Langsamer Bildaufbau, eingefrorene Systeme – So geben virtuelle IT-Umgebungen Gas!

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RDP-Beschleunigung: Das Problem an der Wurzel packen

Die aufgeführten Schwächen des RDP-Protokolls führen oft dazu, dass sich Unternehmen nach alternativen, teils proprietären Protokollen umsehen, oder die Entscheidung für Virtualisierung wird gänzlich infrage gestellt. Da sich RDP aber über die Jahre als das dominierende Protokoll für virtualisierte Infrastrukturen durchgesetzt hat, ist eine Optimierung des Protokolls naheliegend. Hierbei stehen kurze Antwortzeiten und ein schneller Bildaufbau im Vordergrund. Moderne Lösungen erreichen eine Beschleunigung um bis zu Faktor 10. Dazu trägt hauptsächlich die anpassbare Kompression von grafiklastigen Inhalten und Anwendungen wie Bildern, Videos, PDF-Dokumenten bei.

Weitere Maßnahmen zur RDP-Beschleunigung sind Packet Shaping, was zu einer deutlich effizienteren und damit schnelleren Übertragung des RDP-Datenstroms führt, und ein intelligenter Bildaufbau. Natives RDP transportiert Bildschirmseiten als einzelne Pakete geringer Größe und setzt diese erst am Client wieder zum Gesamtbild zusammen. Bei langsamen Verbindungen – typischerweise bei Nutzung von WAN- und Mobilfunkleitungen – baut sich der Bildschirminhalt bei dieser Vorgehensweise nur schrittweise auf. In der Folge sind die Mitarbeiter unzufrieden, weil ein flüssiges Arbeiten nicht möglich ist. Manche RDP-Beschleuniger setzen daher auf die Übertragung ganzer Bildschirmseiten. Dies führt zwar nicht zu einer Beschleunigung von RDP an sich, trägt aber zu einer besseren User Experience bei. Vorteile gegenüber Hardware-Lösungen bietet eine software-seitige RDP-Beschleunigung auch beim Kostenkapitel. Denn entsprechende Produkte müssen nur für die Arbeitsplätze gekauft bzw. lizensiert werden, an denen sie auch tatsächlich benötigt werden.

Alternative Lösungen und Protokolle

Mit dem Service-Pack 1 (SP1) für Windows Server 2008 R2 führte Microsoft eine Erweiterung des RDP-Protokolls namens RemoteFX ein. RemoteFX verbessert die Multimedia-Performance von virtualisierten Umgebungen, sodass RDP-Clients Windows Aero, Silverlight nutzen, Flash und Videos abspielen und 3D-Anwendungen ausführen können. Der Einsatz von RemoteFX unterliegt aber gewissen Restriktionen. Zum einen sieht Microsoft die Nutzung nur innerhalb eines LANs vor. Zum Anderen erfordert das Codieren und Decodieren von Multimedia-Inhalten entsprechend leistungsfähige Grafik-Chips auf Serverseite, die in den allerseltensten Fällen vorhanden sind.

RDP hat sich zwar zum Quasi-Standard entwickelt, das einzige Protokoll im Remote-Desktop-Bereich ist es dennoch nicht. Hersteller wie Citrix und VMware investieren viel Zeit und Geld in die Entwicklung eigener Protokolle, die insbesondere hinsichtlich der Übertragung von Multimedia-Inhalten optimiert sind. Citrix beispielsweise setzt mit seinem Protokoll HDX– soweit möglich – auf client-seitiges Rendering, um den Datenstrom möglichst gering zu halten und eine bestmögliche Anzeigequalität am Endgerät zu erreichen.

VMware verwendet mit dem von Teradici entwickelten PC-over-IP-Protokoll (PCoIP) eine ursprünglich chip-integrierte Lösung, die sowohl auf Server- als auch auf Client-Seite spezielle Hardware-Komponenten erfordert. Diese Chips komprimieren Bildschirmsignale und USB-Daten von Peripheriegeräten und wandeln sie in einen IP-Stream um, der am Endgerät wiederum entschlüsselt wird. Mittlerweile ist PCoIP rein auf Software-Basis realisierbar. Wie bei allen Alternativ-Protokollen sind Unternehmen hierbei allerdings an einen Anbieter gebunden, statt mit hersteller-unabhängigen Standards zu arbeiten. Außerdem fällt die Kostenbilanz einer solchen Lösung fast immer schlechter aus als beim Einsatz von RDP.

Fazit

Der Nutzerkomfort ist beim Einsatz von Remote Desktop und Terminalserver-Lösungen eines der wichtigsten Kriterien. Nur wenn die User Experience auf dem Niveau klassischer PCs liegt, können kritische Geschäftsprozesse schnell und effizient bearbeitet werden. Zudem steigt die Produktivität der Mitarbeiter, wenn sie sich im Umgang mit ihrem Endgerät „wohl fühlen“. Als Quasi-Standard für die Übertragung von Bildschirminhalten in virtualisierten Umgebungen zeigt RDP leider spezifische Schwächen, die den Nutzerkomfort nachhaltig beeinträchtigen können. Unternehmen sollten aber deswegen nicht auf den Einsatz modernster Technologien wie VDI oder Terminal Services verzichten, sondern vielmehr in eine leistungsfähige Optimierung von RDP investieren, um den Anwendern den maximalen Arbeitskomfort zu ermöglichen.

Bei der Auswahl einer entsprechenden Lösung sollten Unternehmen darauf achten, keine kostenintensiven, hardware-basierten Maßnahmen zur Optimierung der Netzwerkverbindungen zu implementieren, zumal solche Lösungen immer nur dann Erfolg zeigen, wenn auch die Arbeitsplätze mit der entsprechenden Technik ausgerüstet sind. Mobile Mitarbeiter und häufig wechselnde Außenstandorte bleiben hierbei meist unberücksichtigt. Kostengünstiger und effizienter sind reine Software-Lösungen, die direkten Einfluss auf RDP nehmen und mit starker Kompression und intelligentem Packet Shaping für eine signifikante Beschleunigung sorgen – auch und gerade bei der Nutzung langsamer WAN- und Mobilfunkverbindungen.

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Alexander Vierschrodt
Alexander Vierschrodt ist seit seinem Abschluss als Diplom Ökonom (1998) in der IT tätig und bekannt als Autor verschiedener Fachartikel zum Thema Terminalserver-Technik, Server Based Computing und VDI. Seit 2003 arbeitet er für die H+H Software GmbH als Produkt- und Marketingmanager. Zuvor war er Produktmanager bei der SuSE Linux AG.

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