leute führen!

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Young Leadership: Hilfe, ich muss 400 Leute führen!
© Yuriy Shevtsov - stock.adobe.com

Wenn ein Start-up in die Skalierungsphase eintritt, kann Führung zu einer Herausforderung werden. Auf einmal ist das Unternehmen stark gewachsen, und nun stehen GründerInnen vor einem großen Team und sollen wissen, wie man es führt. Die meisten von ihnen sind dafür nicht gerüstet.

Besonders schwierig ist es für jene, die keine Erfahrungen in der Unternehmenswelt gesammelt haben und damit auch nie einen Manager oder eine Managerin als Vorbild hatten, von denen sie sich etwas abschauen konnten. Davon, ob sie in ihre neue Rolle hineinfinden oder nicht, hängt nun der Erfolg des gesamten Unternehmens ab. Führungskräfte sollten daher unbedingt in den Ausbau ihrer Leadership- und Managementqualitäten investieren.

Erkenne den Unterschied zwischen Führen und Managen

Bevor wir in dieses Thema eintauchen, sollten wir zunächst klären, was wir mit Leadership und Management meinen. Beide sind gleichermaßen wichtig für einen CEO, um in seiner Rolle erfolgreich zu sein. Aber wie unterscheiden sie sich voneinander?

Besonders treffend hat es der Autor und Speaker Alexander den Heijer formuliert:

„Wenn ich mit Managern spreche, habe ich das Gefühl, dass sie wichtig sind. Wenn ich mit Leadern spreche, bekomme ich das Gefühl, dass ich wichtig bin.“

Das Zitat bringt die Fähigkeit eines Leaders zum Ausdruck, andere zu inspirieren und Menschen dazu zu bringen, ihnen freiwillig zu folgen, während ein Manager Menschen dazu bringt, für ihn zu arbeiten, indem er seine hierarchische Macht ausübt.

Ein Leader ist vergleichbar mit dem Kapitän eines großen Schiffes, der seinen Rang nicht nutzen muss, um Menschen an Bord zu zwingen, sondern dies durch seine starken Kommunikationsfähigkeiten erreicht. Potenzielle Besatzungsmitglieder möchten wissen, wohin die Fahrt geht und wie lange die Reise dauern wird, wo sie schlafen werden und ob es genug zu essen gibt. Am wichtigsten ist jedoch: Sie müssen das Gefühl haben, dass sie dem Kapitän vertrauen können. Das kann nur eine großartige Führung erreichen.

Dabei geht es im Leadership keinesfalls darum, alle glücklich zu machen. Im Gegenteil: Bei rauer See muss das Team wissen, dass der Kapitän ehrlich und offen mitteilt, wenn ein Eisberg vor ihnen liegt, und idealerweise früh genug, um eine Kollision zu vermeiden.

Was bedeutet das nun für dich? Hier sind die drei wichtigsten Dinge, die ein wahrer Leader tun sollte:

  1. Entwickle eine klare Vision und sei in der Lage, die Story so zu erzählen, dass die anderen das Ziel visualisieren können.
  2. Nimm‘ Menschen mit auf die Reise und leite sie durch Kommunikation, Inspiration und Motivation.
  3. Sei auf dem Weg zu deinem Ziel transparent, an welchem Punkt auf der Reise ihr gerade steht. Zwischendurch kann es zu Richtungsänderungen kommen – erkläre stets die Gründe dafür.

EXTRA: Empathischer Führungsstil: Brauche ich für mein Team Samthandschuhe?

Entscheide dich für einen Führungsstil

Die nächste Frage ist: Welche Art von Führungskraft möchtest du sein? Die Theorie unterscheidet zwischen drei bis zwölf verschiedenen Führungsstilen. Im Bezug auf Scale-ups sind vor allem diese sechs sinnvoll:

  1. Autokratisch: Eine Führungskraft, die Entscheidungen trifft, ohne das Team miteinzubeziehen, und darauf besteht, wie die Dinge zu tun sind.
  2. Transaktional: Ergebnisorientiert, durch eine Kombination von Belohnungen und Sanktionen.
  3. Transformational: Die Führungskraft entwickelt eine klare Vision und handelt und verhält sich als Vorbild, um das gewünschte Verhalten zu fördern.
  4. Coaching: Glaubt an das Talent der TeamkollegInnen und lässt sie Entscheidungen treffen.
  5. Demokratisch: Bezieht das gesamte Team ständig in jede Entscheidung mit ein.
  6. Laissez-faire: Keine Supervision, das Gegenteil von autokratisch.

Wie im Diagramm zu sehen ist, kann und sollte sich der Führungsstil im Laufe des Skalierungsprozesses entwickeln. Je näher der Exit rückt, in einem zunehmend ergebnisorientierten Umfeld, desto transaktionaler muss dein Führungsstil werden, um die Ziellinie zu erreichen. Was dagegen konstant bleiben sollte, sind deine Authentizität und deine Wertschätzung für Menschen.

© Daniel Beutler – Leadership Models in Scale-Ups

Ein effektiver Manager sein

Sobald du deine Qualitäten als Führungskraft genutzt hast, um deine Vision zu entwickeln, brauchst du einen Weg, sie umzusetzen. Hier kommen die Aufgaben als Manager ins Spiel. Als solcher musst du das Ziel in greifbare Ergebnisse runterbrechen, die passende Organisationsstruktur finden und das budgetär abbilden.

Ein Manager konzentriert sich mehr auf Details und monitored die Ergebnisse. Ziel ist es, einen Rahmen zu schaffen, der das Beste aus den Menschen in diesem herausfordernden Prozess herausholt.

  • Lege klare KPIs fest.
  • Sag deinen MitarbeiterInnen nicht, wie sie ihre Arbeit machen sollen. Alles was zählt, ist der Output. Stelle ihnen die richtigen Informationen und Tools zur Verfügung. Coache sie auf dem Weg zum Ergebnis, indem du ein Sparrings- und Denkpartner für sie bist. Hilf ihnen, potenzielle Hindernisse aus dem Weg zu räumen. 
  • Arbeite regelmäßig an der Organisationsstruktur: Stelle sicher, dass die richtigen Leute auf den richtigen Positionen eingesetzt sind.

Mit der Zeit wird das Team noch größer werden, und für den CEO werden damit viele Themen, die auf deinem Schreibtisch landen, immer abstrakter. Im Idealfall solltest du daher nie mehr als fünf direkt unterstellte MitarbeiterInnen haben – so wird nur die Organisation darunter größer, und du kannst dich auf die Dinge konzentrieren, die für das Unternehmen den größten Mehrwert erzielen.

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Daniel Beutler
Daniel Beutler ist zertifizierter Executive Business Coach und Board Advisor. Er führte Captain Train zum erfolgreichen Exit und Trainline an die Börse. Heute nutzt er seine Erfahrung, um Führungskräfte (Corporate und Start-up) zu coachen oder in ihren Boards zu beraten. Gerade ist sein Buch „Exit Ahead – The Scale-Up Playbook” erschienen.

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