Vom Dirigenten lernen: 3 Tipps für Unternehmer

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Vom Orchester lernen: So dirigierst du als Unternehmer
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Was haben Dirigenten und Unternehmer gemeinsam? Ein Unternehmen zu leiten und ein Orchester zu dirigieren, bringt ähnliche Herausforderungen mit sich. In beiden Fällen müssen DirigentInnen bzw. UnternehmerInnen unterschiedlichste Team- bzw. Ensemblemitglieder sowie deren jeweilige Stärken und Egos zu einem harmonischen Einklang und einer gemeinsamen Vision zusammenführen.

Hier erhältst du drei Tipps aus der Musikwelt, wie du diese Aufgabe in deinem Unternehmen besser meistern kannst.

1. Aufeinander hören

Verschiedene Charaktere, Qualifikationen und Talente können sich in einem Unternehmen auf vielfältige, aber oft auch allzu unscheinbare Weise ausdrücken. Hier den richtigen Über- und Einblick in das Team zu gewinnen, stellt sich für viele Führungskräfte mühselig und schwierig dar. Deswegen vertrauen​​ sie häufig notgedrungen darauf, dass alles schon laufen wird und keine schlimmen Fehler auftreten werden.

Ganz anders in einem Orchester: Hier können sowohl DirigentInnen als auch die Musizierenden ganz genau hören, was jede/r Einzelne zu jeglichem Zeitpunkt spielt und zum Gesamtklang beiträgt. Die jeweiligen Leistungen und daraus folgenden Qualitäten oder Schwächen der einzelnen Orchestermitglieder sind somit viel leichter zu erkennen und herauszufiltern. DirigentInnen hören z. B. sofort, wenn die Kontrabässe schleppen oder die Holzbläser nicht mit den Streichern harmonieren, und können helfend eingreifen. Genauso sind auch die einzelnen Musizierenden dazu in der Lage, in Echtzeit auf den klanglichen Output der anderen zu reagieren und sich dynamisch anzupassen.

Damit dies ebenso im Unternehmensumfeld funktioniert, müssen Unternehmer genauso achtsam hinhören wie Dirigenten und eine „Philosophie des offenen Ohres“ etablieren. Nur wenn sowohl Führungskräfte als auch sämtliche Teammitglieder grundlegend und aktiv den anderen zuhören, wird ein Aneinander-Vorbei-Arbeiten verhindert und eine aufmerksame und konstruktive Interaktion ermöglicht.

2. Das bestmögliche Ensemble zusammenstellen

Der transparente Output jedes Orchestermitglieds macht allen Beteiligten eine weitere Wahrheit ebenfalls mehr als klar: Der Gesamtklang kann nur so gut sein wie der/die schlechteste Musizierende im Ensemble. Weicht auch nur eine Person negativ vom Qualitätslevel der anderen ab, sinkt automatisch das Niveau des kompletten Orchesters. Genau das Gleiche trifft auch auf Unternehmen zu: Für den gemeinsamen Teamerfolg müssen alle Mitglieder von Anfang an top-qualifiziert und -motiviert sein. Ist dem nicht der Fall, fällt dies hier jedoch nicht so schnell und unmittelbar auf wie ein schiefer Ton im Konzertsaal.

Gerade die schlechteren Möglichkeiten, Leistungsdefizite im Team zu erkennen und rechtzeitig zu beheben, machen es für UnternehmerInnen daher notwendig, diese durch einen besonders sorgfältigen Rekrutierungsprozess von vornherein zu vermeiden. Nur wer gleich zu Beginn ein Team mit durchgehend und verlässlich hohem Niveau aufbaut, kann gemeinsam Außergewöhnliches leisten und die gewünschten Ziele ohne unnötige Verzögerungen erreichen.

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3. Leidenschaft entfachen

In der Musikwelt liegt ein großer Fokus auf dem Talent als entscheidenden Faktor für eine professionelle Karriere. Mindestens genauso wichtig ist letztlich aber auch extremer Fleiß und die Bereitschaft, dem Instrument und dem Beruf als MusikerIn den Großteil seiner/ihrer Lebenszeit zu widmen. Diese Hingabe ist auf Dauer nicht möglich ohne eine entsprechende Leidenschaft für die Musik.

Auch im Unternehmen reichen Talent und Qualifikationen der Mitarbeitenden letztlich nicht aus – für hervorragende Leistungen braucht es ebenso den nötigen Fleiß. Dementsprechend sollte wiederum bereits beim Recruiting sichergestellt werden, dass BewerberInnen eine gewisse Leidenschaft für das Thema und die Geschäftsidee des Unternehmens mit sich bringt. Außerdem liegt es in der Macht der Führungskräfte, durch eine klare Vision und ansteckende Begeisterung das Team mitzureißen und so in ihm immer wieder neue Leidenschaft für das gemeinsame Ziel zu entfachen. Unternehmer können sich sehr gut bei Dirigenten beobachten, wie das funktioniert.

Boian Videnoff
Boian Videnoff, Gründer und Künstlerischer Leiter der Mannheimer Philharmoniker, hat 2018 zusammen mit Evgeny Mitichkin und Josef Tufan das Musiktechnologie-Start-up Enote gegründet. Mit Enote wollen sie digitale Notenblätter einfacher zugänglich, bezahlbarer und interaktiver machen. Das Unternehmen hat ein fortschrittliches System mit künstlicher Intelligenz entwickelt, um Jahrhunderte an geschriebener Musik zu analysieren, digital zu rekonstruieren und über eine iOS-App zu veröffentlichen.

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